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Lauterbach bei Markus Lanz
"Ich halte den Koalitionsvertrag für lebendig und gut"

Karl Lauterbach (SPD) bei Markus Lanz: "Ich halte den Koalitionsvertrag für lebendig und gut"
Der Leverkusener SPD-Abgeordnete Karl Lauterbach. FOTO: um
Leverkusen. Am Sonntag haben 66 Prozent der SPD-Mitglieder für eine große Koalition gestimmt. Am Dienstagabend erklärte Juso-Chef Kevin Kühnert in der ZDF-Talkshow Markus Lanz, warum ihn das Ergebnis enttäuscht hat. Sein Gegenpart: der Leverkusener Bundestagsabgeordnete Karl Lauterbach. Von Peter Clement

Der SPD-Gesundheitsexperte hatte viele Wochen lang für die große Koalition gekämpft und dabei keine Auseinandersetzung gescheut. Er betonte in der Sendung: "Ich halte den Koalitionsvertrag für lebendig und gut", zumal die SPD 70 Prozent ihrer Inhalte dort untergebracht habe. In der Sendung erzählte Lauterbach zudem, wie er den Widerstand der Basis erlebt hat.

In einer kleinen Runde mit Leverkusener Journalisten hatte der Harvard-Professor zuvor verkündet, das deutliche Ergebnis der Abstimmung (zwei Drittel Ja-Stimmen gegenüber einem Drittel Ablehnung) habe auch ihn überrascht. Jetzt gehe es aber vor allem darum, die Gegner der Groko in den Erneuerungsprozess der Partei einzubinden.

Drei wichtige Punkte hat Lauterbach dabei ausgemacht: 1. In den vergangenen Jahrzehnten ist nahezu jede Steigerung des Bruttoinlandsproduktes an der Mittelschicht und den ärmeren Menschen im Land vorbeigegangen. 2. Es gibt immer mehr Berufe, die zwar nicht verschwinden, aber angesichts der technischen Neuerungen derart an Bedeutung verlieren, dass sie gesellschaftliche Verlierer produzieren. "Wir werden es nicht, wie befürchtet, mit einer hohen Zahl an Arbeitslosen zu tun haben", vermutet Lauterbach, "sondern mit dem Phänomen, dass die, die Arbeit haben, viel zu wenig verdienen."

Auf diese Herausforderungen müsse die SPD eine Antwort finden - die dürfe aber nicht mehr die klassischen Felder der Genossen betonen, Solidarität, Gemeinsinn, gegenseitige Verantwortung. "Die sozialen Trends der Gegenwart zeigen: Jeder möchte in seiner Einzigartigkeit gewürdigt werden", hat Lauterbach ausgemacht. Daher mache es auch wenig Sinn, wenn die SPD sich als Partei des kleinen Mannes bezeichne: "Das ist unser Anspruch", sagt Lauterbach. "Nur dürfen wir es nicht mehr so nennen, weil niemand mehr der kleine Mann sein will."

Quelle: RP
 
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