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Stadt Willich
Musikalische Begleitung gegen die Einsamkeit im Alter

Stadt Willich. Die Ambulanten Dienste des Roten Kreuzes bieten nicht nur mobile Altenpflege an. Ehrenamtler verbringen Freizeit mit den alten Menschen.

Früher ist Gerhard van der Hardt (90 Jahre) als staatlich geprüfter Musiker mit großen Orchestern um die Welt getourt, hat Konzerte vor großem Publikum gegeben und die Menschen unterhalten - er beherrscht Klavier, Saxophon, Klarinette, Quer- und Blockflöte sowie Akkordeon und spricht fünf Sprachen. Heute ist er in Folge seines Alters in der Beweglichkeit so stark eingeschränkt, dass er selbstständig nicht mehr aus seinem Anrather Haus und unter Menschen gehen kann. Sein Neffe kümmert sich um ihn und organisiert alle Fragen rund um die fachliche Pflege - kann aber auch nur sonntags zu Besuch kommen. "Ich bin sehr oft allein. Der Geist ist noch willig, aber mein Körper ist müde", beschreibt der ältere Mann seine Situation. Er geht heute noch in seiner Musik auf - und so entstand eine Lösung, die mehrere Vorteile hat: Über seinen Pflegedienst, die DRK BsE Ambulanten Dienste Kreis Viersen, hat der Senior die Möglichkeit kennengelernt, den ehrenamtlichen Besuchsdienst des DRK zu nutzen. Diesen organisiert Koordinatorin Susanne Gilbert-Hoeren im ganzen Kreis Viersen für ältere und/oder alleinstehende Menschen - unabhängig von Pflegegrad oder anderen Pflegefragen.

"Der ehrenamtliche Besuchsdienst gehört eben zu den kostenlosen Angeboten des DRK, die wir im Rahmen unseres gemeinnützigen Engagements für Menschen in schwierigen Situation haben", erklärt die Koordinatorin. Dieser Bereich ergänzt die "pflegefachlichen Angebote", die van de Hardt über den DRK-Pflegedienst nutzt: Altenpfleger fahren drei Mal täglich zu ihm und überwachen die Medikamentengabe. Auch ein Hausnotruf wird angeboten.

Einmal pro Woche besuchen Monika Dünnwald und Wolfgang Orlowski den alten Herrn - nicht, um Pflegeleistungen zu übernehmen, sondern um sich zu unterhalten oder zu musizieren. An diesem Mittwoch ist Monika Dünnwald bei Gerhard van der Hardt - und als wir eintreffen, finden wir beide am Klavier: Van der Hardt unterrichtet seine Besucherin wie früher seine Schüler. Monika Dünnwald besucht den Senior erst seit etwa drei Monaten, "meine Schwägerin Susanne hatte mich gefragt, ob ich mir das vorstellen könnte. Wir haben dann Gerhard einmal zusammen besucht und waren uns sofort sympathisch".

Das gemeinsame Musizieren macht beiden Spaß - und für die Besucherin ist das kein müßiger Zeitvertreib, sondern ernsthafte Schulung: "Ich muss auch zu Hause üben. Das ist aber gut für mich". Außerdem seien die Gespräche mit dem "Musiklehrer" für sie eine Bereicherung: "Ich profitiere von seiner Lebenserfahrung. Als Bar-Pianist erlebt man viel, das gibt er an mich weiter", beschreibt Monika Dünnwald. Sein Wunsch: Er würde auch jetzt gerne noch weitere Schüler unterrichten, denn "die Einsamkeit ist katastrophal. Musik war mein Leben."

Quelle: RP
 
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