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Langenfeld
Langenfeld huldigt dem Dschungelkönig

Fotos: Dschungelcamp 2016: Menderes Bagci gewinnt Finale
Fotos: Dschungelcamp 2016: Menderes Bagci gewinnt Finale FOTO: RTL/Stefan Menne
Langenfeld. Düsseldorf hat Heine, Monheim hat Ulla Hahn. Und Langenfeld? Hat seit Samstagabend Menderes Bagci. Seit seiner Krönung zum RTL-Dschungelkönig ist der 31-Jährige der bekannteste Langenfelder. Von Thomas Gutmann

Ach was: der einzige Langenfelder überhaupt, dessen Prominenz über A3, A59, Burbach und Schnepprath hinausreicht. Vorher gab es laut Wikipedia-Liste "bekannter Söhne und Töchter der Stadt" nur Cora Schumacher. Und Jürgen Kohler. Aber der ist gar nicht der Fußball-Weltmeister von 1990, sondern ein "deutscher Rechtswissenschaftler", Jahrgang 1953.

Fotos: Dschungelcamp 2016: Das große Wiedersehen der Kandidaten FOTO: RTL/Stefan Menne

Für alle, die es noch nicht mitbekommen haben wollen und es natürlich erst recht nicht mit eigenen Augen gesehen haben: Menderes wurde von den Zuschauern der RTL-Fernsehsendung "Ich bin ein Star - holt mich hier raus!" (Dschungelcamp) mit "überwältigender Mehrheit" (dpa) zum Dschungelkönig gewählt. Für den Unterhaltungskünstler, der im Prinzip nichts kann, das aber auf eine sympathische Weise, stimmten 81,11 Prozent. Die Düsseldorfer Rotlichtgrößengattin Sophia Wollersheim (28) kam als letzte von elf Konkurrenten auf 18,89 Prozent. Bis zu zwei Wochen lang hatten sich die zwölf in Australien durch Ekelprüfungen hangeln und dabei Mensch bleiben müssen. Menderes etwa musste in Kakerlaken baden und sich durch Fischabfälle wühlen. Das Finale sahen 8,6 Millionen TV-Zuschauer. Von denen, die am Samstagabend in Deutschland Fernsehen guckten, war jeder dritte dabei.

Prominenter geht's kaum, für den Augenblick jedenfalls. Die Stadt Langenfeld plant dennoch keine Party für ihren großen Sohn. "Ich habe mich gefreut, dass er gewonnen hat", sagt Bürgermeister Frank Schneider (52). "Aber lassen wir die Kirche im Dorf: Es war eine Spielshow." Nicht mal ein Glückwunschschreiben will der Stadthäuptling aufsetzen. Nach einer Straßenumbenennung oder einem Denkmal wagt man ihn nach dieser Auskunft gar nicht mehr zu fragen. Aber "Standortbotschafter", das könnte Menderes doch werden? Er wäre der zehnte dieser Art nach verdienten Persönlichkeiten wie Gerhard Witte oder Johannes Sühs. Schneider, der von Menderes' Triumph am Sonntagmittag während der RKV-Herrensitzung erfuhr, kann sich auch dies leider "nicht vorstellen". Schließlich handele es sich bei den Botschaftern um Leute, die "etwas für Langenfeld bewirkt haben".

Fotos: Dschungelcamp 2016: Ergebnisse der Dschungelkönig-Umfrage unserer Leser FOTO: RTL/Stefan Menne

Keine Feier? Manuel Ayam (45) findet das schade. "Wir selbst haben kurz überlegt, eine Willkommensparty für ihn zu organisieren, aber das hätten wir so schnell nicht stemmen können", sagt der Chef vom "Musik" an der Schneiderstraße. Aufgetreten ist Menderes in der Disko noch nie - obwohl er seit Jahren durch Partykeller und Vereinsheime tingelt, um seinen Status als schmerzloser Casting-Kandidat bei "Deutschland sucht den Superstar" (DSDS, ebenfalls RTL) zu versilbern. Dem Vernehmen nach soll er zuletzt etwa 2000 Euro pro Auftritt eingestrichen haben - eine Art Entschädigung für die bei Dieter Bohlen erlittenen Demütigungen ("singendes Schleudertrauma", "Euterschwellung", "Scheiß hoch hundert" etc.). 2000 Euro - das dürfte jetzt nicht mehr reichen. "Musik"-Geschäftsführer Ayam will sich dennoch um einen Auftritt bemühen: "Andere Promis sind auch nicht billig. Hier hätten wir sogar einen grundsympathischen Langenfelder!"

Und eventuell bald einen Buchautor. Denn Menderes hat angekündigt, sein Leben aufzuschreiben. Bis auf die Lebensjahre vier bis zehn verbrachte er es überwiegend in Langenfeld. Der Sohn türkischer Einwanderer litt nach eigenem Bekunden unter der Scheidung seiner Eltern. Nach Abschluss der Gutenberg-Realschule machte er eine Lehre als Tankwart. Buchhändlerin Hiltrud Markett (53) hieße ihn gerne zu einer Lesung willkommen: "Ich habe ihn regelmäßig mit seinem Bonanza-Rad wie irre über die Hauptstraße pesen sehen", sagt die bekennende "Dschungelcamp"-Guckerin. "In der Sendung hat er gezeigt, welche positive Entwicklung gerade ein junger Mensch nehmen kann. Er ist ein richtig guter Junge!"

Fotos: Dschungelcamp 2016: Ergebnisse der Wer-soll-raus-Votings unserer Leser FOTO: RTL
Quelle: RP
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