| 06.26 Uhr

TV-Nachlese ZDFzeit
Auf der Jagd nach versteckten Zuckerbomben

So viel Zucker steckt in Lebensmitteln
So viel Zucker steckt in Lebensmitteln
Düsseldorf. Jeder Deutsche isst im Durchschnitt 32 Kilogramm Süßigkeiten pro Jahr. Doch wie viel Zucker nehmen wir wirklich zu uns? TV-Koch Nelson Müller hat für das Magazin ZDFzeit Marken und Discounterware verglichen – und entlarvt Zuckerbomben am Frühstückstisch. Von Jessica Balleer

Der Preis: Qualität trotz Discount
Wo lässt sich beim Süßigkeitenkauf Geld sparen? Nelson Müller und seine Tester haben Butterkekse, Schokoröllchen und klassische Kaffeekränze verglichen. Optisch unterschieden sich teure Markenprodukte und Discounterangebote kaum. Auch geschmacklich fanden die Tester keine Unterschiede. Preislich unterschieden sie sich jedoch um bis zu 40 Prozent – zugunsten der No-name-Produkte. Die Qualität aber ist identisch, sagten viele der Hersteller. "Wir fertigen große Mengen für den Discount, darum ist das Produkt hier günstiger." Den Geschmackstest bei den Doppelkeksen gewann sogar der günstigste Keks. Müllers Tipp: Sparen kann, wer No-name-Produkte kauft, weil die Qualität nahezu identisch ist. Wer trotzdem das Markenprodukt favorisiert, kann beim Einkauf im Discounter bis zu 35 Prozent günstiger einkaufen.

Die Inhaltsstoffe: Das Auge isst mit
Sorbit, Farbstoff, Sirup: Welche Inhaltsstoffe in Süßigkeiten enthalten sind, haben Müller und das ZDF an einem Düsseldorfer Gymnasium vorgestellt. Ein Produktentwickler zeigte, dass außer Puderzucker nur Kunststoffe, Harze und Chemikalien in Kaugummis enthalten sind. Die Forscher entlarvten eine Falle der bunten Süßigkeiten: Bei der blinden Gummibärchen-Verkostung zeigte sich, dass der Geschmack nicht nur auf der Zunge, sondern vor allem über den Farbeindruck entsteht. Die Tester konnten die Farbe der Gummibärchen nicht "erschmecken". Das in Süßigkeiten enthaltene, umstrittene Palmöl sollte man mit Vorsicht genießen. 60 Millionen Tonnen pro Jahr werden eingesetzt, zwei Drittel davon in Süßigkeiten. Wer nachhaltig naschen will, sollte auf das "RSPO"-Label achten.

Der Geschmack: Ritter Sport siegt
Für den Dortmunder Chocolatier Manfred Glatzel enthält gute Schokolade drei Zutaten: "Kakaobohnen, Zucker und Milchpulver, mehr nicht", sagt er. Doch in vielen Schokoladentafeln sind so genannte "Gebrauchsbohnen" verarbeitet, die günstiger für die Hersteller sind. Um deren geschmacklichen Nachtteil auszugleichen, werden Fette und Emulgatoren zugefügt. Während der Chocolatier 4,80 Euro pro Tafel verlangt, gibt es das "braune Gold" im Supermarkt bereits für unter einem Euro. Und der Geschmack? Die ZDF-Tester verkosteten fünf verschiedene 30-prozentige Schokoladen: Alpia (0,69 Euro), Milka (1,09), Ritter Sport (0,99), Aldi (0,65) und Lindt (1,59 Euro). Gewinner war die Ritter Sport, Platz 2 belegte Lindt (die teuerste) und Schlusslicht war Alpia.

Die Ehrlichkeit: Viele Fallen für Kinder
Eltern sollten beim Kauf vor allem nach einem Wert schauen: dem Zucker. Die "Kinder Schokolade" beispielsweise besteht mit 6,7 Gramm Zucker pro Riegel aus 50 Prozent Zucker. Laut "Foodwatch" sei das Marketing der Industrie eine große Falle für Kinder. Beispielsweise gezuckerte Joghurts würden angepriesen, als seien sie ein guter Start in den Tag. Der Test im Einkaufszentrum zeigte es: Im Kühlregal, bei den Getränken oder beim Müsli fanden sich die "Zuckerbomben". Kindgerecht sei das laut Foodwatch nicht, weil 90 Prozent der Produkte, die mit Hilfe von Comics und Spielzeugbeilagen vermarktet werden, "zu fettig, zu salzig und zu süß" seien. Für die Ehrlichkeit verlieh das ZDF nur zwei Sterne von fünf an die Hersteller.

Die Gesundheit: 25 Gramm Zucker pro Tag
Wie viel Süßes darf man sich denn nun gönnen? Laut der Weltgesundheitsbehörde (WHO) sollten Erwachsene maximal 25 Gramm Industriezucker pro Tag essen. 12,5 Gramm sind die Empfehlung für Kinder. Umgerechnet hieße das: Pro Tag ein halbes Paket Vollkornkekse, ein Paket Mikrowellenpopcorn oder zwei Tafeln dunkle Schokolade (85%). Doch die Realität sieht anders aus, denn Deutsche essen 36 Kilo pro Kopf und Jahr, also 100 Gramm pro Tag, weil viele versteckte Zucker in verarbeiteten Lebensmitteln enthalten sind. Das beginnt bereits beim Frühstück, wo der gezuckerte Fruchtjoghurt (15 Gramm) oder das gut geschmierte Marmeladenbrötchen (zehn Gramm) den Start in den Tag begleiten.

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