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Neue Politik-Sendung mit Klaas Heufer-Umlauf
Die One-Man-Show mit Politikern

Klaas Heufer-Umlauf und "Ein Mann, eine Wahl": One-Man-Show mit Politikern
In seiner neuen Sendung traf Klaas-Heufer Umlauf auch den SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz. FOTO: Claudius Pflug
Düsseldorf. Klaas Heufer-Umlauf, bekannt als ein Teil des ProSieben-Allzweck-Duos Joko und Klaas, macht jetzt auch Politik im Fernsehen. Zur Bundestagswahl interviewt er Deutschlands Spitzenpolitiker. Kann das gutgehen? Von Marlen Keß

In der ersten Folge sind SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz, Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir sowie FDP-Chef Christian Lindner zu Gast. Um es direkt vorweg zu sagen: Es ist sinnvoll, dass sich ProSieben und Heufer-Umlauf auf dem populären ehemaligen "Circus HalliGalli"-Sendeplatz mit Politik auseinandersetzen. Aber gut gemeint ist eben nicht immer gut gemacht. Ob diese Show dazu taugt, junge Menschen an die Urne zu bringen, bleibt nach der ersten Folge fraglich. 

Dreierlei Klaas  

In eine Stunde werden nämlich nicht nur die drei Interviews gepackt, sondern auch noch ein Gespräch mit dem Vorsitzenden der Bild-Chefredaktion, Julian Reichelt, eines mit Ärzte-Schlagzeuger Bela B. sowie Zwischenspieler, in denen etwa Autorin Ronja von Rönne und Publizist Jakob Augstein etwas sagen dürfen. Dazu immer wieder im Bild: der dreifache Klaas. Es gibt Heufer-Umlauf nämlich einmal eher links (mit rotem Pulli), einmal eher konservativ (mit schwarzem) und einmal so dazwischen (in grau). 

Das Trio wohnt in einer Loft-WG und diskutiert zwischendurch immer mal wieder mit sich selbst, zum Beispiel über die Interviews mit den Gästen. Damit soll wohl der Verdacht der sozialdemokratischen Vorteilsnahme (schließlich ist Heufer-Umlauf bekennender SPD-Wähler und -Wahlkämpfer) ausgeräumt werden, und zumindest versucht werden, ein politisches Spektrum abzubilden. 

Fotos: Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl 2017 FOTO: dpa, mkx vge

Doch das zündet nicht wirklich, zu hölzern wirken die Dialoge oft. Und auch die immer wieder eingestreuten Gags funktionieren selten. Negativbeispiel: Heufer-Umlauf ruft statt Martin Schulz den Sänger und Moderator Olli Schulz an. (Haha!) Manchmal blitzt die eigentlich gute Idee, eine aufgelockerte Politiksendung zu machen, dann zwar auf  - etwa als Heufer-Umlauf die Anmoderation probt und selbst merkt, dass das nicht "die wichtigste Wahl aller Zeiten" ist, sondern dass eben jede Wahl wichtig ist - insgesamt bleibt so aber zu wenig Zeit für die einzelnen Sendungsteile.

Kaum kritische Fragen

Und auch die Interviews wirken beliebig, zwischendurch fast hölzern. So kann Martin Schulz zwar etwas zu seinem Kernthema Bildung erzählen, Kanzlerin Angela Merkel attackieren ("sie handelt nicht") und trotz schlechter Umfragewerte von "keiner Resignation" sprechen - tiefgehend wird das Gespräch jedoch zu keinem Zeitpunkt. Eine vertane Chance. Heufer-Umlauf bohrt zu wenig nach, wechselt zu oft das Thema. 

Ähnlich sieht das auch in den anderen Gesprächen aus. Julian Reichelt von der "Bild" wird zwar zur "Refugees welcome"-Kampagne der Zeitung befragt - nicht aber zu Schlagzeilen wie "Asyl-Schwindlerin darf in Deutschland bleiben" oder "Asyl-Versager vom Dienst". Christian Lindner wird im gelben Sportwagen abgeholt, über liberale Floskeln geht dieses Gespräch aber leider nicht hinaus. Ein Beispiel: "95 Prozent der deutschen Wirtschaft sind sauber und die politische Linke kriminalisiert die Wirtschaft, um Stimmen zu fangen."

Porträt in Bildern: Das ist Martin Schulz FOTO: rtr, STN

Cem Özdemir hat derweil nur fünf Minuten Zeit, bekommt darin aber immerhin die große Bedeutung des Klimawandels unter - und Ronja von Rönnes, Jakob Augsteins und Bela B.s Auftritte bleiben bloße Randerscheinungen. 

Zu viel gewollt 

Und so bleibt der Zuschauer hinterher etwas ratlos zurück - eine Wahlhilfe war das jedenfalls noch nicht. Es wirkt, als hätten die Macher und auch der Moderator zu viel gewollt, zu sehr den Spagat zwischen Spaß und Ernst bemüht. Das gelingt leider zu selten, die Interviews und damit die gesamte Sendung bleiben oberflächlich. 

Positiv zu bewerten ist trotzdem, dass ProSieben überhaupt eine Polit-Sendung zeigt, dass sich ein beim jungen Publikum so beliebter Moderator wie Klaas Heufer-Umlauf an ein neues Konzept traut. Doch eine gute Idee macht eben noch keine gute Sendung - auch wenn gilt: Besser eine Polit-Sendung wie "Ein Mann, eine Wahl" als gar keine.

Etwas weniger Klaas und etwas mehr Tiefgang könnten es in der kommenden Woche allerdings schon sein. 

 
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