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"Tatort - Zorn Gottes"
Eine neue Partnerin für Falke

Szenenbilder aus "Tatort - Zorn Gottes"
Szenenbilder aus "Tatort - Zorn Gottes" FOTO: NDR/Marion von der Mehden
Hannover. Wotan Wilke Möhring hat als "Tatort"-Kommissar kein Glück mit seinen Partnern. Nun kommt Franziska Weisz. Das "sz" in ihrem Nachnamen hat Franziska Weisz mit ihrer Figur Julia Grosz gemein. Diese bringt ein dunkles Geheimnis mit in den neuen Job. Von Martina Stöcker

Die Polizistin schiebt bei ihrem Einsatz im "Tatort" Dienst an der Sicherheitsschleuse am Flughafen Hannover, obwohl sie dafür überqualifiziert ist. Nach und nach offenbart sie sich ihrem neuen Partner Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring) und erzählt, dass sie als Ausbilderin in Afghanistan war und dort einen Kollegen erschossen hat. Sie selbst erlitt einen Streifschuss und ist traumatisiert. Falke wird ihr Kollege und in den nächsten Folgen sicherlich zu ihrem Therapeuten. "Ich neige dazu, niemandem zu vertrauen und meine Kollegen zu erschießen", sagt sie. "Umgekehrt wäre es mir lieber", antwortet Falke.

Schon die dritte Partnerin

"Zorn Gottes" ist der siebte Fall des kantigen Bundespolizisten und Julia Grosz schon seine dritte Partnerin. Schauspielerin Petra Schmidt-Schaller zog sich als Kommissarin Katharina Lorenz zurück, weil ihr das "Tatort"-Korsett zu wenig Zeit für ihre kleine Tochter ließ. Sebastian Schipper gab die Rolle als Kommissar Jan Katz auf – der Regisseur und Schauspieler bekannte später, er habe nur wegen des Geldes beim NDR-"Tatort", dessen Team in ganz Norddeutschland ermittelt, mitgemacht. 

Franziska Weisz bekannte vor ihrem Debüt demütig, der Krimi-Job habe für sie den gleichen Stellenwert, als dürfte sie dem Idol ihrer Kindheit die Hand schütteln. Sie wird auf jeden Fall die Tiefgründige in dem Duo sein, denn Thorsten Falke entdeckt seine komische Seite und punktet mit ein paar guten Sprüchen. Humor zieht beim "Tatort" immer, das honorieren die Zuschauer in der Regel mehr als clever strukturierte Kriminalfälle.

Drehbuchautor Florian Oeller und Regisseur Özgur Yildirim nehmen sich in "Zorn Gottes" viel vor. Sie wollen die Geschichte einer Radikalisierung erzählen. Der Türke Enis Günday (Cem-Ali Gültekin) hat sich Islamisten angeschlossen, nach zwei Jahren kehrt er nach Deutschland zurück, um einen Anschlag zu verüben. Seine Mitkämpfer nennen sich "Braunschweiger Brigade" – in Anlehnung an die echte "Lohberger Brigade" aus Dinslaken, deren Mitglieder in Syrien gekämpft haben sollen und von denen die meisten dort ums Leben gekommen sind.

Die Geschichte der Radikalisierung erreicht keine Tiefe

Die Attentatspläne werden allerdings durchkreuzt, weil Flughafen-Mitarbeiter Rocky (Christoph Letkowski), der mit seinem Halbbruder am Flughafen Illegale ins Land schleust, einen Fehler macht und gegenüber einem Unbeteiligten das geheime System aufdeckt. Aus Sorge, er könne sie verraten, erschlägt Rocky ihn, versteckt die Leiche in einem Fahrgestell eines Flugzeugs, und von dort plumpst sie in den Pool einer Hannoveraner Villa. Es dauert nicht lange, bis Falke und Grosz erkennen, was am Flughafen läuft und dass die Brigade in Hannover einen großen Anschlag plant.

Schwachpunkt des Krimis ist das, was eigentlich seine Stärke sein sollte. Denn die Geschichte der Radikalisierung eines Türken, der so assimiliert ist, dass er mit seinem Vater Deutsch spricht, erreicht keine Tiefe. Wenn er erklären will, was ihn zu einem Extremisten gemacht hat, bleiben die Argumente hohl: Es geht um den Krieg, um Öl, den imperialistischen Westen, die Ermordung Unschuldiger. Gut dargestellt ist hingegen das Leid von Enis Familie: Sie hat einen Sohn an einen Kampf verloren, den sie ablehnt. Zugleich sorgt sie sich um das geliebte Kind.

"Tatort - Zorn Gottes", Das Erste, So., 20.15 Uhr

Quelle: RP
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