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Stadt Willich
In Willich bewegt sich was

Stadt Willich: In Willich bewegt sich was
Die Kempener Straße als Nadelöhr von der und zur A 44 soll im kommenden Jahr auf vier Spuren verbreitert werden. RP-Foto: Marc Schütz FOTO: Schütz Marc
Stadt Willich. Neue Wohngebiete, der Ausbau der Verkehrs-Infrastruktur, Münchheide V und VI, der Abriss des Katharinen- Hospitals: In Alt-Willich stehen einige Projekte an. Von Marc Schütz

Für den Vorsitzenden des Willicher Planungsausschusses, Christian Pakusch, bringt es zwar viel Arbeit mit sich, doch er freut sich, dass in Willich in den vergangenen Monaten viel Erde und viele Steine bewegt wurden. Auch in den kommenden Monaten und Jahren sollen einige Projekte Gestalt annehmen. "Stillstand bedeutet Rückschritt, und es ist gut, dass sich in Willich wieder viel bewegt", sagt er - auch wenn der Weg zu politischen Beschlüssen bisweilen ein steiniger ist, denn nicht immer sind Politiker untereinander einer Meinung, zudem gründen sich häufig Bürgerinitiativen, um ihren Standpunkt zu vertreten. Man denke beispielsweise an die Diskussion um die Kugel-Ahorne auf dem Willicher Markt, das Neubaugebiet "Schiefbahner Dreieck" oder das private Projekt "Villa Langels" an der Bahnstraße.

Viele Interessen sind gegeneinander abzuwägen, was besonders deutlich wird am Reinershof in Alt-Willich. Dort möchte ein Investor das Hauptgebäude renovieren, die Seitengebäude abreißen und die Fläche neu bebauen. Insgesamt sollen 25 Wohneinheiten entstehen. Auf einem benachbarten Acker ist ein Neubaugebiet mit Einfamilienhäusern, Doppelhäusern und Geschosswohnungsbau vorgesehen. Planerisch anspruchsvoll ist dieses Gebiet, da die Willicher Feuerwache in unmittelbarer Nachbarschaft ist und eine zweite Zufahrt benötigt, damit die Freiwilligen Feuerwehleute im Notfall schneller zur Wache gelangen und die Einsatzfahrzeuge besser ausrücken können - ohne immer durch den häufig stark befahrenen großen Kreisverkehr (der im kommenden Jahr saniert werden soll) fahren zu müssen. Manchen Anliegern passt das zwar gar nicht, aber Pakusch stellt klar, dass "wir das Allgemeinwohl im Auge behalten müssen". Und an der Bedeutung der Feuerwehr fürs Allgemeinwohl wolle doch niemand ernsthaft zweifeln. Für ihn steht fest: "Die zweite Zufahrt muss kommen - auch dann, wenn aus dem Neubaugebiet aus welchen Gründen auch immer nichts werden sollte."

Apropos Feuerwehr: Die benötigt nicht nur eine zweite Zufahrt, sondern auch mehr Platz für Übungsflächen, Umkleiden und Aufenthaltsräume. Denn Willich wächst immer weiter. Vor allem für die geplante Erweiterung der Gewerbegebiete Münchheide um 160.000 Quadratmeter, die in den kommenden Jahren angegangen werden soll, muss nicht nur die Verkehrs-Infrastruktur angepasst werden - auch die Feuerwehr muss entsprechend aufgerüstet werden. Eine Zweigstelle der Willicher Feuerwache wäre eine Möglichkeit. Zu berücksichtigen ist dabei immer, dass Willich mit mehr als 50.000 Einwohnern lediglich eine Ausnahmegenehmigung dafür hat, lediglich einer Freiwillige Feuerwehr vorhalten zu dürfen. Und das geht nur so weiter, wenn weiterhin die maximalen Ausrückzeiten eingehalten werden.

Weitere Gewerbegebiete brauche Willich dringend, so der Planungsausschuss-Vorsitzende, denn Firmen, die große Flächen benötigen, könne man derzeit nichts mehr anbieten. "Wir sind ausverkauft", so Pakusch. Froh ist er darüber, dass die Autobahn-Auffahrt Münchheide ebenfalls im kommenden Jahr umgebaut werden soll - "auch wenn während der Bauphase schwere Zeiten auf die Pendler zukommen werden". Am Umbau geht jedoch kein Weg vorbei: Die Kempener Straße aus Richtung Kempen ist morgens und die Ausfahrt aus den Gewerbegebieten Münchheide abends überlastet. Die Straße soll daher auf vier Spuren erweitert werden. Dafür muss die Autobahn-Brücke abgerissen werden, weil die darunterliegende Durchfahrt zu schmal ist. Also muss eine neue Brücke gebaut werden. Außerdem werden die Abfahr-Möglichkeit von der A 44 verbessert. Das Planfeststellungsverfahren soll Ende 2019 enden, Anfang 2020 sollen die Arbeiten beginnen, Ende 2023 soll der Verkehr dann ungehindert fließen können, wie der Landesbetrieb Straßen.NRW im Juni bei einer Bürgerinformations-Veranstaltung mitteilte. Die Kosten: 9 Millionen Euro.

Spannend wird (neben dem Marktplatzumbau, der spätestens Anfang November beginnen soll) auch die Frage, was mit dem ehemaligen Katharinen-Hospital passieren wird. Sicher ist, dass es abgerissen wird, sobald der Kauf durch die städtische Grundstücksgesellschaft am 1. Januar 2019 vollzogen ist. Derzeit sind in dem Gebäude vom Land NRW Flüchtlinge untergebracht. "Die Bezirksregierung Düsseldorf hat die Liegenschaft lediglich bis Ende 2018 angemietet. Eine Anschlussnutzung ist derzeit nicht geplant", so Stefanie Klockhaus, Sprecherin der Bezirksregierung. Bis Anfang dieses Jahres war das Gebäude für die Nutzung als Flüchtlingsunterkunft beschlagnahmt, seit dem 1. Januar 2017 bestehe ein Mietvertrag mit dem derzeitigen Eigentümer, den Augustinus-Kliniken in Neuss, so Klockhaus.

Eine Kombination aus Wohnen und Einzelhandel schwebt der Politik als künftige Nutzung des Areals vor, zu dem auch das ehemalige Schwesternwohnheim gehört, in dem sich derzeit unter anderem der Arbeitskreis Fremde und einige Arztpraxen befinden. Auch dieses soll abgerissen werden. Ein sogenanntes Werkstattverfahren, in dem Planungsbüros ihre Ideen erarbeiten werden, soll es bereits im Herbst geben, so Pakusch. Für ihn ist das große Gelände mitten im Zentrum Willichs eines der Filetstücke. Es könne im Zusammenspiel mit dem neugestalteten Markt und einer möglichen Entwicklung des Brauerei-Geländes, das im vergangenen Jahr den Besitzer gewechselt hat, ganz Alt-Willich deutlich aufwerten.

Quelle: RP
 
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