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Wassenberg
Die etwas andere Kleiderstube

Wassenberg: Die etwas andere Kleiderstube
Im Pfarrheim der Propsteikirche St. Georg öffnet jeden Freitag und zweiten Sonntag im Monat der Kleiderladen für Flüchtlinge und Bedürftige, nebenan können sich Gäste und Helfer im Café austauschen. FOTO: Caritas/ewl
Wassenberg. Sich beim Kaffee begegnen und zwischendurch im gespendeten Kleiderangebot des Ladens stöbern - das können Flüchtlinge im "Ladencafé International". Pfarrei St. Marien, Caritas und Flüchtlingsnetzwerke arbeiten zusammen. Von Eva Weingärtner

Reger Zulauf herrscht im Pfarrheim St. Georg Wassenberg. Flüchtlinge kommen und gehen mit Koffern voller Kleidungsstücke. Alles verläuft ruhig und geordnet. Innen sitzen Wassenberger Bürger und Flüchtlinge in entspannter Atmosphäre zusammen, trinken Kaffee und unterhalten sich, zum Teil mit Händen und Füßen.

Zwischendurch steht ein Flüchtling auf, sobald eine Nummer von einem ehrenamtlichen Helfer in die Höhe gehalten wird und verschwindet ungefähr für zwanzig Minuten in einem hinteren Raum, wo sich die Kleiderkammer mit gut erhaltenen gebrauchten Kleidungsstücken befindet und sucht sich Sachen aus. Es handelt sich um ein Projekt der Pfarrei St. Marien, das den Namen "Ladencafé International" trägt.

Die Initiative für das Ladencafé sei von Gemeindereferentin Heidrun Skowranek ausgegangen, erklärt Bärbel Windelen, Gemeindesozialarbeiterin des Caritasverbandes für die Region Heinsberg, die das Projekt mit initiiert hat und begleitet. "Mit ihr habe ich das Konzept ausgearbeitet." Mit einer Planungsgruppe ehrenamtlich engagierter Menschen wurde die Idee in die Tat umgesetzt. Hintergrund: In Wassenberg engagiert sich eine große Gruppe von vor allem ehrenamtlichen Mitarbeitern im Flüchtlings-Netzwerk Wassenberg. Die Gruppe habe festgestellt, dass in der Flüchtlingsunterkunft der Stadt viele Kleiderspenden nicht koordiniert und sortiert abgegeben wurden. "Daraufhin habe die Gemeinde St. Georg das Pfarrheim zur Verfügung gestellt, wo die Kleiderspenden angenommen und sortiert wurden. "Nach und nach kamen immer mehr Flüchtlinge", erinnert sich Windelen. Das Pfarrheim sei zu einem Raum der Begegnung geworden.

"Wir haben daraus ein festes Angebot gemacht, um die Flüchtlinge mehr in die Normalität des bestehenden Lebens einzubeziehen, Kontakte und Austausch mit anderen Besuchern herzustellen, Informationen zu geben", so Windelen. Schnell sei mit dem "Ladencafé International" auch ein Namen gefunden worden. "Das Café steht allen Bürgern offen", betont die Gemeindesozialarbeiterin. Es gehe um die Begegnung zwischen Menschen und das Ziel, Vertrauen auf- und Hemmschwellen abzubauen, die Integration voranzutreiben und eine gleichberechtigte Teilhabe zu ermöglichen. "Wir haben das Projekt von Anfang an unterstützt", unterstreicht Propst Thomas Wieners. Er sieht darin eine Integration im Kleinen. Ihn freut es zu sehen, dass das Ladencafé so gut angenommen werde.

Eine Litfaßsäule steht im Begegnungsraum, wo jeder einen Zettel hinterlassen kann, wenn er einen Kontakt haben möchte oder einen Wunsch hat. Im hinteren Raum werden die Kleiderspenden zu einem Euro das Stück verkauft. "Dass die Flüchtlinge die Ware bezahlen müssen, hat mit Menschenwürde zu tun", betont Claudia Steinbrecher, verantwortliche Mitarbeiterin des Ladencafés International. Mittlerweile kommen jede Woche 40 bis 60 Flüchtlinge ins Ladencafé. "Die Werbung erfolgt durch Mund-zu-Mund-Propaganda unter den Flüchtlingen", weiß Steinbrecher. Sie kommen gerne hierhin.

Dies bestätigt Muhamad Alsaade, der vor sechs Monaten aus Syrien kam. "Ich komme jeden Freitag her. Die Menschen sind nett und helfen den Leuten, die Hilfe brauchen", sagt er. Mittlerweile hat sich ein Team aus 17 Ehrenamtlern gebildet, die das Ladencafé International betreiben - mit allem, was dazu gehört, angefangen von der Spendenannahme, dem Sortieren der Kleider, dem Aufräumen der Regale und der Herrichtung der Cafeteria. "Da das Pfarrheim gemeinschaftlich auch von anderen Gruppen genutzt wird, müssen wir die Tische wieder zusammenrücken, den Raum besenrein verlassen, die Regale zuhängen und die Kisten sowie Kleiderständer wegräumen", erzählt Steinbrecher. In der Regel würden fünf Personen im Laden, bei der Ausgabe und in der Kleiderkammer helfen. Weitere fünf bis sechs Personen kümmern sich um die Kommunikation mit den Flüchtlingen.

Dankbar sei sie den Wassenbergern für ihre Spendenbereitschaft an Kleidern, sagt Claudia Steinbrecher. Man brauche weiterhin gut erhaltene vorsortierte Sachen, ergänzt sie zum Abschied.

Quelle: RP
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