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Serie Als Der Krieg Nach Rheinberg Kam (4)
Ein Arzt für alle: Dr. Hermann Trautwein

Serie Als Der Krieg Nach Rheinberg Kam (4): Ein Arzt für alle: Dr. Hermann Trautwein
Dr. Hermann Trautwein mit seinem Chauffeur, der später zum Kriegsdienst eingezogen wurde. Das Automobil des Mediziners gehörte zu den ersten in Rheinberg. FOTO: Stadtarchiv Rheinberg
Xanten. Der Mediziner war in drei Lazaretten und seiner Praxis tätig. Ohne Chauffeur holt er sich auf seinem Motorrad eine Lungenentzündung und starb. Von Ana Rupprecht

Rheinberg Fast 400 Männer aus dem heutigen Stadtgebiet Rheinbergs sind Opfer des Ersten Weltkriegs geworden. Die meisten von ihnen sind an der Kriegsfront gefallen oder in einem der zahlreichen Kriegslazarette verstorben. Aber auch an der Heimatfront waren zahlreiche Opfer zu beklagen. Zu ihnen gehört der Arzt Dr. Hermann Trautwein.

Rheinberg im Frühjahr 1913, Rheinstraße. Im Haus Nummer 14 nimmt Dr. Trautwein den Praxisbetrieb auf. Er ist 31 Jahre alt, gerade erst aus Karlsruhe zugezogen, und er ist Chirurg - ein Segen für das expandierende Rheinberger Krankenhaus.

Ob die Adresswahl Rheinstraße Zufall war oder der Liebe geschuldet, man weiß es nicht. Jedenfalls findet sich die Liebe zwei Häuser weiter - in der Rheinstraße 18. Sie heißt Louise und ist die Tochter des verstorbenen Notars und Rechtsanwalts Heinrich Busch. Im Mai 1914 findet die Verlobung statt, im April 1915 die Hochzeit. Da ist Louise gerade volljährig geworden. Im selben Monat beziehen die Eheleute eine gemeinsame Wohnung in Louises Elternhaus, wo sich jetzt auch die Trautwein'sche Praxis befindet. Im Februar 1916 wird Sohn Heinz Hans geboren, im März 1917 Kurt Hermann - ein "zweiter kräftiger Kriegsjunge", wie die Eltern in der Geburtsanzeige stolz verkünden.

Buchstäblich mitten im Krieg befindet sich da die Welt. Dr. Trautwein, aufgrund einer Hüftgelenksversteifung vom Militärdienst befreit, ist seit Kriegsbeginn Chefarzt im Vereinslazarett sowie auch für die Lazarette bei Solvay in Borth und in Ossenberg zuständig. Außerdem ist er leitender Arzt der Sanitätskolonne. Auch seinen Praxisbetrieb hält er weiterhin aufrecht. Die zahlreichen Fahrten zwischen Krankenhaus, Praxis und Solvay-Lazaretten kann er dank Chauffeur im Auto zurücklegen. Doch Anfang 1916 wendet er sich an Bürgermeister Roll: "Nun bin ich aber in der peinlichen Lage, dass ich vom 1.2. ab wieder ohne Chauffeur dasitze und trotz eifriger Nachsuche ist es mir nicht gelungen, einen ordentlichen Ersatz zu finden. Es ist aber ganz ausgeschlossen, dass ich neben meiner ärztlichen Tätigkeit auch noch meinen Wagen in Ordnung halte, zumal da derselbe jetzt, wo man keine guten oder neuen Ersatzteile, besonders Gummi erhält, sehr viel Arbeit verursacht. Ich weiß mir keinen anderen Rat, als für meinen früheren Chauffeur Otto Heinze beim Generalkommando in Münster einen längeren Arbeitsurlaub nachzusuchen." - Obgleich vom Bürgermeister dringend befürwortet, wird das Gesuch abgelehnt. Im Sommer des Folgejahres, am Nachmittag des 13. Juli 1917, stirbt Hermann Trautwein im Alter von nur 35 Jahren in seiner Wohnung in der Rheinstraße 18 an den Folgen einer Lungenentzündung. Im Nachruf der freiwilligen Sanitätskolonne Rheinberg heißt es: "Die Kriegsverhältnisse hatten ihn seines Kraftwagens beraubt, so dass er zumteil das Motorrad zu Hilfe nehmen musste. Den Anstrengungen dieses Verkehrsmittels scheint der überarbeitete Körper nicht gewachsen gewesen zu sein. Der frühe Tod des hier sehr geschätzten tüchtigen Arztes ruft allgemeine Teilnahme hervor."

Eine Gedenktafel in der evangelischen Kirche Rheinberg erinnert noch heute an den Arzt: "Mit Gott für Kaiser und Reich fielen aus unserer Gemeinde im Kriege 1914-1918 . . . Dr. med. Hermann Trautwein, 13.07.1917 (als Chefarzt des hiesigen Lazaretts)."

Quelle: RP
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