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Srebrenica
Staatsanwaltschaft klagt acht Männer an

Belgrad. Bevor Serbien der EU beitreten kann, muss es sich mit seiner Vergangenheit und damit mit seiner Rolle im Bosnien-Krieg auseinandersetzen. Die Staatsanwaltschaft in Belgrad macht jetzt den Anfang. Acht ehemalige Mitglieder einer Sondereinheit müssen sich vor Gericht verantworten.

Die serbische Staatsanwaltschaft hat acht mutmaßlich vor 20 Jahren am Massaker in Srebrenica beteiligte Männer angeklagt. Ihnen wird vorgeworfen, an der brutalen Tötung von rund 1300 Menschen in einem Lager in dem Dorf Kravica bei Srebrenica beteiligt gewesen zu sein, wie die für die Aufklärung von Kriegsverbrechen verantwortliche Staatsanwaltschaft am Donnerstag mitteilte. Die Opfer seien in das Lager gezwungen und dann mit Granaten und Maschinengewehren getötet worden.

Die Verdächtigen sind ehemalige Mitglieder der bosnisch-serbischen Spezial-Polizei. Unter ihnen ist auch der Chef der Einheit, Nedeljko Milidragovic, der auch unter dem Namen Nedjo der Schlachter bekannt ist. Er soll die Befehle für die Tötungen gegeben haben, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte.

Staatsanwalt Vladimir Vukcevic sagte der Nachrichtenagentur AP, diese Anklage zeige Serbiens Position hinsichtlich des größten seit dem Zweiten Weltkrieg in Europa begangenen Kriegsverbrechens. "Kein Opfer oder Kriegsverbrecher wird vergessen", versprach Vukcevic. Serbien hatte die bosnischen Serben während des Konflikts unterstützt, versprach allerdings, sich um seine Kriegsvergangenheit zu kümmern, da das Land eine EU-Mitgliedschaft anstrebt.

Während des Bosnienkriegs hatten bosnisch-serbische Truppen im Juli 1995 in Srebrenica 8000 muslimische Männer und Jungen getötet. International wird das Massaker als Völkermord gewertet. Serbien bestreitet dies jedoch.

Der ehemalige bosnisch-serbische Anführer Radovan Karadzic und Armee-Kommandeur Ratko Mladic müssen sich wegen Srebrenica und anderer Gräueltaten in dem von 1992 bis 1995 dauernden Krieg vor dem UN-Kriegsverbrecher-Tribunal in Den Haag verantworten.

Srebrenica sollte als Schutzzone der Vereinten Nationen eigentlich Zivilisten Zuflucht bieten. Doch überrannten serbische Truppen die muslimische Enklave, und die niederländischen Blauhelme konnten das Gebiet nicht schützen. Rund 15 000 Männer versuchten, in die Wälder zu fliehen. Mehr als die Hälfte wurde ermordet. Noch immer sind nicht alle der in Massengräbern verscharrten Opfer identifiziert.

Im Bosnienkrieg kämpften orthodoxe serbische Christen gegen bosnische Muslime und kroatische Katholiken. Die Serben versuchten die Abspaltung Bosniens und Kroatiens von Jugoslawien zu verhindern. Insgesamt starben mehr als 100 000 Menschen, Millionen waren nach dem Konflikt wohnungslos.

(ap)
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