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Brüggen
Abgestürzter Pilot kehrte 1946 heim

Brüggen: Abgestürzter Pilot kehrte 1946 heim
Turnidge stürzte am 18. Dezember 1944 mit seinem Flugzeug über einem Feld am Deichweg in Brüggen ab. 1946 kehrte er zurück in die USA. Repro: hah FOTO: Donald
Brüggen. Amerikanische Archäologen haben auf einem Feld am Deichweg in Brüggen ein im Zweiten Weltkrieg abgeschossenes Flugzeug gesucht. Sie fanden eins — doch nicht das, welches sie gesucht hatten. Die Geschichte einer Spurensuche Von Heike Ahlen

Anfang Mai 2016 steht die Archäologin Penny Minturn mit ihrem 15-köpfigen Team der "Defense POW/MIA accounting agency" (DPAA) aus den USA auf einem Feld am Deichweg in Brüggen. Sie erklärt, warum sie der Öffentlichkeit nicht sagen möchte, was das Team genau sucht. Es geht um ein Flugzeug, eine P51D Mustang, die dort im Januar 1945 abgeschossen worden sein soll. Genauer: Es geht um die sterblichen Überreste des Piloten. Das DPAA-Team möchte sie finden, um den Angehörigen nach über 70 Jahren endlich Gewissheit geben zu können über das Schicksal ihres Vaters oder Onkels.

Dafür gibt es umfangreiche Vorarbeiten und Recherchen. Wenn die Archäologen-Teams anrücken, sind sie sehr sicher, etwas zu finden. Zu viel Hoffnung wollen sie den Hinterbliebenen aber nicht machen, daher die Geheimhaltung. "Denn wir finden nicht immer etwas", erzählt Minturn im Mai. "Und manchmal etwas ganz anderes, als wir gesucht haben."

Als die Archäologen vom Deichweg wieder abziehen, sind sie sehr sicher, richtig zu liegen. Denn sie haben das Spornrad einer P51D Mustang gefunden. Auch alle anderen Sondierungen deuten darauf hin, dass im Feld die gesuchte Maschine liegen muss. Entsprechend optimistisch rückt Ende Juli ein neues Team an. Die Stelle erweist sich als richtig: In geringer Tiefe findet das Team die ersten Wrackteile.

Doch dann ändert ein Fundstück alles: Die Baggerschaufel fischt ein Stück Metall aus dem Wasser. Es ist der vordere Teil eines Maschinengewehrs - fast unversehrt und mit deutlich lesbarer Registrierungsnummer. Die Nummer beweist: Das Gewehr gehört nicht zu dem gesuchten Flugzeug, sondern zu einer anderen P51D Mustang. Die war geflogen worden von Second Lieutenant Donald L. Turnidge von der 356nd Fighter Group. Er startete am 18. Dezember 1944 in Martlesham Heath in England mit anderen Piloten, um eine Mission in Paderborn und Gießen zu erfüllen. Eine dichte Wolkendecke verhinderte den Erfolg. Andere Piloten sahen, dass die Maschine sich drehte, ins Trudeln geriet und in einer Höhe von etwa 7500 Metern in die Wolkendecke eintauchte und verschwand. Unklar ist, ob ein Treffer oder eine plötzliche Ohnmacht durch Sauerstoffmangel die Ursache waren.

Zunächst ging man davon aus, dass Turnidge mit seinem Flugzeug auf dem Boden aufgeschlagen sei. Nach einigen Wochen hörte man aber vom Roten Kreuz, dass dem Piloten der Absprung per Fallschirm gelungen und er in Kriegsgefangenschaft geraten war. Er kehrte nach Kriegsende zu seiner Frau nach Oregon/USA zurück, arbeitete als Farmer, baute Pfefferminze an und blieb Zeit seines Lebens der Fliegerei treu. Mit seiner Frau Ruth bekam er zwei Töchter und einen Sohn, es folgten Enkel und Urenkel. Turnidge, dessen Flugzeug im Feld am Deichweg liegt, starb 2004 im Alter von 81 Jahren an den Folgen einer Krebserkrankung.

Für die DPAA-Teams endet die Geschichte an dieser Stelle. Für die Gemeinde Brüggen beginnt mit der Erkenntnis, dass im Feld ein Flugzeug liegt, das vielleicht Bomben geladen hatte, eine neue Geschichte.

Quelle: RP
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