| 13.20 Uhr
Millionenteurer Mehrteiler im ZDF
"Adlon" - das Hotel der Schauspiel-Stars
Das "Adlon" im ZDF - hochkarätig besetzt
Das "Adlon" im ZDF - hochkarätig besetzt FOTO: ZDF und Till Vielrose
Berlin. Am Sonntag startet das ZDF einen Dreiteiler über das legendäre Berliner Hotel. Die Familiensaga ist hochkarätig besetzt. Von Martina Stöcker

1907 zur Eröffnung des "Hotel Adlon" ist selbst Kaiser Wilhelm II. beeindruckt: Die Essenswünsche der Hotelgäste werden per Rohrpost in die Küche übermittelt. Eine Zauber-Staub-Saug-Maschine aus den USA pflegt die edlen Teppiche.

Über eine spezielle Lichtsignaltechnik können die Gäste dem Personal ihre Wünsche signalisieren. Alle Zimmer verfügen über fließend heißes Wasser. Und als besondere Neuheit, die den Kaiser in Staunen versetzt, bringt ein Fahrstuhl die Gäste auf die verschiedenen Etagen.

Der Bau und die luxuriöse Ausstattung kosteten 17 Millionen Goldmark, die heute einem Wert von 350 Millionen Euro entsprächen. Das "Adlon" unweit des Brandenburger Tors wurde nach seiner Eröffnung schnell zum Mythos, ein ZDF-Dreiteiler erzählt seine Geschichte und die seiner Gründer.

Und auch wenn das Jahr gerade einmal fünf Tage alt ist, darf man jetzt schon behaupten: "Das Adlon. Eine Familiensaga" gehört zu den Fernsehereignissen in 2013.

"Hotels erzählen eine Vielzahl von Geschichten"

Es gibt nur wenige Schauplätze, die sich aus der Sicht eines Dramaturgen so perfekt für einen Film eignen wie ein Hotel. Durch die Drehtür kommen immer neue Gäste und damit Geschichten hineinspaziert, eine breite geschwungene Treppe ermöglicht einen Auftritt wie im Theater.

Hinter den Kulissen arbeiten Hunderte Menschen, die wiederum ihre eigenen Sorgen und Schicksale haben. "Hotels erzählen eine Vielzahl von Geschichten und hüten unzählige Geheimnisse", sagt Produzent Oliver Berben, der auch ein Fan der US-Serie "Hotel" aus den 80er Jahren ist. "Bei einem so alten Hotel wie dem Adlon einmal durch das Schlüsselloch zu spähen, war das Spannendste an diesem Projekt."

Denn als erstes deutsches Grandhotel wurde es durch seine exponierte Lage am Brandenburger Tor unmittelbarer Zeuge der deutschen Geschichte: Epochale Ereignisse in Kaiserzeit, Weimarer Republik, NS-Diktatur und der DDR während der Wende lagen direkt vor der Hoteltür. So spannt Berben mit Regisseur Uli Edel einen Bogen vom Jahr 1904, in dem die Planungen für den Bau beginnen, bis zum Jahr 1997, als ein neues Hotel unter dem alten Namen eröffnet wird.

Geschickt mischen sie Realität und Fiktion. Kaiser Wilhelm II. persönlich unterstützt das Projekt, für das Geschäftsmann Lorenz Adlon (Burghart Klaußner) Geld bei Investoren einsammelt. Einer von ihnen ist die fiktive Figur Gustaf Schadt (Thomas Thieme), dessen Enkelin Sonja (Josefine Preuß) als Kind mit ihrer Familie zum Tee ins Adlon kommt und später dort wohnen wird. Sie verliebt sich in einen jüdischen Journalisten (Ken Duken), die Nationalsozialisten nisten sich im Adlon ein.

Die Liste der Schauspieler liest sich wie ein Best-of von Filmpreisträgern: Wotan Wilke Möhring, Rosemarie Fendel, Heino Ferch, Marie Bäumer, Sunnyi Melles, Anja Kling, Katharina Wackernagel, Jürgen Vogel und Christiane Paul wirken unter anderem mit.

Tolle Leitung der Maskenbildner

Besonders bewundernswert sind die Leistungen der Maskenbildner und die Ausstattung der Kulissen. So altert Josefine Preuß (26) von einer knapp 20-Jährigen zu einer 60-Jährigen, Heino Ferch (49) stellt Louis Adlon, Sohn des Hotelgründers Lorenz, zwischen 30 und 70 dar. Die Frisuren und der Modestil der Epochen sind akkurat getroffen.

Welche Legenden über das Hotel wahr sind und welche erfunden, erkennt der Zuschauer nicht. In einer Szene vergnügt sich etwa der verheiratete Kaiser mit einer Sängerin in der Fürstensuite.

Verbrieft sind allerdings die prominenten Gäste: Der Zar von Russland und der König von Siam logierten im Adlon, ebenso wie die US-Milliardäre John D. Rockefeller oder Henry Ford. Thomas Mann feierte dort 1929 seinen Nobelpreis, Albert Einstein schaute regelmäßig vorbei. Charlie Chaplin checkte 1931 zur Premiere seines Films "Lichter der Großstadt" ein. Josephine Baker sang, und Marlene Dietrich wurde für "Der blaue Engel" entdeckt.

Wilhelm II. brachte seine Verwandten dort unter. Der Adel verkaufte damals seine Winterpalais in Berlin und wohnte während der Ball-Saison in der Luxus-Herberge am Pariser Platz – so wurde das Adlon zum "Hof-Hotel".

Burghart Klaußner sagt als Hotelgründer Lorenz Adlon: "Im Adlon wird man nicht nur übernachten, im Adlon wird man sein."

Quelle: RP/csr/pst
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung.
Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.


Melden Sie diesen Kommentar