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Wermelskirchen
Diamanthochzeitspaar auch nach Schicksalsschlag weiter optimistisch

Wermelskirchen. Wie finden ein junger Mann aus der Hofschaft Beutelshufe und ein Mädchen aus Weisswasser / Oberlausitz zueinander? Durch Zufall und durch politische Umstände. "Ich war 1953 in Wermelskirchen zu Besuch und habe mir gedacht, bei der Schuhfabrik Flöring kannst du dir etwas dazu verdienen", erzählt die 80-jährige Ilse Schneider. Von Walter Schubert

Dabei hatte sie die genehmigte Besuchszeit im Westen überschritten. Sie erfuhr, dass sich die staatlichen Stellen in der noch jungen Deutschen Demokratischen Republik bereits nach ihr erkundigt hatten. "Da bin ich lieber gleich hiergeblieben", sagt sie. Ihren späteren Mann, Manfred Schneider, traf sie zum ersten Mal im Zug von Wermelskirchen nach Lennep. "Na ja, man hat sich mal angelächelt", sagt der 81-jährige im Rückblick. "So richtig gefunkt hat es auf einem Mitsommernachtball in der Rausmühle. Da wurde auf der Tenne getanzt."

Ein großer Pluspunkt war das Motorrad von Manfred Schneider. "Die Rausmühle war ja weit weg und den Rückweg kannte ich ja gar nicht. Da war das Motorrad natürlich toll", sagt Ilse Schneider. 1956 wurde geheiratet, der Wohnsitz wurde das Elternhaus von Manfred Schneider in der Hofschaft Beutelshufe.

"Wir wollten nie weg", sagen beide, "schließlich wohnen wir an einem Ort, wo andere Urlaub machen." Mal nach Bayern oder auch mal nach Tunesien sind sie gefahren, kehrten aber immer gerne zurück.

Das Ehepaar hat zwei Kinder, Karin (59) und Uwe (53) sowie zwei Enkel, Kai (39) und Björn (35). Hobby und Aufgabe von Manfred Schneider war die Freiwillige Feuerwehr. "Wenn die Feuerwehr gerufen hat, hast du alles liegenlassen, stimmt's?", sagt Ilse Schneider. "Ja, stimmt", sagt Ehemann Manfred. Er war Zugführer der Abteilung Tente / Unterstraße, heute ist er nach 62 Jahren Mitglied in der Ehrenabteilung. Ehefrau Ilse kümmerte sich um Kinder, Haus und Hof. "Dat hat se auch jut jemacht", lächelt er.

Am 1. Dezember sind die beiden 60 Jahre verheiratet und feiern Diamanthochzeit. Ein Geheim- oder Patentrezept dafür gibt es nicht. "Es geht rauf und runter und einfach immer weiter", sagt Ilse Schneider. Einschneidende Erlebnisse waren neben der Geburt der Kinder und Enkel der große Brand im Oktober 2013. "Wir lagen ja noch im Bett, als uns Nachbarn raus geholt haben", erinnern sich die beiden. Das Haus wurde zerstört. "Wir hatten viel renoviert und sogar einen Anbau gemacht. Im September haben wir gesagt: So, jetzt sind wir fertig. Und im Oktober war alles weg." Die genaue Ursache wurde nie ermittelt. Vermutet wird, dass Marder elektrische Leitungen durchgebissen und so einen Kurzschluss herbeigeführten. Alles wurde neu gebaut. "Es ist zwar schön und neu, aber das Elternhaus ist es nicht mehr", sagt Manfred Schneider. "Türen und Lichtschalter sind plötzlich ganz woanders."

Morgen wird im kleinen Kreis gefeiert und für nächstes Frühjahr ist ein Hoffest mit einem Schwein vom Grill geplant. "Die Eiserne Hochzeit nach 65 Jahren, die schaffen wir auch noch." Da sind die beiden ganz sicher.

Quelle: RP
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