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Viersen
Die stillen Stars

Viersen: Die stillen Stars
Im Lauf sollte der Hund sich besonders flüssig bewegen, weil sein Einsatzgebiet die Jagd ist. 62 Hunde traten gestern an. Hund und Frauchen durften sich über eine Schleife freuen. FOTO: Franz-Heinrich Busch
Viersen. Zur Rassehundeschau in Viersen reisten die Teilnehmer sogar aus Großbritannien und Belgien an. 62 Pointer und Setter zeigten den Richtern ihr Können. Bei einer Jagd scheuchen sie das Wild nicht auf, sondern zeigen es dem Jäger still an. Von Lena Meyer

Aileen ist aufgeregt. Nervös läuft sie auf dem sonnigen Rasen hin und her, ihre Augen glänzen. Sie schaut sich immer wieder um und steht nie still. Ihr Näschen zuckt im Sommerwind, der durch ihr kurzes, geflecktes Fell streicht - Aileen fällt wortwörtlich auf wie ein bunter Hund.

Sie ist eine von insgesamt 62 Spezial- und Rassehunden, die am Wochenende in Viersen zu sehen waren. Vorgeführt wurden die vielen Pointer und Setter bei der diesjährigen Ausstellung zum CAC-Wanderpokal. CAC steht für Certificat d'Aptitude au Championnat, ist also ein Zertifikat zur Meisterschaftsqualifikation. Dabei werden Aussehen, Körperbau und Gang von wechselnden Richtern beurteilt.

"Wichtig ist aber vor allem der Spaß", sagt Rolf Schulz, stellvertretender Leiter der Landesgruppe Rheinland. "Bei uns soll kein Hund mit eingekniffener Rute antreten, sondern jeder soll Freude daran haben, etwas gemeinsam mit dem Chef zu machen", so Schulz. Dieser Gedanke gründet sich auf eine lange Tradition: Der Verein besteht bereits seit dem Jahr 1902.

Die weltweite Zusammenarbeit von Hundefreunden ist allen Mitgliedern ebenfalls wichtig. Der Verein ist daher Mitglied in so renommierten Gruppierungen wie der FCI (Federation Cynologique Internationale), dem VDH (Verband für Deutsches Hundewesen) und dem Pfälzischen Jagdgebrauchshundverein. Entsprechend international sind auch die Teilnehmer: Akteure aus den Niederlanden, Belgien und Großbritannien sind vertreten. Schulz beobachtet die Vorstellung der Red and White Irish Setter und erläutert dabei, worauf die Richter achten. "Der Hund wird im Stand und im Lauf bewertet. Im Stand begutachtet ein Richter das sogenannte Gebäude, den Körperbau des Tieres. Im Lauf sollte der Hund sich besonders flüssig bewegen, weil sein Einsatzgebiet die Jagd ist." Setter gehören zu den Vorstehhunden. Das bedeutet, dass sie bei einer Jagd das Wild nicht aufscheuchen oder selbst hetzen, sondern es dem Jäger still anzeigen.

In einem Feld oder in höherem Gras würde ein Setter das Gelände in Schlangenlinien abgehen und seinem menschlichen Begleiter die Position eines Fasans oder Rebhuhns stumm signalisieren. "Es gibt auch Ausstellungen zur Jagdtauglichkeit", erklärt Schulz. Und weil die Zuchtauflagen für Setter besonders streng sind, seien solche Veranstaltungen so wichtig für das Zuchtgeschehen, fügt Schulz hinzu. "Man darf diese Hunde nicht einfach züchten, man braucht dafür eine Zulassung. Und die bekommt man nur, wenn das Tier bei Ausstellungen für schön und jagdtauglich befunden wurde."

Bei den Bewertungen der Hundeschauen gibt es viele verschiedene Kategorien. Ehrenpreise werden unter anderem für "Best of Breed" und "Best in Show" vergeben. Bei der ersten Prämiierung wird der beste Vertreter von jeder der angetretenen Rassen ausgezeichnet, bei der zweiten der beste Hund aller angetretenen Rassen. "Aber Geschmäcker sind verschieden", sagt Schulz, "und deswegen versuchen wir, unsere Richter möglichst oft zu wechseln, damit jeder mal die Chance hat, auf dem Treppchen zu stehen."

Natürlich gibt es noch weitere Preiskategorien, wie zum Beispiel die Babyklasse. In der tritt in diesem Jahr auch Aileen zum ersten Mal an. Aber der Volksmund hat nicht unrecht, wenn er sagt: Aller Anfang ist schwer! Und so schafft es der kleine Setter dieses Mal noch nicht auf einen der ersten Plätze. Der Hund darf aber trotzdem eine leuchtend orangefarbene Schleife apportieren und mit nach Hause nehmen - mit wedelnder Rute.

Quelle: RP
 
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