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Kontrollierte Sprengung am Abend
Bombe reißt Krater in Viersens Innenstadt

Bombe in Viersen: Das Ausmaß der Schäden im September
Bombe in Viersen: Das Ausmaß der Schäden im September FOTO: dpa, Marius Becker
Viersen. Die amerikanische Fliegerbombe, die am Montag in Viersen gefunden wurde, ist am Abend gesprengt worden. Dabei wurden mehrere Häuser erheblich beschädigt. Nach Angaben von Bürgermeister Günter Thönnessen muss mindestens ein Gebäude abgerissen werden. Von T. Walter, C. Schwerdtfeger und J. Conrady

Die Explosion hat einen tiefen Krater in den Boden gerissen. Die Viersener Fußgängerzone bleibt noch bis mindestens Dienstag gesperrt. Die übrigen Sperrungen in der Viersener Innenstadt wurden am späten Montagabend aufgehoben.

Am Dienstagmorgen konnten die meisten Menschen wieder zurück in ihre Häuser. "Bis auf die Bewohner der zwei unbewohnbaren Gebäude konnten alle wieder nach Hause", sagte ein Polizeisprecher am Dienstagmorgen.

Den Menschen, die in unmittelbarer Nähe des Fundorts wohnen, wurde in der Nacht dringend dazu geraten, in den Sammelstellen zu bleiben. Noch ist unklar, welche der besonder beschädigten Häuser weiter bewohnbar sind. Gegen Mitternacht untersuchte ein Erkundungstrupp aus Experten den Zustand der Häuser. Einzelheiten zu den Schäden sollen am Dienstag bekannt gegeben werden, dann wollen Statiker die Gebäude untersuchen.

Experten in Lebensgefahr

Die Sprengung erfolgte um kurz nach 23 Uhr. Die Entschärfung war deshalb so gefährlich, weil eine Bombe mit Säurezünder keinesfalls bewegt werden darf. Die Viersener 2,5-Zentner-Bombe war jedoch bei Bauarbeiten in eine Baugrube gerutscht. Daher war davon auszugehen, dass der Zünder aktiviert wurde. Wenn das passiert, ist eine Explosion innerhalb einer Zeitspanne zwischen 30 Minuten und 144 Stunden zu erwarten. Das Entschärfungsteam begab sich bei seiner Arbeit in Lebensgefahr. "Dass durch die Explosion Schäden entstehen würden, war unvermeidbar", sagt Dieter Denecke vom Kampfmittelräumdienst. Bei der Sprengung einer Bombe mit einem Zünder gleichen Typs waren 2010 in Göttingen drei Menschen getötet worden. 

Mit der Explosion der Bombe endete für die Anwohner in Viersen eine eine lange Wartezeit. Schon um 15.30 Uhr hatten Polizei und Feuerwehr begonnen, die Innenstadt weiträumig zu evakuieren. 10.000 Menschen mussten in Sicherheit gebracht werden. Rund 700 Helfer - etwa von Feuerwehr, Polizei oder THW - waren den Angaben zufolge im Einsatz.

Kreisbrandmeister Klaus-Thomas Riedel bezeichnete die Evakuierung als "logistische Herausforderung, die man nicht alle Tage hat und für die man normalerweise mehrere Tage benötigt."

Nicht alle Anwohner sind kooperativ

Die Räumung der Innenstadt hatte sich am Abend immer weiter verzögert. Noch bei einer Pressekonferenz um 19.30 Uhr war völlig unklar, wann die Sprengung würde erfolgen können. Bis zum späten Abend befanden sich in den Häusern in der Innenstadt noch immer einzelne Menschen. Ein Sondereinsatzkommando der Kölner Polizei war zur Unterstützung der örtlichen Kräfte angereist, um die Anwohner aus ihren Häusern zu holen. Die betroffenen Bürger wurden in Notsammelstellen untergebracht.

Nicht alle Anwohner waren kooperativ. "Ich verlasse mein Haus doch nicht nur, weil die Polizei sagt, dass ich gehen soll", sagte eine ältere Frau.

Krankenwagen fuhren vor, um schwerkranke und pflegebedürftige Anwohner aus ihren Häusern zu holen. Nebenbei beruhigten die Sanitäter am Nachmittag weinende Kinder, denen der Weg nach Hause versperrt war. Auch die Besucher des historischen Stadtbads an der Burgstraße mussten aus dem Wasser heraus und die Evakuierungszone verlassen. An vielen Stellen in der Innenstadt herrschte Verkehrschaos. Viele Pendler strandeten am Busbahnhof, von dort aus fuhren nur noch vereinzelt Busse.

Viele alte Menschen waren hilflos

Die Hilfsbereitschaft war groß, viele Betroffene berichten, dass sich Verwandte und Freunde von sich aus meldeten, um ihnen eine Unterkunft in ihrer Wohnung anzubieten. Doch in der Viersener Innenstadt leben auch viele alte Menschen, die nun zum Teil auf sich gestellt waren und zunächst - in vielen Fällen mit Rollatoren - hilflos an den Absperrungen standen.

Am Rande des Evakuierungsbereichs liegt das Polizeipräsidium. Hunderte Menschen hatten sich am frühen Abend vor dem Gebäude versammelt und hofften auf Informationen zur Lage. Viele Anwohner fühlten sich von Stadt und Polizei schlecht informiert. Das Bürgertelefon (siehe Infokasten) war am Abend ständig überlastet.

(ape/jco/pst/felt/top/csi/wat)
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