| 18.32 Uhr

Vereitelter Terroranschlag
Zugpersonal soll Passagiere ausgesperrt haben

Drei Verletzte bei Schüssen in Thalys-Schnellzug
Drei Verletzte bei Schüssen in Thalys-Schnellzug FOTO: afp, vel
Paris. Nach dem vereitelten Attentat auf den Schnellzug Thalys erhebt der französische Schauspieler Jean-Hugues Anglade schwere Vorwürfe gegen das Bahnpersonal. Mitarbeiter sollen sich einem Abteil verschanzt und die restlichen Fahrgäste ihrem Schicksal überlassen haben.

Als an Bord Panik ausgebrochen sei wegen des bewaffneten Angreifers, hätten sich mehrere Mitarbeiter in einem speziellen Abteil verschanzt und die übrigen Passagiere ausgesperrt, sagte der aus dem Kultfilm "Betty Blue" bekannte Schauspieler am Samstag dem Magazin "Paris Match". "Sie haben das Abteil mit einem speziellen Schlüssel geöffnet und sich eingeschlossen."

"Der Schütze war wenige Meter von uns entfernt im Waggon Nummer zwölf", berichtete der 60-Jährige. Er habe zusammen mit seinen beiden Kindern und seiner Lebensgefährtin im benachbarten Abteil gesessen, dem hintersten Personenwaggon des Zuges. "Der bewaffnete Mann bewegte sich in unsere Richtung, er war entschlossen. Ich habe gedacht, das ist das Ende, wir müssen alle sterben."

Charlie Hebdo - Gedenkmarsch in Paris FOTO: afp, ab/sd

Mit den anderen Passagieren habe er mit dem Rücken an der Wand zu dem abgeriegelten Abteil gekauert. "Wir haben geschrien, dass uns das Personal hineinlassen solle", sagte Anglade. Doch niemand habe reagiert. "Dieses Verlassensein, diese Hilflosigkeit, diese Einsamkeit - es war schrecklich und unerträglich. Für uns war das unmenschlich."

Die Geschäftsführerin der Thalys-Gesellschaft, Agnès Ogier, wies die Anschuldigungen zurück. "Einer der Mitarbeiter hat gemerkt, wie er von einem Schuss gestreift wurde." Er sei weggelaufen und mit fünf oder sechs Reisenden in den Gepäckraum am Ende des Zuges geflohen. Dort habe er den Alarm ausgelöst und anschließend die Kollegen aus dem anderen Zugteil und den Fahrer informiert. Ein anderer Mitarbeiter habe den Zugführer außerdem per Telefon alarmiert. In den beiden Zugteilen des Thalys befinden sich jeweils zwei Mitarbeiter der französischen Bahngesellschaft SNCF oder der belgischen SNCB.

"Je suis Charlie" - Solidarität in NRW FOTO: ON

Der mit einer Kalaschnikow, einer Pistole und einem Teppichmesser bewaffnete Täter war am Freitag in Brüssel in den Thalys eingestiegen. Zwei US-Soldaten und ein befreundeter Student überwältigten den Angreifer, zwei Menschen wurden schwer verletzt. Nach ersten Erkenntnissen handelt es sich bei dem Verdächtigen um einen 26 Jahre alten Marrokaner, der als radikaler Islamist bekannt war.

(AFP)
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