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Flugzeugabsturz im Sinai
"Es gibt keine Überlebenden"

Flugzeugabsturz im Sinai: Ägyptische Behörden gehen von technischem Defekt als Ursache aus
Diese Karte zeigt den ungefähren Absturzort südlich des Al-Arish Flughafens in unwegsamem Gelände. Die Maschine war auf dem Weg vom ägyptischen Badeort Scharm el Scheich nach St. Petersburg. FOTO: Google Maps
Kairo. Auf der ägyptischen Sinai-Halbinsel ist ein russisches Passagierflugzeug abgestürzt. An Bord befanden sich 224 Menschen, die auf dem Weg vom ägyptischen Badeort Scharm el Scheich nach St. Petersburg waren. Nach Angaben der Behörden gibt es keine Überlebenden. Ein ägyptischer IS-Ableger behauptet, für den Absturz verantwortlich zu sein. 

Wie die russische Botschaft in Kairo am Samstag auf ihrer Facebook-Seite mitteilte, starben alle 224 Passagiere an Bord des Airbus A-321 mit der Flugnummer 7K9268 von Scharm el Scheich nach St. Petersburg. Helfer hätten am Samstag bereits mehr als 100 Tote geborgen, darunter fünf Kinder, sagten Vertreter der Rettungsteams auf der Sinai-Halbinsel. Sie berichten, dass das Flugzeug in zwei Teile zerbrochen sei. Viele der Opfer säßen noch angeschnallt in ihren Sitzen, sagte ein Helfer. Ein Teil des Flugzeugs sei an einem Felsen zerschellt, der kleinere, hintere Bereich in Flammen aufgegangen.

Ein Airbus A321 wie dieser verunglückte auf dem Sinai (Archiv). FOTO: ap

Der Fundort liege südlich des Al-Arisch-Flughafens im Norden des Sinai, wo der Pilot offenbar notlanden wollte, sagte der Chef der ägyptischen Flugunfallbehörde, Ajman al-Mokdam. 45 Krankenwagen seien zum Absturzort geschickt worden, um Tote zu bergen, teilte die ägyptische Regierung mit. Das Gelände ist bergig und schwer zugänglich, das Wetter ist schlecht.

Eine ägyptische IS-Gruppe behauptet bei Twitter, sie sei für den Absturz verantwortlich. Wie dieses Bekenntnis einzuschätzen ist, ist derzeit noch unklar. Die ägyptischen Behörden hatten zuvor erklärt, sie gingen von einem technischen Defekt als Absturzursache aus. Der Unfall war das Ergebnis eines technischen Problems", sagte auch ein Behördenmitarbeiter, der anonym bleiben wollte, der Deutschen Presseagentur. Ein Flugschreiber sei bereits gefunden worden.

Am Pulkovo-Flughafen in St. Petersburg spenden sich Menschen gegenseitig Trost. FOTO: dpa, si bjw

Pilot meldete technische Probleme 

Aiman al-Mukadem, Mitglied des ägyptischen Komitees für Zwischenfälle im Luftverkehr, sagte zudem, die Maschine habe nach dem Start technische Probleme gemeldet. Der Pilot habe angekündigt, auf dem nächstgelegenen Flughafen zu landen. Danach sei der Kontakt zu den Fluglotsen abgebrochen.

Wie ein Vertreter der ägyptischen Luftfahrtbehörde der Nachrichtenagentur AFP sagte, war der Kontakt zu Flug 7K9268 nach 23 Minuten Flugzeit über dem Sinai abgebrochen.

Nach Angaben des Dienstes flightradar24, der Flugbewegungen in Echtzeit dokumentiert, sank der Flug mit 1800 Metern pro Minute, bevor das Signal abbrach. Die Karte in diesem Tweet zeigt, wo das Flugzeug vom Radar verschwand.

Das Flugzeug hatte nach Angaben des Luftfahrtministeriums in Kairo 217 Passagiere und sieben Besatzungsmitglieder an Bord. Darunter sind auch mindestens 17 Kinder. In ersten Berichten war von 212 Passagieren die Rede. Es handelt sich offenbar in erster Linie um Urlauber. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Interfax waren alle Passagiere Russen. 

Keine schwierigen Flugbedingungen

Laut der russischen Luftfahrtbehörde war die Maschine vom Typ A-321 unterwegs vom Urlaubsort Scharm el Scheich nach St. Petersburg, wo sie um 10.20 Uhr MEZ landen sollte. Die Maschine flog für die sibirische Gesellschaft Kolavia mit Sitz in Tjumen. Das Flugzeug war russischen Medienberichten zufolge gut 18 Jahre alt und gehörte der Gesellschaft seit März 2012. Laut Moskauer Medien wurde Flug vom Subunternehmen MetroJet durchgeführt.

Der russische Wetterdienst Rosgidrometa teilte mit, in der Region hätten keine schwierigen Flugbedingungen geherrscht. "Es gibt etwas Bewölkung, die Sicht beträgt sechs bis acht Kilometer", sagte ein Mitarbeiter.

Branchenberichten zufolge besuchten im vergangenen Jahr etwa drei Millionen Russen Ägypten - dies sei die größte ausländische Gruppe gewesen, hieß es. Reisebüros locken mit günstigen Pauschalangeboten und dem guten politischen Verhältnis zwischen Kairo und Moskau. Da westliche Touristen wegen mehrerer Terroranschläge und der derzeitigen autoritären Regierung das Land meiden, sind russische Gäste für die ägyptische Tourismusbranche von großer Bedeutung.

Seit Jahren Unruhen in der Region

Die Sinai-Halbinsel wird seit Jahren von Unruhen erschüttert. Die ägyptische Armee geht dort gegen bewaffnete Islamisten vor. Die Islamisten sollen enge Verbindungen zur Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) haben, die sich in Syrien und im Irak ausgebreitet hat. Sie nennen sich Sinai-Provinz des IS.

 

(jco/REU/AFP/AP/dpa)
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