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Streit um Erdogan-Gedicht
Sendung abgesagt – Jan Böhmermann unter Polizeischutz

Varoufake, Schweiger...: Böhmermanns größte Aufreger
Varoufake, Schweiger...: Böhmermanns größte Aufreger FOTO: Screenshot Youtube
Mainz. Jan Böhmermann hat die nächste Ausgabe seiner Sendung "Neo Magazin Royale" abgesagt. Dies teilten das ZDF sowie die Produktionsfirma am Dienstag mit. Seit Dienstag steht außerdem ein Streifenwagen vor dem Haus des Moderators.

Böhmermann soll vor Angriffen auf seine Person oder das Haus beschützt werden. Das bestätigte ein Sprecher der Polizei Köln unserer Redaktion. Zuerst hatte "Focus Online" darüber berichtet. Die Maßnahme sei vorsorglich, man wolle aufpassen, dass nichts passiert. Konkrete Bedrohungen seien der Polizei bisher nicht bekannt. "Wir bewerten die aktuelle Lage und stehen im Austausch mit den Sicherheitsbehörden", sagte der Sprecher.

Böhmermann hatte in seinem ZDF-"Neo Magazin Royale" in einem Gedicht über Erdogan bewusst beleidigende Formulierungen benutzt. Damit wollte er nach eigener Darstellung den Unterschied zwischen in Deutschland erlaubter Satire und verbotener Schmähkritik deutlich machen. Nach Anzeigen gegen Böhmermann und Verantwortliche des ZDF ermittelt die Mainzer Staatsanwaltschaft.

Auch am kommenden Donnerstag wird die Sendung nicht ausgestrahlt. Die Produktionsfirma teilte dazu bei Facebook folgende Nachricht.

Die Produktionsfirma btf GmbH und Jan Böhmermann haben entschieden, die für Donnerstag geplante nächste Ausgabe von Neo...

Posted by NEO MAGAZIN ROYALE on  Dienstag, 12. April 2016

Im Streit um eine mögliche Strafverfolgung hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zuvor die Bedeutung der Meinungs- und Kunstfreiheit in Deutschland hervorgehoben. "Diese Grundwerte gelten unbeschadet aller politischen Probleme, die wir miteinander besprechen", sagte Merkel am Dienstag in Berlin.

"Völlig entkoppelt"

Die Kanzlerin betonte, dass sie in der Flüchtlingskrise eine gemeinsame Lösung mit der Türkei anstrebe. Die Frage des Flüchtlingsabkommens zwischen Ankara und der Europäischen Union sei von der Kontroverse um die Böhmermann-Satire und dem Schutz der Meinungsfreiheit in Deutschland aber "völlig entkoppelt".

Auch NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) mischte sich die Debatte ein. Freiheit zur Satire ist Teil unserer Demokratie", twitterte Kraft am Dienstag. "Dies darf nicht in Frage gestellt werden. Erst recht nicht durch politischen Druck von außen."

Ob Moderator Böhmermann die Grenze zwischen Satire und persönlicher Beleidigung überschritten habe, "entscheiden in einem Rechtsstaat Gerichte", schrieb Kraft weiter. "Und das ist auch richtig so."

Liebe Leserinnen und Leser! In einer vorherigen Version dieses Textes haben wir das ZDF mit den Worten zitiert, die Sendung sei aufgrund des "massiven öffentlichen Drucks" abgesagt worden. Diese Passage haben wir inzwischen entfernt. Die Produktionsfirma spricht von "massiver Berichterstattung und dem damit verbundenen Fokus" auf die Sendung und ihren Moderator.

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