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FBI vermittelt wegen "Hassverbrechen"
Todesstrafe für mutmaßlichen Charleston-Schützen im Gespräch

Charleston: Todesstrafe für mutmaßlichen Schützen im Gespräch
Dylann R. war offenbar von Hass auf Schwarze getrieben. FOTO: ap
Charleston. Nach dem Angriff auf eine von Afroamerikanern besuchte Kirche in Charleston mit neun Todesopfern hat die Gouverneurin des US-Bundesstaates South Carolina die Todesstrafe für den mutmaßlichen Schützen gefordert.

Das rassistisch motivierte Verbrechen sei "der schlimmste Hass, den ich und dieses Land in einer langen Zeit gesehen haben", sagte die Republikanerin Nikki Haley am Freitag im Fernsehsender NBC.

Der 21-jährige Weiße Dylann R., der bei einer Bibelstunde in der Emanuel African Methodist Episcopal Church das Feuer eröffnet haben soll, wartete in Charleston auf seine erste Anhörung vor Gericht. Ihm droht eine Mordanklage, außerdem ermittelt die Bundespolizei FBI wegen eines sogenannten Hassverbrechens. Dem Nachrichtensender CNN zufolge soll der junge Mann in Verhören die Tat gestanden und ausgesagt haben, er habe einen "Krieg der Rassen" entfachen wollen.

"Ohne Frage ist das ein aus Hass begangenes Verbrechen", sagte Haley. "Wir werden absolut wollen, dass er die Todesstrafe bekommt." Die Gouverneurin kündigte an, für dieses Urteil "so hart wie wir können" zu kämpfen.

Mann schießt in Charleston auf Kirchenbesucher FOTO: ap

Die Mitglieder der afroamerikanischen Gemeinde hatten sich am Mittwochabend zur Bibelstunde versammelt. Nach bisherigen Erkenntnissen setzte R. sich eine Stunde lang dazu, bevor er um sich schoss. Eine Verwandte eines Opfers sagte CNN, jemand habe den Schützen noch von weiteren Morden abbringen wollen. Der junge Mann habe aber entgegnet: "'Nein, Ihr habt unsere Frauen vergewaltigt und Ihr übernehmt die Macht im Land. Ich muss tun, was ich tun muss'."

Sechs Frauen und drei Männer im Alter zwischen 26 und 87 Jahren starben. Nach einer Großfahndung wurde der mutmaßliche Schütze am Donnerstag in der etwa vier Autostunden entfernten Kleinstadt Shelby im Bundesstaat North Carolina bei einer Verkehrskontrolle festgenommen. Noch am selben Tag wurde er in einem Flugzeug zurück nach Charleston gebracht.

Auf Fotos auf seiner Facebook-Seite ist R. mit einer Jacke mit der Flagge Südafrikas zu Zeiten der Apartheid sowie mit der Flagge Rhodesiens, dem ebenfalls von Weißen beherrschten Vorgängerstaat von Simbabwe, zu sehen. Ein anderes Bild zeigt ihn mit einem Auto, auf dessen Nummernschild "Konföderierte Staaten von Amerika" steht. Dieser Zusammenschluss aus Südstaaten hatte im amerikanischen Bürgerkrieg für die Fortsetzung der Versklavung von Schwarzen gekämpft.

US-Präsident Barack Obama sagte, die Attacke auf eine afroamerikanische Kirche wecke Erinnerungen an einen "dunklen Abschnitt unserer Geschichte". Rassismus stelle eine "besondere Bedrohung für unsere Demokratie und unsere Ideale" dar. Erneut forderte der Präsident eine Verschärfung der Waffengesetze. Die USA müssten sich ernsthaft damit befassen, dass "diese Form der massenhaften Gewalt in anderen entwickelten Ländern nicht vorkommt".

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte die Tat als "hasserfüllten Gewaltakt". Auch die Bundesregierung äußerte sich bestürzt. Nach allem, was bisher bekannt sei, handele es sich um eine "rassistische Wahnsinnstat", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Freitag. "Wir trauern mit den Familien der Opfer, wir trauern mit allen Menschen in USA, die entsetzt sind, dass dieses alte Übel des Rassenhasses ein weiteres Mal aufgebrochen ist".

Die Stadt Charleston lud für Freitag zu einem Gebet für die Opfer ein. In New York versammelten sich am Donnerstagabend etwa 60 Demonstranten, um der Opfer zu gedenken. Sie hielten am Union Square Schilder mit den Aufschriften "Das Leben von Schwarzen zählt" und "Hört auf, Schwarze zu töten" hoch.

(AFP)
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