| 15.41 Uhr

TV-Talk "Hart aber fair"
Auf der Waage – Wampe oder Waschbrettbauch

Hart aber Fair - wie viel Einfluss hat die Gesellschaft auf unser Gewicht?
Detlef Soost, Jens Baas, Margareta Büning-Fesel, Angelina Kirsch und Moritz Sachs bei "Hart aber fair". FOTO: Screenshot ARD
Düsseldorf. Die Bevölkerung wird dicker, zugleich boomt die Fitness-Industrie. Rufe nach einer Zuckersteuer werden lauter. "Hart aber fair" hat auf die Waage geschaut und gefragt, ob das Körpergewicht eigentlich Privatsache ist. Von Julica Jungehülsing

Darum ging's

In der Woche der guten Vorsätze dreht sich bei "Hart aber fair" in der ARD alles ums Körpergewicht. Laut Umfragen fühlen sich 60 Prozent der deutschen Frauen zu dick, die Männer sind etwas zufriedener mit ihren Maßen. Moderator Frank Plasberg will ausloten, wo die Balance zwischen Schlankheitswahn und bedrohlichem Übergewicht liegt. Außerdem fragt er: Ist schlank gleich sexy? Ist Gewicht Privatsache? Und: Kann eine Zuckersteuer eine gute Idee sein?

Darum ging's wirklich

Frank Plasberg wirft mit seinen Gästen einen Blick in den Spiegel: Gefährlich dick? Gerade richtig? Nie zufrieden? Zwei Fitness-Fans, eine Wissenschaftlerin, ein Krankenkassen-Chef, ein kurviges Model und ein 120 Kilogramm schwerer Schauspieler sprechen über eigene Erfahrungen und diskutieren, wie viel Einfluss die Gesellschaft auf das Gewicht des Einzelnen haben sollte oder darf.

Die Gäste

  • Angelina Kirsch, "Curvy"-Model
  • Detlef Soost, Tänzer, Choreograph und Fitnesscoach
  • Margareta Büning-Fesel, Leiterin des Bundeszentrums für Ernährung
  • Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der Techniker Krankenkasse
  • Moritz A. Sachs, Schauspieler
  • Florian Schumacher, digitaler Gesundheitsberater, Self-Tracker

Frontverlauf

Den Anfang machen zwei Gegenpole: Fitnesscoach Detlef Soost, der sich besser und sexy fühlt, seit er 32 Kilogramm leichter ist, und Angelina Kirsch, die als Model für Übergrößen Karriere gemacht hat. Soost erzählt, er habe sich früher mit dem Rücken zum Spiegel abgetrocknet und findet sich heute deutlich attraktiver.

Kirsch fühlt sich auch mit ihren Rundungen wohl und sexy. Sie dankt ihrer Mutter, die ihr als Teenager erklärt habe, dass Kurven dazugehörten, und sie so glücklich werden solle, wie sie ist. Offenbar ein Erfolgsrezept, denn Kirsch strahlt und lacht in den 75 Sendeminuten deutlich am überzeugendsten.

Weniger glücklich mit seinem Gewicht ist Moritz A. Sachs, bekannt als Klaus Beimer aus der Lindenstraße. Für Sachs ist weniger wichtig, ob er Idealmaße hat, er macht sich eher Sorgen um die Gesundheit: "Es geht doch nicht darum sexy zu sein", kritisiert er Soosts Internet-Angebot ("Ich mache dich sexy" - für 15.90 Euro im Monat).

Man könne sehr gut auch dick und sexy sein, das sei für ihn aber nicht das Thema. "Es geht doch eher darum: wollt ihr älter werden als 60 Jahre, und wollt ihr mal einen Berg hochlaufen können, ohne einen roten Kopf zu bekommen?"

Frank Plasberg mit Digital-Tracker Florian Schumacher und seinen anderen Gästen bei "Hart aber Fair". FOTO: Screenshot ARD

Einig sind sich alle in der Runde, dass extreme Diäten außer Jojo-Effekten nichts bringen, sondern vielmehr schädlich sind. "Sich im Körper wohlzufühlen ist wichtig", sagt die Wissenschaftlerin Margareta Büning-Fesel. Sie plädiert für kontrollierte langsame Gewichtsabnahme wenn Menschen Kilos verlieren wollen.

Selbst zehn Kilogramm in zehn Wochen abzuspecken, ist ihrer Ansicht nach zu schnell. "Unser Körper hat in der Hinsicht Steinzeitgene", erklärt sie, weshalb eine behutsame Umstellung wirksamer sei. Krankenkassen-Chef Jens Baas schlägt in die gleiche Kerbe: Medizinische Aspekte dürfe man nicht mit überzogenen Schönheitsidealen verwechseln.

Da spricht er Sachs aus der Seele: "Mir wäre mein Übergewicht wurscht, wenn ich nicht gesundheitliche Folgen befürchten würde." Nach einer radikalen Paleo-Diät, während der er vor allem Fleisch und Fisch ass, wurde der Schauspieler dünner, nahm aber die verlorenen Kilos rasch wieder zu. Jetzt hat er sich für ein einjähriges Ernährungsprogramm angemeldet, mit dem er seine Lebensweise allmählich umstellen will.

Nach der Pizza die Werte analysieren

Dann interviewt Plasberg einen "digitalen Gesundheitsberater": Florian Schumacher ist einer, der seinen Lebenswandel komplett unter Kontrolle hat. Diverse digitale ‘Tracker' und Messgeräte verraten ihm rund um die Uhr, wie es um seine Körperfunktionen bestellt ist. Er checkt nicht nur Kalorienverbrauch, Schrittzahlen, Schlafeffizienz und Herzfrequenzen, sondern auch sein Insulin. Dazu macht er regelmäßig Laborteste, um eventuelle Krankheitsbilder auszuloten und lebt den Werten entsprechend.

Sein Ziel: gesund altern und sein Leben optimieren. Plasberg möchte wissen, wie bei dem extrem kontrollierten Schumacher ein romantischer Abend mit seiner Freundin aussieht. "Wir gehen zu unserem Lieblingsitaliener, trinken Rotwein und essen Pizza", sagt Schumacher. "Und anschließend analysieren wir zuhause die Werte." Für Plasberg geht Romantik anders. Aber Florian Schumacher versichert ihm: Für ihn sei das ideal, Hobby und Beruf passten perfekt zusammen.

Ist das eigene Gewicht Privatangelegenheit?

Baas, der seine Schritte auch von seiner digitalen Uhr zählen lässt, erklärt, wie die Techniker Krankenkasse (TK) ihre Kunden mit Bonus-Punkten unterstützt, wenn sie etwas für ihre Gesundheit tun. Die Erfolgsdaten der Kunden müssten seiner Ansicht nach jedoch an sicherer Stelle verwahrt werden und dürften nicht bei Apple oder Google landen. Er betont, Bonus-Punkte bedeuteten keine unterschiedlichen Tarife für Dicke und Dünne.

Schauspieler Sachs sieht Kontrolle und Belohnung durch Kassen skeptisch. Er glaubt nicht daran, dass es Menschen mit Übergewicht dabei helfe abzunehmen, wenn sie durch höhere Kosten bestraft würden.

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Plasberg bringt am Ende etwas ernsthaften Hintergrund in die sonst eher heitere Runde: Er erinnert daran, dass laut Weltgesundheitsorganisation jene Menschen, die nicht Hunger leiden, immer dicker werden. Frankreich, Dänemark, Ungarn und Mexiko wollen daher eine Zuckersteuer einführen, etwa auf nachträglich gesüßte Getränke. Die gesetzlichen Kassen haben sich jedoch gegen eine solche Steuer positioniert, TK-Chef Baas ist es auch.

Die Erfahrung mit Alkopops lehre, man werde nicht zum Nachdenken angeregt, sondern zahle lediglich mehr. "Immer alles regulieren zu müssen, ist nicht der richtige Weg", sagt Baas. Überzeugen und aufklären sei seiner Ansicht nach besser.

Auch Angelina Kirsch will sich nichts verbieten lassen: "Ich liebe das Leben und liebe nun mal Genuss", sagt das Model. Es würde sie unglücklich machen, wenn man ihr dieses Lebensgefühl nehmen würde.

Hier können Sie die Sendung online sehen.

 
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