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Tönisvorst
Flüchtlingshilfe braucht Hilfe

Tönisvorst: Flüchtlingshilfe braucht Hilfe
Im Juli 2016 lud die Flüchtlingshilfe zu einem Kulturfest ein. Auch 2018 soll es wieder ein Sommerfest geben, bei dem die Flüchtlinge sich vorstellen und mit Deutschen in Kontakt kommen wollen. FOTO: ACHIM HÜSKES
Tönisvorst. Für die Integration von Flüchtlingen ist es wichtig, dass sie die Sprache lernen, in der Schule mitkommen und mit Einheimischen Kontakt haben. Zurzeit aber gibt es zu wenige, die bereit sind, sich in der Flüchtlingshilfe zu engagieren. Von Stephanie Wickerath

Kaum ein Verein bietet so viele unterschiedliche Möglichkeiten, sich ehrenamtlich einzubringen, wie die Flüchtlingshilfe Tönisvorst. Ob als Lehrer oder in der Fahrradwerkstatt, als Möbelschlepper oder Berater bei der Jobsuche, als Fahrer oder als Wegweiser durch den Bürokratie-Dschungel, als Kindergärtner oder Organisator von Familienausflügen - überall werden Helfer gesucht. "Wir finden für jeden die passende Aufgabe", verspricht Peter Hohlweger. Das Alter spiele dabei keine Rolle und Fremdsprachenkenntnisse seien nicht nötig.

Seit zweieinhalb Jahren ist der 57-Jährige Koordinator der Flüchtlingshilfe Tönisvorst. "Am Anfang gab es eine unglaublich große Bereitschaft, den vielen Menschen, die zu uns kamen, bei der Integration zu helfen", erinnert sich der Koordinator. Gut 220 aktive Mitglieder habe der Verein noch vor einem Jahr gehabt. "Heute sind in der Datenbank noch 128 Ehrenamtler, aber der harte Kern, der wirklich aktiv ist, besteht aus 60 bis 70 Menschen", sagt Hohlweger.

Die Folge: Viele Angebote sind nicht mehr aufrecht zu erhalten. "Wir können längst nicht mehr so viele Deutschkurse anbieten, der Kindergarten in der Flüchtlingsunterkunft findet nur noch an einem Vormittag statt, das Frühstückscafé ist eingestellt", nennt der 57-Jährige einige Beispiele. Das sei auch deshalb schade, weil diese Angebote für viele Flüchtlinge der einzige Kontakt zu Deutschen seien. "Dabei sind der Spracherwerb und der Austausch mit Einheimischen unheimlich wichtig für die Integration und für das Verständnis der deutschen Lebensweise", weiß Hohlweger aus Erfahrung.

Nun ist es nicht so, dass die Flüchtlingshilfe in Tönisvorst, die einst als vorbildlich im Kreis galt, völlig erlahmt ist. Es gibt noch immer eine Gruppe, die drei bis viermal in der Woche die Brotspenden der örtlichen Bäcker zu den Unterkünften bringt. Es gibt nach wie vor Deutschkurse und auch die Fahrradgruppe, die gespendete Räder sammelt und auf den neuesten Stand bringt, funktioniert gut, auch deshalb, weil Flüchtlinge mitarbeiten. Weiterhin gibt es eine Flüchtlingssprechstunde, Hilfe bei der Wohnungs- und bei der Jobsuche. Aber die Helfer brauchen Hilfe.

"Wir suchen dringend Verstärkung bei der Jobsprechstunde und wir brauchen Job-Paten, die sich individuell um einen Flüchtling kümmern", sagt Torsten Barabasch, der die Gruppe leitet. Es gehe darum, beim Schreiben von Bewerbungen zu helfen, Zeugnisse beglaubigen zu lassen, Kontakte zu Arbeitgebern herzustellen und Missverständnisse zwischen Jobcenter und Klient aus dem Weg zu räumen. Während die Sprechstunde jeden Donnerstag von 18 bis 20 Uhr im Jugendfreizeitzentrum stattfindet, ist die direkte Betreuung zeitlich flexibel und kann auch von Zuhause organisiert werden. Ebenso dringend gesucht werden Nachhilfelehrer für Kinder und Jugendliche. "Wir brauchen Menschen, die Grundschulkindern beim Schreiben der lateinischen Buchstaben und beim Lesen helfen und den Jugendlichen Nachhilfe geben, die eine Ausbildungsstelle haben und die Berufsschule besuchen", sagt Peter Hohlweger. Viele Flüchtlinge seien in der Ausbildung sehr gut, hätten aber Probleme in der Berufsschule. "Oft verstehen sie die Lehrer einfach nicht oder haben nicht gelehrt zu lernen", sagt Edith Mascini, die die Flüchtlingshilfe in Vorst koordiniert. Auch der Kindergarten in der Flüchtlingsunterkunft an der Industriestraße in St. Tönis möchte gerne wieder an einem oder zwei weiteren Vormittagen von 9.30 Uhr bis 12.30 Uhr öffnen, denn nicht alle Flüchtlingskinder bekommen sofort einen Platz in der Kita. Aber auch hier fehlen Menschen, die Spaß dran haben, mit Kindern zu malen, zu basteln und zu spielen.

Quelle: RP
 
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