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Sommerinterview Thomas Görtz
"Wir werden den Sumpf trockenlegen"

Sommerinterview Thomas Görtz: "Wir werden den Sumpf trockenlegen"
Der Korruptionsskandal beim DBX hat viel Vertrauen gekostet und stellt auch die positiven Entwicklungen in der Stadt in den Schatten. FOTO: Fischer
Xanten. Xantens Bürgermeister kündigt konsequentes Vorgehen im Fall DBX an. Kein Betroffener dürfe mit Rücksicht rechnen. Stadt will Schadenersatzansprüche geltend machen. Hotelprojekt liegt im Zeitplan. Bald Baugenehmigung für Netto Marienbaum.

Xanten Die DBX-Affäre und ihre Folgen standen im Mittelpunkt des Sommerinterviews mit Thomas Görtz. Xantens Bürgermeister kündigt konsequentes Vorgehen ohne Rücksicht auf Betroffene an.

Herr Görtz, irgendwie kommt Xanten nicht zur Ruhe. Das Flüchtlingsthema, die DBX-Affäre und nun die Unwetter - wie erleben Sie das alles?

Thomas görtz Ja, das, was ich hier in zwei Jahren erlebt habe, würde wohl auch für zwei Wahlperioden reichen. Die Kollegen flachsen schon mal, ich wäre Krisenmanager statt Bürgermeister. Aber wir können mit den Problemen umgehen und bekommen trotz allem auch noch einiges Positives bewegt, obwohl viel Energie durch die unerwarteten Herausforderungen verloren geht.

Die DBX-Affäre ist für uns noch mit vielen Fragezeichen versehen. Wie ist für Sie der Sachstand nach der Einsicht in gut 4000 Seiten Ermittlungsakten und der Sitzung des Verwaltungsrates?

Görtz Es scheint sich leider zu bewahrheiten, dass es in Xanten jahrelang systematische Korruption gab. Häufig haben immer dieselben Firmen Aufträge für Stadt/DBX erhalten. Hier wurden anscheinend teils auch Leistungen an Privatobjekten erbracht, insbesondere für den ehemaligen DBX-Vorstand. Es zeichnet sich ein Bild ab, dass diese teilweise anscheinend entweder gar nicht bezahlt oder über städtische Maßnahmen abgerechnet wurden. Zudem gab es deutlich sechsstellige Zahlungen zumindest von einer Xantener Baufirma an den ehemaligen DBX-Vorstand, für die es keine andere Erklärung gibt als die, dass es sich um Schmiergeld handelt.

Wie werden Sie weiter vorgehen?

Görtz Wir werden alle uns zustehenden Ansprüche geltend machen - in alle Richtungen. Empfänger wie Zahler von Schmiergeldern oder anderen Vergünstigungen müssen mit unseren Schadenersatzforderungen rechnen. Zudem will ich, soweit es rechtlich möglich ist, dass die betroffenen Firmen zumindest bis zur Klärung der Vorwürfe nicht mehr für die Stadt Xanten arbeiten.

Ist das Thema denn mittlerweile intern abgeschlossen?

Görtz Davon gehe ich absolut nicht aus. Wir reagieren auf sämtliche Hinweise, die wir nach wie vor erhalten, und schalten das Rechnungsprüfungsamt ein, um auf Nummer sicher zu gehen. Teilweise gibt es Beanstandungen, oft auch nicht. Aber ich kann nicht sagen, dass wir durch sind. Es zeigt sich ein regelrechter Sumpf, der sich hier in den letzten Jahren oder sogar Jahrzehnten entwickelt hat. Und da fühlen sich viele große und kleine Frösche anscheinend ganz wohl. Wir werden diesen Sumpf konsequent trockenlegen, und die Frösche werden dies schon zur rechten Zeit erfahren. Wir werden alles lückenlos aufklären, auch wenn das hart ist. Egal wer betroffen ist - wirklich egal wer -, es wird keine Rücksicht geben.

Es gibt also, um im Bild zu bleiben, große und kleine Frösche?

Görtz Ja. Für einige waren Stadt und DBX anscheinend so etwas wie ein Selbstbedienungsladen. Da hat sich wohl eine Mentalität entwickelt, die mancher gern verniedlichend als "Xantener Landrecht" umschrieb. Aber es sind Grenzen deutlich überschritten worden, und das sind keine Kavaliersdelikte. Wir fahren hier eine ganz klare Linie und die kann nur lauten: Transparenz, Aufklärung und Gesetzestreue.

Aktuell kann Ähnliches also nicht weiter passieren?

Görtz Vor krimineller Energie und Einfallsreichtum ist natürlich niemand gefeit, aber wir haben die Kontrollmechanismen deutlich verschärft. Sicherlich müssen wir weiter analysieren, wo die Schwachstellen in der Verwaltung, aber auch beim Zusammenspiel von Politik und Verwaltung, waren. Es scheint schwer nachvollziehbar, wie sich solche korrupten Strukturen über Jahre unbemerkt entwickeln konnten.

Noch mal ein kurzer Blick auf die Unwetter. Nach dem Dank an die Helfer und den ersten Maßnahmen, was steht derzeit im Fokus?

Görtz Die zugesagten Hilfen vom Land müssen auch kommen. Für die Betroffenen, aber auch für die Stadt. Es gibt entsprechende Töpfe. Es kann nicht sein, dass das Land sich jetzt hinter bürokratischen Regeln versteckt. Wir waren von einem Jahrhundertereignis betroffen, dem muss Rechnung getragen werden. Auch beim Kreis Wesel. Und es werden noch weitere Kosten auf uns zukommen. Unser Regenentwässerungssystem gehört dabei natürlich auch auf den Prüfstand.

Dann blicken wir lieber auch mal auf die positiven Entwicklungen in der Stadt. Was macht denn das Hotelprojekt?

Görtz Wir liegen im Zeitplan. Die Baugenehmigung wird noch in diesem Sommer erteilt. Und mich freut besonders, dass der Investor auch weiterhin engagiert das Thema Sauna und Wellness verfolgt.

Bei der Eröffnung von Aldi in Birten gab es ja viel Lob für die Stadtverwaltung.

Görtz Das ist natürlich erfreulich, wenn auch einmal ein Außenstehender, der sehr viel Erfahrung hat, sagt, wie effektiv und kooperativ wir hier arbeiten. Das hören wir ja auch von den Organisatoren der Sommermusik, mit denen wir eng zusammenarbeiten.

Kommt denn bald der nächste Discounter, sprich Netto in Marienbaum?

Görtz Die Probleme sind gelöst, auch hier wird die Baugenehmigung noch in diesem Sommer erteilt.

Was sind die weiteren aktuellen Themen in Xanten?

Görtz Da gibt es so viele. Nur ein paar Beispiele. Der Fahrstuhl im Rathaus wird bald gebaut und bis zum Jahresende installiert sein. Für den Inklusionsbeirat hatten wir 20 Bewerbungen, das ist ein tolles Ergebnis. Auch in Sachen Kurpark bleiben wir im Zeitplan, obwohl der sehr sportlich ist. Ich bin zudem zuversichtlich, dass auch der Förderantrag für die Maßnahmen beim FZX positiv beschieden wird. Es geht voran in Xanten.

Was bleibt bei Ihnen noch besonders hängen von den vergangenen Monaten?

Görtz Dass sich Beharrlichkeit am Ende auszahlt. Um den Tag der Begegnung habe ich persönlich gekämpft, und das an vielen Fronten. Nun müssen wir schauen, was passiert. Aber ich bin zuversichtlich. Manchmal muss man als Bürgermeister seine Zähne nicht nur zum Lächeln, sondern auch zum Beißen zeigen.

RP-REDAKTIONSLEITER DIRK MÖWIUS FÜHRTE DAS INTERVIEW.

Quelle: RP
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