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Briefe kommen in Xanten nicht an
Wenn der Postmann gar nicht klingelt

Xanten: Wenn der Postmann gar nicht klingelt
Ein Briefträger (Symbolbild). FOTO: AP, AP
Xanten. In Xanten reißen die Klagen über ausbleibende und verspätete Zustellung von Briefsendungen nicht ab. Die Post erklärt das mit einem hohen Krankenstand und gelobt Besserung. Von Peter Kummer und Bernfried Paus, Xanten

Von täglich überquellenden Briefkästen, gefüllt mit Weihnachtspost und Glückwünschen zum Neuen Jahr: Davon konnte bei Tim Michalak, Anwohner der Viktorstraße in Xanten, keine Rede sein. Im Gegenteil: Oft herrschte Leere im Fach. Dabei erwartete er beruflich wichtige Postsendungen. "Ich bin kein Einzelfall. Auch andere haben mir ähnliche Erfahrungen berichtet", sagt er. Offenbar liefere die Deutsche Post nicht immer aktuell aus. Der Paketbote habe ihm erzählt, dass Briefpost manchmal über Tage gesammelt werde, um dann in einem Rutsch vom Paketdienst zugestellt zu werden.

Einen solchen Verbund von Brief- und Paketzustellung gibt es für Teile von Xanten. Das Stadtgebiet ist in 26 Bezirke aufgeteilt - davon ein Fahrrad-, 24 Verbund- und ein Paketbezirk mit reiner Paketzustellung. Im Starkverkehr um die Festtage werde Xanten mit vier weiteren Bezirken/Postboten entlastet, erläutert Achim Gahr, Leiter Pressestelle der Deutsche Post. Der Verbund sei im Juli ausgeweitet worden. "Ein gängiges und bewährtes Verfahren."

Allerdings räumt der Postsprecher für die Zeit vor Weihnachten vereinzelt Probleme in einem Bezirk durch Ausfall einer Stammkraft ein. "Die dort eingesetzte Vertretung ist noch neu und hat die Arbeit an einzelnen Tagen nach Erreichen der gesetzlichen Höchstarbeitszeit einstellen müssen", so Gahr - nach zehn Stunden und 45 Minuten. Dennoch habe es keine nennenswerten Rückstände gegeben, da man am nächsten Tag dort anfangen habe, wo am Tag vorher abgebrochen worden sei. "Der Bezirk war somit einen über den anderen Tag rückstandsfrei."

Beschwerden über die Post keine Seltenheit

Für die Verbraucherzentrale NRW sind Beschwerden über lange Laufzeiten und Probleme bei Briefdienstleistungen keine Seltenheit. Daher habe man Anfang Dezember ein Portal "Post-Ärger.de" eingerichtet, sagt Julian Graf, Jurist bei der Verbraucherzentrale. Ziel sei es, systematisch Probleme am Brief- und Paketmarkt zu erfassen und Verbesserungen am Post-Markt herbeizuführen. Graf: "Verbraucher erhalten neben grundlegenden Informationen die Möglichkeit, sich über Brief- sowie Paketdienstleistungen zu beschweren. Ausgewählte Beschwerden legen wir dem jeweiligen Anbieter vor und veröffentlichen die Beschwerde gegebenenfalls nebst Stellungnahme nach 14 Tagen anonymisiert."

Der Jurist sieht die Anbieter in der Pflicht, ihre Zustellpflichten zu erfüllen. "Wir raten, sich bei Problemen zunächst unmittelbar an den jeweiligen Briefdienstleister zu wenden. Darüber hinaus kann man sich an die Bundesnetzagentur wenden, uns Beschwerde mitteilen und so dazu beitragen, Missstände aufzudecken", so Graf.

Vor wenigen Wochen hatte sich Josef Bergmann aus Menzelen bitter darüber beklagt, dass rund 60 Einladungskarten zur Beerdigung seiner Mutter erst mehrere Tage nach der Bestattung bei den Adressaten angekommen waren. Klagen über ausbleibende Briefzustellungen gab's zuvor auch in Ossenberg.

Post gelobt Besserung

Gehäuft auftretende Beschwerden am linken Niederrhein über mangelhafte Zustellung von Briefen sowie Briefkästen, die teils wochenlang nicht geleert wurden, waren bereits Anlass für ein Gespräch, das SPD-Landtagsabgeordneter René Schneider mit Berthold Hoppe, Politischer Beauftragter der Deutschen Post AG, geführt hat. Dabei hat Hoppe Besserung gelobt, auch wenn er sich nicht erklären könne, dass trotz aller Kontrollmechanismen Briefkästen über längere Zeiträume "unbemerkt ungeleert bleiben". Verspätete Briefzustellung sei zum Teil dem hohen Krankenstand sowie einer schlechten Koordination vor Ort geschuldet.

Schneider betonte, dass es einen gesetzlichen Anspruch auf "flächendeckend angemessene und ausreichende Dienstleistungen" der Post gebe. Der hohe Krankenstand und die Menge an Überstunden sprechen dafür, dass noch immer zu wenig Personal zur Verfügung stehe, besonders für das intensive Weihnachtsgeschäft.

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Hoppe verwies darauf, dass es Ziel der Post AG bleibe, normal frankierte Briefe am nächsten Tag zuzustellen. Diese Marke erreiche man in 95 Prozent der Fälle. Das überprüfe der TÜV regelmäßig.

Quelle: RP
 
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