| 09.38 Uhr

Viehtransport "Ezadeen"
Fotos zeigen Elend der Flüchtlinge auf dem Geisterschiff

So elend erging es den Flüchtlingen auf der "Ezadeen"
So elend erging es den Flüchtlingen auf der "Ezadeen" FOTO: dpa, tem jak
Rom. Die neue Methode der Menschenschmuggler, Flüchtlinge im Meer auf führerlosen Schiffen zurückzulassen, hat Empörung ausgelöst und den Ruf nach Konsequenzen laut werden lassen. Fotos zeigen, unter welchen elenden Bedingungen die Flüchtlinge auf dem Schiff ausharren mussten.

Diese Taktiken erforderten neue Antworten, sagten die Chefs der Deutschen Polizeigewerkschaft und der Bundespolizeigewerkschaft, Rainer Wendt und Ernst Walter. Das jetzige Verfahren sei "völlig verfehlt". Wendt nannte es einen großen Fehler, dass die vor der afrikanischen Küste operierende italienische Rettungsaktion "Mare Nostrum" vom Einsatz "Triton" abgelöst wurde, der von der EU-Grenzschutzagentur Frontex koordiniert wird. Nun werde den gut organisierten Schleusern "das ganze Mittelmeer überlassen, und nur in Küstennähe wird Europa aktiv", sagte Wendt dem "Handelsblatt". Grünen-Chefin Simone Peter forderte die EU auf, "ihre grausame Abschottungspolitik" zu beenden.

Ein altes Schiff für einige Hunderttausend Euro kaufen, Millionen kassieren – für die Schleuser lohnt sich das Geschäft. Zwischen 4000 und 8000 Dollar hätten sie für die Überfahrt auf dem fast 50 Jahre alten Viehtransporter "Ezadeen" bezahlt, berichteten einige der 360 Flüchtlinge den italienischen Behörden. Sie erreichten am Samstag den Hafen der süditalienischen Stadt Corigliano Calabro.

Bilder aus dem Innern des Schiffs, das unter der Flagge Sierra Leones fuhr, lösten unterdessen neue Empörung aus. Mit dünnen Decken, ohne Nahrung und Strom mussten die Menschen laut italienischen Medien tagelang in den Viehboxen unter Deck ausharren. Die Migranten berichteten, die Schleuser hätten während der Fahrt ihre Gesichter stets verhüllt, um anschließend unerkannt entkommen zu können.

Flüchtlings-Frachter "Ezadeen" erreicht Hafen FOTO: afp, MLP/YG

Die Rettung der "Ezadeen" war der zweite derartige Vorfall innerhalb weniger Tage; erst am Mittwoch hatte die Küstenwache fast 800 Migranten auf dem führerlosen Frachter "Blue Sky M" gerettet, der mit Autopilot auf die felsige Küste Italiens zusteuerte. Die Behörden beobachten schon seit September, dass vermehrt Frachtschiffe zum Einsatz kommen. So könne die Zahl der Flüchtlinge auf den Booten erhöht werden, sagte Carlotta Sami vom UN-Flüchtlingshilfswerk.

(dpa)
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Viehtransport "Ezadeen": Fotos zeigen Elend der Flüchtlinge auf dem Geisterschiff


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.