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Niederrhein
Jazz-Genuss im Schatten des Förderturms

Niederrhein. Zum Start in die Osterferien präsentieren wir in einer Serie die schönsten Seiten der Heimat und geben Tipps für viel freie Zeit. Los geht's mit Jazz in Dinslaken. Seit 20 Jahren holt die Jazzinitiative Weltstars und junge Talente auf die Bühne. Von Florian Langhoff

Als "Dr. Jazz" Johannes Hermens im Herbst 1996 mit sechs Mitstreitern die Jazzinitiative Dinslaken gründete, konnte wohl niemand vorausahnen, was sich daraus entwickeln würde. 20 Jahre später fällt die Bilanz beeindruckend aus: Rund 200 Veranstaltungen mit 240 verschiedenen Formationen und mehr als 1100 Einzelkünstlern gastierten dank der Jazzinitiative in Dinslaken. Mittlerweile heißt die Konzertreihe nicht mehr "Jazz im Mittelpunkt", benannt nach dem gleichnamigen Bistro, sondern wurde mit der Verlegung des Spielorts ins Ledigenheim Lohberg im Jahr 2009 zu "Jazz in Dinslaken". Und was dem Publikum da geboten wird, erregt weit über die Stadtgrenzen hinaus Interesse. "Das Konzept war schon immer, junge Talente und namhafte deutsche und internationale Künstler auf die Bühne zu holen", erklärt Thomas Termath, der bei der Jazzinitiative für die Konzert- und Programmplanung zuständig ist. Von Anfang an ging es darum, die ganze Bandbreite des Jazz, vom Swing bis zu modernen, zeitgenössischen Konzepten, zu präsentieren. Gerade diese Mischung unterschiedlichster Jazzstile macht das Erfolgsrezept aus.

"Wie man an die Bands kommt, ist dabei ganz unterschiedlich." Bei den großen Namen, wie etwa der Band Oregon, die im vergangenen Herbst im Ledigenheim Lohberg als Gäste der Jazzinitiative musizierten, war der Wunsch schon länger da. "Da muss man beobachten, wann es terminlich passt, wann die Bands gerade in Europa sind und natürlich auch, ob sich das finanzieren lässt", erklärt Thomas Termath. "Einige Künstler werden wir uns auch in Zukunft nicht leisten können."

Andere schon. Begeisterung und Leidenschaft machen vieles möglich. Johannes Hermens, selbst Schlagzeuger, zieht auch schon mal gern durch die Jazzclubs von New York, um Musiker für einen Auftritt nach Dinslaken zu holen. Und das mit Erfolg.

Es sind natürlich die großen Namen, die den meisten Zuschauern in Erinnerung bleiben. Solche wie Maceo Parker, Illinois Jacquet, Johnny Griffin, das European Jazz Ensemble, die WDR Big Band, Philip Catherine, Barbara Dennerlein, Quadro Nuevo, Abraham Burton, Cécile Verny und viele andere. Höhepunkte der letzten Jahre waren zudem die Jazz-Nights im Rahmen des Fantastival Dinslaken mit Auftritten des United Jazz & Rock Ensembles, Paquito d'Rivera mit den New York Voices sowie dem Count Basie Orchestra.

An das Gastspiel mit dem Schlagzeuger Billy Cobham im Oktober 2012 kann sich Thomas Termath noch sehr genau erinnern. Nach dem Konzert kam er mit dem Musiker ins Gespräch über ein gemeinsames Hobby: Tennis. Spontan organisierte Termath einen Platz und spielte mit dem Schlagzeuger, dessen Frau und dem Gitarristen der Band, Jean-Marie Ecay, eine Runde Tennis. "Das hat unheimlich viel Spaß gemacht", erinnert sich Termath.

Doch die Jazzinitiative steht nicht nur dafür, große Namen nach Dinslaken zu holen. Unter ihrem Einfluss entstehen manchmal besondere Projekte. Darunter auch das Zusammenspiel von Saxofonistin Angelika Niescier und dem MGV Concordia Lohberg unter dem Motto Glückauf-Jazz. Bergmannslieder trafen auf Jazzklänge und das Publikum war begeistert. "Ich war ab der ersten Probe mit dabei. Es war beeindruckend zu sehen, wie die Musiker und Sänger zueinandergefunden haben", erzählt Thomas Termath. "Das war ein toller Prozess, den ich mitverfolgen durfte."

Und auch die Künstler fühlen sich bei der Jazzinitiative gut aufgehoben. "Die meisten Musiker Künstler schätzen die Atmosphäre bei unseren Konzerten und die Betreuung durch unsere Helfer vor Ort", sagt Thomas Termath. Und lobt auch das Publikum der Dinslakener Jazzkonzerte, das selbst einiges an Fachkompetenz mitbringt.

Außerdem hat die Jazzinitiative den Vorteil, dass ihre Konzerte von Anfang an auch im Paket angeboten werden. "Wir haben alleine 70 Abonnenten, bei denen damit zu rechnen ist, dass sie zu den Konzerten kommen. Manche kleinere Veranstalter wären froh, wenn sie so viele Besucher bei Jazzkonzerten hätten." Meistens sind es allerdings ungleich mehr Zuschauer, die sich zu den Konzerten im Lohberger Ledigenheim einfinden. Darunter Besucher aus dem Ruhrgebiet und Raum Köln und Düsseldorf. Und die werden in der Jubiläumsspielzeit der Jazzinitiative sicher einiges geboten bekommen. "Ich habe schon einige Sachen im Kopf, aber es ist noch nichts konkret", berichtet Thomas Termath. Lediglich das Konzert von Mo' Blow im Rahmen der Veranstaltung "Jazz an der Burg" Anfang September steht schon fest.

"Die Gruppe ist gerade auf Abschiedstour und wird bei uns eines ihrer letzten Konzerte spielen", sagt Thomas Termath. Zur Geburtstagsfeier der Jazz-Initiative Ende September wird es aber sicherlich auch wieder ein besonderes Konzert geben.

Quelle: RP
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