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Stadt Willich
Notfallseelsorger: Einfach nur da sein

Stadt Willich: Notfallseelsorger: Einfach nur da sein
Pfarrerin Beate Dahlmann sowie die Notfallseelsorger Martin Schumann (l.) und Andreas Bodenbenner werben um Ehrenamtler, die sich engagieren möchten. FOTO: wolfgang kaiser
Stadt Willich. Notfallseelsorge ist ein sehr hartes Ehrenamt, aber sie leistet effektive Erste Hilfe für die Seele. Sie ist an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr erreichbar. Die Ausbildung ist anspruchsvoll, im November beginnt ein neuer Kursus. Von Heiner Deckers

Es gibt Ehrenämter, die Spaß machen, die anderen Freude bereiten. Es gibt aber auch Ehrenämter, die extrem hart sind, mit denen man aber anderen Menschen hilft. Ein Beispiel ist die Notfallseelsorge, bei der man regelmäßig mit den Schattenseiten menschlicher Existenz konfrontiert wird. Erste Hilfe für die Seele leisten die Notfallseelsorger, sie begleiten Menschen in kritischen Situationen. Die "Notfallseelsorge Kreis Viersen" ist auf der Suche nach ehrenamtlichen Unterstützern, die bereit sind, 14 Tage, verteilt auf das Jahr, für die Allgemeinheit da zu sein. Einzelheiten teilte das von der Katholischen und Evangelischen Kirche getragene Kuratorium jetzt im Pfarrhaus der Gemeinde St. Mariae Geburt in Kempen vor.

55 Mitarbeiter hat die Notfallseelsorge im Moment, davon 25 hauptamtliche. Evangelische Pfarrer sind automatisch dienstverpflichtet, ihre katholischen Kollegen haben die Wahl. An 365 Tagen im Jahr ist die Notfallseelsorge rund um die Uhr erreichbar. Der Diensthabende wird über die Leitstelle der Feuerwehr alarmiert. Noch vor dem Eintreffen am Einsatzort erfährt er in einem kurzen Telefonat, was genau ihn dort erwartet. Da geht es beispielsweise um schwere Unfälle und Selbstmorde, aber auch um die Unterstützung von Angehörigen nach Todesfällen. In Begleitung der Polizei müssen Notfallseelsorger auch Todesnachrichten überbringen, vielleicht der schlimmste Teil ihres umfangreichen Aufgabengebiets. Auch an Schulen ist die Notfallseelsorge im Einsatz, etwa beim Mordfall Mirco, der 2011 Grefrath erschütterte. Andreas Bodenbenner, Gemeindereferent in Kempen, berichtet über einen Einsatz, den er absolviert hat. Eine Frau hatte sich mit Tabletten vergiftet und einen Abschiedsbrief hinterlassen. Mann, Tochter und Schwester waren fassungslos. Bodenbenner sprach auf die Hinterbliebenen ein, ermöglichte ihnen ein letztes Beisammensein mit der Toten und bescherte ihnen damit viel Trost.

"Das ist ein sehr anspruchsvolles Ehrenamt, daher gibt es auch eine sehr anspruchsvolle Ausbildung", sagt der evangelische Pfarrer Martin Schumann. Sie dauert ein dreiviertel Jahr und umfasst 160 Stunden. Hinzu kommen Einsatzpraktika bei Polizei und Feuerwehr. Hilfreich, aber nicht Voraussetzung ist eine Vorbildung im medizinischen, psychologischen oder pädagogischen Bereich. Man sollte offen für Glaubensfragen sein, einer der christlichen Kirchen angehören und mindestens 25 Jahre alt sein. Der nächste Kursus beginnt am Dienstag, 22. November, mit Auswahlgesprächen. Wer Interesse an diesem Ehrenamt hat, kann sich bis zum 18. November per E-Mail an: martin1schumann@aol.com oder an: andreas.bodenbenner@nfs-viersen.com melden.

Eine, die sich für das Amt des Notfallseelsorgers entschieden hat, ist Bettina Furchheim, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit im Evangelischen Kirchenkreis Krefeld-Viersen. "Ich wollte helfen", sagt sie und erinnert sich genau an ihren ersten Einsatz, den sie aber nicht allein bewältigen musste. Ein Mann war plötzlich gestorben, Frau und Sohn waren fassungslos und brauchten seelischen Beistand. Die Notfallseelsorger blieben, bis das häusliche Umfeld übernehmen konnte. "Man ist da, und das ist die Hauptsache. Man kann da gar nichts falsch machen." So auch Marin Schumann: "Unser Einsatz ist eine reine Kurzzeit-Intervention, wir sorgen für Stabilität. Die Betroffenen dürfen nicht das Gefühl haben, dass ihnen der Boden unter den Füßen wegrutscht."

Bettina Furchheim spricht angesichts ihres Ehrenamts von einer persönlichen Erfüllung: "Man wird selber empfindsamer, bekommt eine andere Einstellung zu Leben und Tod." Vor und auch noch während der Auswahlgespräche geht es um die Frage: Ist dieses Ehrenamt wirklich das richtige für mich? Sollte sich erst während der Ausbildung herausstellen, dass das nicht der Fall ist, kann man abbrechen - und sollte es dann auch tun.

www.notfallseelsorge-west.de

Quelle: RP
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