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Viersen
Boogie-Woogie für die Lebensfreude

Boogie-Woogie für Anfänger in Viersen
Viersen. Fans der 50er und 60er kennen den Boogie-Woogie. Der mitreißende Tanz stammt aus den USA und hat im Kreis Viersen viele Anhänger. Wer die Schritte ausprobieren möchte, hat am Samstag in Dülken die Gelegenheit Von Emily Senf

Bei Fats Domino wippen Alice Hess (63) und Gisela Berkhahn (62) mit den Füßen. Es sind erst wenige Takte eines der Lieder des 1928 geborenen US-Pianisten erklungen, da wollen sie von ihren Stühlen aufstehen und tanzen. "Wenn ich Musik höre, kann ich nicht still sitzen", erklärt Berkhahn. Doch die beiden Frauen wollen sich nicht einfach nur wild zur Musik bewegen - sie wollen Boogie-Woogie tanzen. Ihre Kleider mit Petticoat im Stil der 50-/60er-Jahre wippen rhythmisch mit.

Der Boogie-Woogie ist ein Tanzstil, der in den 1920er-Jahren in den USA entstand. "Der Rock 'n' Roll von einst ist der Boogie von heute", sagt Thomas Spitznagel und meint: "Das, was der Laie als Rock 'n' Roll etwa aus Filmen kennt, ist in Wahrheit meist Boogie und Swing." Der Rock 'n' Roll habe sich weiterentwickelt. "Heute gehört viel Akrobatik dazu, das ist ein Leistungssport", sagt Spitznagel. Der 52-Jährige war vor 25 Jahren Mitbegründer der "Bubble Boogies", der Boogie-Woogie-Abteilung bei den DJK Sportfreunden Leuth. Mit seiner Tanz- und Lebenspartnerin Berkhahn trainiert er ehrenamtlich die Mitglieder. 2011 war das Paar Landesmeister im Boogie-Woogie-Tanzen.

In Deutschland habe der Boogie in den 80ern einen Boom erlebt, aber heute ein eher blödes Image, sagt Spitznagel. "Unter anderem, weil niemand mehr die Musik kennt." Dabei tanzen die Bubble Boogies neben Stücken von Elvis Presley, Louis Prima und Bill Haley auch zu Liedern von Amy Winehouse, "Bruno Mars geht auch ganz gut", sagt Spitznagel. Was zählt, sei die Freude, die das Tanzen bereite. "Der Boogie macht süchtig", sagt Spitznagel.

Vor rund vier Jahren stießen Volkmar Hess (59) und seine Frau Alice aus Dülken zu der Nettetaler Gruppe und haben sich sofort wohlgefühlt. Auf Hess' Initiative hin, tanzen die Bubble Boogies seit 2013 jährlich beim Dülkener Open-Air-Musik- und Tanzabend "Let's Dance" zugunsten des Fördervereins Robin Hood. Die nächste Gelegenheit, sie dort zu sehen, ist am Samstag (siehe Info-Kasten).

Einst waren die Leuther Boogie-Tänzer zu zehnt, heute gehören ihnen 40 Mitglieder zwischen 40 und 65 Jahren an, dazu gibt es zwei junge Paare um die 20. "Beim Training sind wir fast immer komplett", sagt Spitznagel stolz. Die Gruppe trifft sich immer mittwochs ab 20.30 Uhr in der Turnhalle am Buscher Weg 3 in Leuth. "Besucher sind willkommen", sagt Berkhahn. Sorgen um sein Outfit müsse sich niemand machen. "Der Petticoat ist out", sagt die 62-Jährige. "Beim Tanzen tragen wir ganz normale bequeme Trainingskleidung."

Eine Besonderheit des Boogie-Woogie im Vergleich zum Rock 'n' Roll, sei, sagt Spitznagel, dass im Rock 'n' Roll bei Turnieren eine Choreografie gezeigt werde, "beim Boogie wissen die Paare vorher gar nicht, welches Lied gespielt wird", erklärt der Hobby-Tänzer. Bewertet würden natürlich der Grundschritt und die Figuren, aber auch, wie das Tanzpaar die Musik interpretiere.

Obwohl der Boogie-Woogie laut Spitznagel einer der kompliziertesten Tänze überhaupt ist, sei die Szene groß, sagt Volkmar Hess: "Im Umkreis von 50 Kilometern gibt es mindestens 700 bis 800 Tänzer." Außerdem seien sie deutschlandweit vernetzt. Die Leuther fahren zum Tanzen beispielsweise zum "Rock that Swing"-Festival in München und auch gerne ins deutlich nähere Venlo. "Dort tut man viel für den Boogie", sagt Berkhahn. Es gebe etwa große Open-Air-Bühnen, auf denen jeder mittanzen könne. Sorgen machen sich die Hobby-Tänzer um den Nachwuchs. "Wenn sich niemand bemüht, stirbt der Boogie aus", sagt Berkhahn. Darum überlegen die Bubble Boogies, Workshops für Kinder und Jugendliche anzubieten.

"Ich mag alte Musik und alte Tänze wie etwa den Tango", sagt Hess. "Aber der Tango ist etwas fürs Herz, der Boogie-Woogie für die Lebensfreude."

Quelle: RP
 
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