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Schießerei mit 14 Toten
Stunden der Angst in San Bernardino

Bis zu 20 Opfer: Schießerei in Kalifornien
Bis zu 20 Opfer: Schießerei in Kalifornien FOTO: dpa, ks
San Bernardino. Mehrere Täter haben in einer Behinderteneinrichtung in Kalifornien 14 Menschen erschossen und 17 weitere verletzt. Doch die schlimmste Schießerei in den USA seit drei Jahren war erst der Anfang. Die Verfolgungsjagd verlangte Spezialeinheiten alles ab - und TV-Kameras filmten live mit.

Reglos liegt der Körper auf dem Asphalt in einer Blutlache. Mitten in einer Wohnsiedlung im kalifornischen San Bernardino. Daneben: ein Sturmgewehr. Auf der anderen Straßenseite haben gepanzerte Mannschaftswagen einen von Kugeln durchsiebten, schwarzen Geländefahrzeug eingeklemmt. Hubschrauber kreisen, die Blaulichter Dutzender Polizeiwagen blitzen.

Die aus Hubschraubern gefilmten Aufnahmen der TV-Sender gleichen auf erschreckende Weise dem Höhepunkt eines Actionfilms. Doch das Drama von San Bernardino ist Realität, die erschreckende Szene am Shedden Drive nur ein Kapitel einer stundenlange Tragödie in der Stadt mit 215 000 Einwohnern. Kurz zuvor hatten hier offenbar drei Täter Augenzeugen zufolge mit Skimasken und Schutzbekleidung in einer Behinderteneinrichtung das Feuer eröffnet. Vorläufige Bilanz: 14 Tote und 17 Verletzte, mindestens zwei davon schweben in Lebensgefahr.

Chronik: Schlimme Schießereien in den USA

Mögliche Ursache: Zoff bei einer Feier

Möglicherweise war es Zoff bei einer Feier im Inland Regional Center, der einen der Täter zu dem Blutbad bewegte, wie Polizeichef Jarrod Burguan sagt. Die Einrichtung wurde wohl nicht direkt angegriffen, sondern ein an Behördenmitarbeiter vermieteter Raum. "Es gab irgendeine Art von Streit", sagt Burguan. Nach diesem soll ein Mann die Feier verlassen haben - und kehrte offenbar mit zwei bewaffneten Begleitern zurück.

"Alle fielen auf den Boden", berichtet die 27 Jahre alte Denise Peraza Angehörigen zufolge. "Die Typen eröffneten für 30 Sekunden willkürlich das Feuer und hörten dann auf, um nachzuladen." Zwei von ihnen tragen schwarze Militärkleidung. Peraza versteckt sich unter einem Tisch und wird in den Rücken getroffen. Dann wird es ruhig.

Angehörige und Freunde bangen um die Menschen, die sich drinnen verschanzt haben. Nach fünf Minuten stoßen Polizeibeamte die Tür auf, berichtet Pereza, dann rufen sie: "Jeder, der sich bewegen kann, gehen Sie sofort und suchen Sie Schutz hinter Autos." Bis die Umgebung geräumt ist, vergeht für die Opfer wohl eine gefühlte Ewigkeit.

Obama fordert schärfere Waffengesetze

Mit erhobenen Händen verlassen Angestellte das Gebäude und werden durchsucht, ein Foto zeigt eine Gruppe Mitarbeiter, die sich unter Bäumen in einem Kreis an den Händen hält und betet. Auch Schulen, Gerichtsgebäude und andere öffentliche Einrichtungen werden geschlossen.

Es ist die schwerste Schießerei seit dem Amoklauf an der Sandy-Hook-Grundschule in Newtown (Connecticut) mit 26 Toten, darunter 20 Kinder, vor fast exakt drei Jahren. Präsident Barack Obama bleibt wie immer nach diesen Fällen nichts anderes übrig, als schärfere Waffengesetze zu fordern.

Bald gerät ein schwarzer Geländewagen ins Visier der Fahnder, offenbar durch einen Tipp aus Ermittlungen im Vorort Redlands. Dutzende Polizeiautos rauschen mit Sirenengeheul durch das sonnige San Bernardino, Kamerateams postieren sich an Straßenecken. Bei der Jagd schießen die Verfolgten laut Polizei durch die Heckscheibe, ein Beamter wird verletzt.

Spezialkommando setzt Schutzschild ein

Eine vermeintliche Rohrbombe, die Insassen bei der Fahrt aus dem Fenster werfen, entpuppt sich nicht als Sprengstoff. Als der Geländewagen irgendwann in einer Wohnsiedlung zum Stehen kommt, ist er völlig durchlöchert: Fast alle Fensterscheiben sind zerschossen, die Reifen platt. Als der Kameramann im Hubschrauber eines TV-Senders drauf hält, liegt einer der Verdächtigen in der Blutlache am Straßenrand.

Es muss eine wilde Fahrt gewesen sein. Die Warnblinker blinken, der Scheibenwischer läuft müde auf und ab, im Inneren des Fahrzeug regt sich - zumindest aus der Luft betrachtet - nichts. Dutzende Polizisten kauern mit gezogener Waffe hinter der Hecke eines Vorgartens und hinter ihren Dienstwagen, als sich die gepanzerten Fahrzeuge der SWAT-Spezialeinheiten nähern.

Erst mit einer gepanzerten Hebebühne samt Schutzschild traut sich das Spezialkommando an den SUV. Und dann, nachdem sie mit einem langen Metallhaken die Autotür aufdrücken, ziehen sie einen Körper von der Rückbank. Plump sackt er unter einem Dutzend gezogener Gewehrläufe auf den Asphalt.

Angst vor Sprengstofffallen in der Wohnung

Weil an der Behinderteneinrichtung Sprengstoff vermutet wird, sind die Beamten auch hier extrem vorsichtig. Erst Stunden nach der Attacke und einer massiven Suche in Häusern, Autos und Gärten gibt die Polizei vorsichtige Entwarnung: Ein Mann und eine Frau am Geländewagen sind tot, ein dritter Verdächtiger ist gefasst. Es ist das vorläufige Ende eines Tags voller Angst und Schrecken.

Doch im Vorort Redlands blitzt das Blaulicht noch bis tief in die Nacht, das FBI fürchtet in der Wohnung der Getöteten Sprengstoff. Ein Spezialroboter wird angefordert.

Das Wort Terrorismus will David Bowdich vom FBI mit dem Drama von San Bernardino noch nicht in Verbindung bringen. "Wir werden gehen, wohin die Beweise uns führen."

Mittlerweile hat die Polizei Einzelheiten zu den Verdächtige des Attentats bekanntgegeben: Sie waren verheiratet und haben ein Baby zurückgelassen.

(dafi/dpa)
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