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Wesel
Jetzt ist Cabrio-Wetter für den VW Käfer

Wesel: Jetzt ist Cabrio-Wetter für den VW Käfer
Jürgen Lantermann kam 1981 als Zweitbesitzer durch Zufall zur automobilen Liebe. FOTO: Bosmann, J�rgen
Wesel. Automobile Leidenschaft: Der Weseler Polizeibeamte, CDU-Ratsherr und WSV-Chef Jürgen Lantermann hegt und pflegt sein Cabriolet. Wie seine Freunde vom VW Käfer-Cabrio-Club freut er sich auf sonnige Zeiten. Von Thomas Hesse

Es gibt sie, diese alten Autos mit dem unverwüstlichen Charme, die die Blicke auf sich ziehen. Jürgen Lantermann fährt so eins. Schneeweiß, tadellos in Schuss, mit schwarzen Sitzen und einer sanften Mechanik, die das alte Klappverdeck im Handbetrieb nach hinten befördert. Nicht wie diese schnöden Knopfdrücker von heute, die ihr Verdeck elektrisch, aber unsinnlich in der Karosserie verschwinden wie bei den übertechnisierten Cabrios. Denn Lantermann fährt einen charmant altmodischen Wagen, der einst ein Traum war und bis heute einer geblieben ist. VW 1303 LS, wobei L für Luxus und S für Sport steht, heißt er, einst von der Sportwagenschmiede Karmann in Osnabrück gebaut und eins dieser Vehikel, bei dem der fragende Blick gen Himmel, wann sich denn endlich Cabrio-Wetter einstellt, inklusive ist. Der Weseler jedenfalls liebt diese Ausfahrten der eher gemächlichen, mit 50 PS angetriebenen Art.

Der ans Wirtschaftswunder erinnernde Volkswagen gehört sozusagen zur Familie. Gebaut wurde er als eines der letzten seiner Art bei Karmann, zugelassen ist er seit Februar 1978. Jürgen Lantermann kam 1981 als Zweitbesitzer durch Zufall zur automobilen Liebe. Für einen Freund suchte er damals am ganzen Niederrhein nach einem Kleinwagen. Zum Schluss landeten sie bei einem Händler in Wesel - und Lantermann kaufte sich ein Auto, obwohl er keins brauchte, nicht der Freund. "Ich war sofort verliebt in das VW Cabrio. An einem Samstag gekauft, am Montag zugelassen - und die erste Urlaubsfahrt ging gleich nach Dänemark", erinnert sich Lantermann, der von Beginn an zu den Mitgliedern des 1981 gegründeten Käfer-Cabrio-Clubs Wesel (KCC) gehörte. Heute schraubt er das H-Kennzeichen für Oldtimer an und sitzt zum Vergnügen im alten Cabrio, einem Sommerauto. Damals war's ein "richtiges Familienauto".

Damit tourten die Lantermanns auch auf Liebhaber-Rallyes, zum Beispiel durch die Alpen. Im Gepäck hatten sie oft die Sorge, ob der Käfer auch wirklich läuft und läuft und läuft, oder ob er sich auf den steilen Strecken zum Motorschaden schnauft. "Das Auto liebt einfach Serpentinen", ist sich Lantermann sicher, was durchaus auch für den Fahrer gilt. Der erzählt schmunzelnd, wie er sich einmal den Sieg bei einer Ausfahrt durch respektable und kreative Kurventechnik erfahren hat. "Mein Sohn schaute von seinem Sitz aus, ob die Straße frei war, damit ich die Kurve schneiden konnte. Wenn kein Auto kam, ging's stramm durch. Die Familie half durch Gewichtsverlagerung bei der richtigen Lastenverteilung." Man kam mit der Schubkraft der wenigen PS nicht nur sicher oben am Gipfel an, sondern gewann auch noch die aufregende Alpentour. "Dieses Fahrerlebnis ist lange her, ansonsten bin ich natürlich ganz vorschriftsmäßig unterwegs", fügt er polizistenmäßig korrekt an.

Korrekt muss Jürgen Lantermann auch mit dem alten Vehikel umgehen. Tipptopp ist es im Lack, die Sitze sind in Form, und der Motor sieht aus wie geleckt. Nach dem sanften Aufschwingen der Motorhaube, die eine gewisse Kraft erfordert, kommt eine Maschine ans Tageslicht, bei der man sehen kann, welche Teile dort arbeiten. Keine alles verdeckende Abdeckung wie heute, sondern Luftfilter, Vergaser, Benzinpumpe, Schläuche und ein etwas anderer Ölmessstab. Der hat damit zu tun, dass hier die Temperatur gemessen wird, es wird auch ölgekühlt, damit sich der eigentlich luftgekühlte Motor nicht überhitzt. Überhaupt, der Motor. Es gibt Leute, die sich nicht mehr vorstellen können, dass er beim Millionenseller von VW im Heck untergebracht war. Die wundern sich dann, dass unter der vorderen, etwas wackligen Haube Platz für Ersatzrad und Koffer ist. Hier hat Lantermann Moderne und Historie sozusagen vereint. Direkt neben der nachträglich eingebauten Unterhaltungselektronik ist ein alter Verbandskasten befestigt, original VW. Ein altes Schätzchen, aber natürlich mit aktuellem Verbandszeug nachgerüstet. Der oldtimerliebende Polizist gibt sich eben keine Blöße. Schließlich will er unbeschadet das Cabrio-Wetter nutzen. Einmal im Monat gibt's eine gemeinsame Rundfahrt. Lieblingsziele von Lantermann liegen auch in der Ferne. Mit dem VW Pässe in den Dolomiten erklimmen, auf Höhenstraßen im Schwarzwald fahren oder im Elsass unterwegs sein - wer möchte das nicht mit solch einem Gefährt?

Quelle: RP
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