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Niederrhein
Identitäten im Fluss und im Hafen

Niederrhein. Das Lehmbruck-Museum zeigt Lynn Hershman Leeson und Jakub Nepras. Von Peter Klucken

Lynn Hershman Leeson hat Kunstgeschichte geschrieben. Sie war "immer schon einen Schritt weiter als die anderen" heißt es. Heute gilt die Künstlerin als Pionierin der Medienkunst. Am Samstag, 27. Februar, 16 Uhr, wird im Lehmbruck-Museum ihre Ausstellung "Liquid Identities" eröffnet, in der Schlüsselwerke aus den vergangenen 50 Jahren bis zu neuen Arbeiten zu sehen sind. Parallel zu dieser Ausstellung zeigt das Lehmbruck-Museum als Beitrag zu den Akzenten eine Schau mit Werken des tschechischen Künstlers Jakub Nepras (1981 in Prag geboren). Man könnte fast sagen, dass die Grande Dame der Medienkunst zusammen mit ihrem höchst talentierten Nachwuchs in Duisburg ausstellt. Die Doppelausstellung ist überwältigend; nicht zuletzt beweist sie, dass gute Medienkunst bedeutend sein kann und sich nicht in technischen Spielereien erschöpft.

Lynn Hershman Leeson ging eigentlich aus der amerikanischen Frauenbewegung hervor. Als sie in den 60er Jahren in der Kunstszene Fuß fassen wollte, erkannte sie, dass ihr viele Türen verschlossen blieben, weil sie als Frau nicht ernst genommen wurde. Das änderte sich, als sie ganz neue Wege ging. Dazu gehörte beispielsweise, dass sie sich über Jahre eine zweite Identität zulegte; nämlich die der fiktiven Roberta, die sogar ein Bankkonto besaß: echter geht's nicht. Die Duisburger Ausstellung dokumentiert das. Natürlich kann man im Lehmbruck-Museum auch jene Werke erleben, die zu den Anfängen der interaktiven Kunst führen. In ihren neueren Arbeiten beschäftigt sich Hershman Leeson mit künstlicher Intelligenz, Biotechnologie und dem Ringen um die Identität, die permanent bedroht ist. Während Lynn Hershman Leeson technisch versierten Assistenten ihre Ideen nahebringt, die diese umsetzen, macht der tschechische Medienkünstler Jakub Nepras alles selbst. Er schafft Bildwelten, bei denen das Zusammenspiel von technischer Raffinesse und poetischer Schönheit faszinert. Man kann seine Werke als Metaphern für den Kulturtransfer eines Hafens sehen.

Info Die Ausstellungen laufen bis 5. Juni. Die Sparkasse hat die Ausstellung "Liquid Identities" mit 25.000 Euro unterstützt. In den vergangenen zehn Jahren unterstützte die Sparkasse das Museum mit 750.000 Euro.

Quelle: RP
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