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Xanten
Auto rollt vom Parkplatz in die Südsee

Xanten: Auto rollt vom Parkplatz in die Südsee
Mit Seilen hat die Xantener Feuerwehr den roten Skoda an Land gezogen. Die vorderen Fenster, die sich kurz zuvor wie von Geisterhand gesenkt hatten, schlossen sich dabei plötzlich wieder. Am Wasser sicherten zwei Wehrleute in Überlebensanzügen die Aktion. Deren spätere Schwimmübungen bedachten die zahlreichen Zuschauer mit Applaus. FOTO: Heinz Kühnen
Xanten. Spektakulärer Vorfall gestern Nachmittag im Hafen Xanten. Ein abgestellter Pkw hatte sich selbstständig gemacht und war in die Südsee gerollt. Die Rettungsaktion beobachteten Dutzende von Zuschauern. Vor zwei Jahren hatte es unweit einen ähnlichen Vorfall gegeben. Von Heinz Kühnen

Die abschüssige Wiese unterhalb des Parkplatzes am Hafenrestaurant Plaza del Mar dient Sonnenanbetern gerade in der Mittagszeit als Liegefläche. Hier hatte es sich kurz vor 15 Uhr gerade eine Familie aus den Niederlanden ausgestreckt, als die Tochter ihre Mutter verdutzt ansprach: "Mama, da kommt ein Auto." Mutter Sonja lachte noch laut auf, als in einiger Entfernung ein roter Skoda immer mehr Fahrt aufnahm und zig Meter in die Südsee rollte. "Wir haben alle nur mit offenen Mündern dagesessen", erzählt die Frau aus dem Nachbarland später.

Vergessen wird sie den Tagesausflug ebenso wenig wie der Familienvater aus Duisburg, der mit seiner Frau und den beiden Kindern unterwegs war. Gut eineinhalb Stunden, nachdem er den Firmenwagen abgestellt hatte, ereilte ihn ein Anruf. "Wir hatten schön gegessen und waren beim Adventure-Golf, als ich bei dem Telefonat aufgefordert wurde, mich doch mal ums Auto zu kümmern", berichtet der Mann aus dem Stadtteil Homberg. Wer das sagte, weiß der 51-Jährige nicht. Aber er habe nicht schlecht gestaunt, dass der Wagen ins Wasser gerollt war. Normalerweise ziehe er doch immer die Handbremse an.

Derweil hatten zwei Mitarbeiter des FZX die Initiative ergriffen, waren in ein Motorboot gesprungen. Mit einer dicken blauen Kordel zogen sie den Octavia in Nähe der Anlegestelle des voll besetzten Fahrgastschiffes "Seestern" ans Ufer. Auch hier ein eher seltsames Bild: So mancher der meist älteren Fahrgäste beobachtete das Geschehen mit offenem Mund. Was die "Seeleute" nach dem Ablegen nicht mehr mitbekamen, beobachteten Dutzende von Zaungästen dann von den Treppenstufen des Hafens.

Ein 17-Jähriger aus Lüttingen hatte sich am Ufer des Kaperseils bemächtigt und verhinderte, dass das Auto wieder in den See abdriftete. Der erste Trupp der Wehr holte die Kettensäge hervor, um das Ufergebüsch auf dem Rettungsweg fürs Auto zu entfernen. Mit dem zweiten Trupp kamen dann auch noch schwere Seile, Haken, Kupplungsstücke und Sandbleche für die Autoreifen.

Dann senkten sich plötzlich die vorderen Fenster des Autos. Der Familienvater stöhnte nur noch, als das Wasser sich nun auch im Innenraum ausbreitete, und verfiel in Sarkasmus: "Ein Highlight jagt das andere." Dass die Vollkasko-Versicherung einen Wasserschaden übernimmt, tröstete ihn wenig. Er bat seinen Automobilclub, ihn und die Familie abzuholen.

Das Feuerwehrfahrzeug zog den Wagen schließlich an Land. Während der auslief, drehten zwei Wehrleute in Überlebensanzügen, die das Manöver im Wasser gesichert hatten, noch eine Schwimmrunde. Ihre Körperwendungen in der Art von Synchronschwimmern kamen an: Das Publikum applaudierte.

Xantens Wehrführer Markus Windhuis war zufrieden: Die luftgepolsterten Anzüge, die einen längeren Aufenthalt selbst in eiskaltem Wasser ermöglichen, seien dicht. Nur die Taucher kamen diesmal nicht zum Einsatz. Als vor zwei Jahren ein Stück weiter ein Auto in den dort viel tieferen See gerollt war, mussten diese die Seile unter Wasser festmachen. Heute ist der Rand des dort geschotterten Parkplatzes mit einem kleinen Wall gesichert.

Quelle: RP
 
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