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Leichtathletik
Auch nach 100 Ultras kein Ende in Sicht

Marion. Der Niederkrüchtener Peter Ickert ist ein Langstreckenläufer der ganz besonderen Art. In Florida absolvierte er jetzt bereits seinen 100. Ultralauf. Diese besondere Marke haben in Deutschland noch nicht viele Menschen erreicht. Von David Beineke und Paul Offermanns

County/Niederkrüchten Marathonläufe sind für Peter Ickert nur noch so etwas wie eine Nebensache, 180 Wettbewerbe über 42,195 Kilometer hat der Niederkrüchtener bislang schon absolviert. Seine wirkliche Leidenschaft sind inzwischen Ultraläufe - also alle Strecken jenseits der 50 Kilometer. Und da gab es jetzt einen Grund zu besonderer Freude, denn der 54 Jahre alte Peter Ickert absolvierte im Cedar Creek Reservat bei Marion County im US-amerikanischen Bundesstaat Florida bereits seinen hundertsten Ultralauf.

"Zum Jubiläum musste es natürlich auch ein 100-Kilometer-Lauf sein", sagt Ickert mit Blick auf seinen allerersten Ultra im Jahr 1998. Damals absolvierte er 102 Kilometer in Brühl bei Köln. Nach der Teilnahme beim Röntgenlauf in Remscheid über 100 Kilometer im Oktober und dem anschließenden Lauf über 69 Kilometer in den belgischen Ardennen fehlte ihm nur noch ein Ultra, um die magische Hundertergrenze zu erreichen. Und weil er ohnehin ein großer Liebhaber von Trailläufen abseits asphaltierter Straße ist, sollte es dann eben Florida in den USA sein, wo er den magischen Moment erleben wollte. Nach 14:48 Stunden bei Temperaturen von fast 30 Grad Celsius und 96 Prozent Luftfeuchtigkeit war es soweit: Er überquerte als Sechster im Gesamteinlauf die Ziellinie.

Damit spielt Ickert jetzt in einer ganz besonderen Liga, denn es gibt deutschlandweit nur eine Handvoll von Ausdauerläufern, die diese magische Marke erreicht haben. "Die Anzahl der Ultraläufe ist nicht das Wichtige daran, sondern der Spaß an den immer wieder unterschiedlichen Bedingungen und Naturerlebnissen in den verschiedensten Regionen der Welt", betont der Niederkrüchtener.

Die 100 Ultras bewältigte er in 13 Ländern, neben Deutschland, Niederlande, Belgien, Schweiz, Österreich, Frankreich und England war er auch im Mittleren Osten und in Nordamerika unterwegs. Dabei bewältigte er Distanzen bis zu 161 Kilometer. Bei seinem Jubiläumslauf fand Peter Ickert nicht nur die Flora interessant, auch der Fauna schenkte er große Aufmerksamkeit. Nachdem bei seinem letzten Lauf in Florida, dem Everglades Ultra, die Begegnung mit Alligatoren im Vordergrund gestanden hatten, waren es diesmal die harmlosen Armadillos, die als Gürteltiere bekannt sind, mit denen er in Berührung kam. "Die oft nachtaktiven Tiere haben mir in der Dunkelheit so manchen Schrecken eingejagt. Die eigentlich putzigen Tiere erkannte ich erst, als sie im Licht der Stirnlampe auftauchten", erzählt der 54-Jährige.

Erfahrungen mit der Tierwelt hat Ickert im Laufe der Jahre an den exotischen Veranstaltungsorten schon häufiger gemacht. So etwa Beim Bighorn 100 in den Rocky Mountains im Juni 2011, als er es im Schnee sogar mit Bären und Büffeln zu tun bekam. "Aber auch die Wüstenläufe in Jordanien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und im Death Valley sind aufgrund der Hitze eine echte Herausforderung", meint er. "Auch der schwere Swiss Alpin K 78 ist bei Gewitter und Schnee im Hochgebirge nicht zu unterschätzen." Natürlich hat Ickert Strategien entwickelt, um die Risiken auf den oft entlegenen Strecken so gering wie möglich zu halten. Wichtig ist aus seiner Sicht eine gute Vorbereitung mit Einweisungen durch Ranger, einem Erfahrungsaustausch mit anderen Läufern und einem sinnvollen Equipment. "Lieber ein Kilogramm zu viel im Rucksack, als erfrieren oder verdursten. Auch Erste-Hilfe-Sets, Verbandsmaterial, Notruf-Handy, GPS-Ortungssystem, Karte und ausreichend Verpflegung und Kleidung zum Wechseln sind immer dabei", betont Ickert.

Was ihm bei seinem ambitionierten Hobby entgegenkommt: Beruflich verkauft er Medizintechnik und ist deshalb auf der ganzen Welt unterwegs. Da lässt sich auch schon mal ein Ultralauf einstreuen. "Manchmal nehme ich auch Monitore zu meinen Läufen mit, um zu zeigen, wie robust die Geräte sind", weiß Ickert zu berichten. Auch wenn die 100 jetzt erreicht ist, denkt der Niederkrüchtener schon an die nächsten Herausforderungen: "Es gibt noch viele Veranstaltungen und viel zu erleben."

Quelle: RP
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