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Stadt Kempen
Ein Mann, der Politikgeschichte gemacht hat

Stadt Kempen. Am morgigen Sonntag wird der frühere Abgeordnete und CDU-Kreisvorsitzende Julius Louven 85 Jahre alt. Von Jürgen Karsten

Ein Spitzenpolitiker früherer Tage wird 85 Jahre alt, und das in bemerkenswerter Frische und guter körperlicher Verfassung: Julius Louven, Lokalpolitiker, Landespolitiker und Bundespolitiker der CDU, der in seinem höchst erfolgreichen politischen und beruflichen Leben Akzente setzte, die bis heute unvergessen sind und die ihm eine Menge Respekt einbrachten. Am morgigen Sonntag, 18. Februar, kann er seinen halbrunden Geburtstag feiern. Der gebürtige St. Huberter wird 85 Jahre alt. Er begeht seinen Ehrentag ganz privat im Kreise seiner Familie. Zu der gehören neben Ehefrau Anneliese drei Söhne und Schwiegertöchter, sieben Enkel und zwei Urenkel.

Ein großes Familienfest feierten die E heleute Julius und Anneliese Louven im Mai vergangenen Jahres: Zum Fest der Diamantenen Hochzeit, also des 60-jährigen Ehejubiläums, reisten insgesamt 16 Familienmitglieder nach Spanien, wo in der Nähe von Granada gefeiert wurde.

Die Karriere von Julius Louven ist in jeder Hinsicht bemerkenswert: Beruflich startete er erst einmal ohne die Politik, absolvierte sowohl eine Bäcker- als auch eine Konditorlehre und legte seine Meisterprüfungen in den 1950er-Jahren ab. Mit erst 21 Jahren musste er bereits den väterlichen Betrieb in St. Hubert führen. Im Jahre 1966 konnte er sich dann einen Traum erfüllen: Er pachtete das Ausflugscafé "Bergschänke" auf dem Hülser Berg und führte nach dessen Umbau mit Ehefrau Anneliese diesen Betrieb insgesamt 16 Jahre lang. Nach einer schweren Erkrankung der Ehefrau gab er die Führung des Betriebes auf. Er übte einige Jahre lang diese Aufgabe noch neben seinen politischen Ämtern aus. Dieser Praxisbezug als Selbstständiger half ihm bei späteren politischen Entscheidungen sehr. Die Politik spielte im Laufe der Jahre dann aber eine immer größere Rolle in seinem Leben. Alles begann in der Lokalpolitik mit seiner Tätigkeit als CDU-Ratsherr in St. Hubert von 1965 bis 1970. Danach bis 1980 war er Landtagsabgeordneter für die CDU in Düsseldorf. Diesen Jahren im Landesparlament folgten dann 22 Jahre als direkt gewählter Bundestagsabgeordneter für den Kreis Viersen. In Bonn und Berlin machte Louven Karriere, wurde Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft "Soziales" und später Sozialpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion.

Als Vorsitzender führte Julius Louven seine Partei, die CDU, im Kreis Viersen insgesamt 30 prägende Jahre. Nach dem Ende der parlamentarischen Laufbahn wollte er zwar kein politisches Amt mehr, wollte aber dennoch "kein politischer Schweiger" sein, wie er im Gespräch mit der Rheinischen Post betonte. Gerade erst hat er, weil er mit seiner Partei aktuell hadert und mit vielen Entwicklungen im Land nicht einverstanden ist, seiner Partei, der er seit 60 Jahren angehört, einen mehrseitigen Brief geschrieben und darin aufgelistet, was seiner Meinung nach falsch läuft.

So bemängelt er, dass in der Flüchtlingsfrage die Bundesregierung unter Angela Merkel einen klaren Rechtsbruch begangen und den Bundestag nicht mit dieser wichtigen Problematik befasst habe. Die CDU, so Louvens Fazit, werde immer lebloser, seit der vergangenen Bundestagswahl sei eine Art Froststarre eingetreten und man habe kaum noch eine Chance, sich in der Partei politisch einzubringen. Starker Tobak, aber sicherlich keine Einzelmeinung. So kennt man Julius Louven: offen, ehrlich, mit Ecken und Kanten und mit eigener Meinung. Immer noch ist er bemerkenswert fit, fährt wie im vorigen Jahr rund 7000 Kilometer im Jahr mit dem Fahrrad. Ansonsten spielt er gern Skat, trifft sich dafür unter anderem einmal im Jahr mit vier ehemaligen Bundestagskollegen aus Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, dem Saarland und Nordrhein-Westfalen reihum zu mehr als zwei Tagen Skatspiel. Zuletzt traf er im Sauerland den Ex-CDU-Bundestagskollegen Friedrich Merz, mit dem er sich politisch austauschen konnte. Zuletzt wurde er vom "Krone/Ellwanger-Kreis" der CDU nahen Konrad-Adenauer-Stiftung zu einer Tagung ehemaliger Mandats- und Funktionsträger eingeladen. Langweilig wird es dem streitbaren Kopf also nicht.

Quelle: RP
 
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