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Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck
"Leben in Überflussgesellschaft schreit zum Himmel"

Overbeck: "Leben in Überflussgesellschaft schreit zum Himmel"
Franz-Josef Overbeck sprach mit unserer Redaktion. FOTO: dpa, cas cul
Düsseldorf. Die Umwelt-Enzyklika von Papst Franziskus hat weltweit heftige Reaktionen ausgelöst. Klimaschützer und Wissenschaftler fühlen sich bestätigt, Wirtschaftsvertreter und konservative Zweifler am Klimawandel kommen schlecht weg. Wir sprachen mit Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck über die Enzyklika. Von Lothar Schröder

Hat Sie das Thema der Enzyklika überrascht?

Overbeck Das Thema Schöpfung passt gut zur Verkündigung von Papst Franziskus, der ja sehr in der Nachfolge seines Namenspatrons steht - also des heiligen Franziskus - und die Weltzusammenhänge betont. Der Dreiklang "Gott, Mensch und Schöpfung" passt da bestens hinein. Zudem steht der Weltklimagipfel von Paris vor der Tür, von daher ist die Enzyklika auch strategisch gut platziert, wenn sich die Katholische Kirche dazu jetzt profiliert äußert.

Die Enzyklika nimmt auch die Haltung des postmodernen Menschen in den Blick…

Overbeck Wir müssen lernen, dass alles miteinander verbunden ist. Mit den Herausforderungen durch soziale Ungerechtigkeiten wächst auch die ökologische Verantwortung. Es geht Papst Franziskus um eine Art integrale Ökologie. So hat der Klimawandel auch - was uns erst in den vergangenen Jahren klar geworden ist - soziale, wirtschaftliche und politische Dimensionen, die der Papst benennt. Dabei stehen wir vor der Herausforderung, dass wir globale Probleme letztlich nur gemeinsam lösen können - wobei ich im Moment noch nicht weiß, wie die vom Papst geforderte globale Regierungsmacht funktionieren soll; ich sehe aber, dass sie notwendig sein wird.

Vor einer zentralen Gewalt kann man aber auch Angst haben.

Overbeck In der Tat, weil dann auch die Gefahr der Hybris wächst und niemand weiß, wie man sie kontrollieren kann. Solche Formen haben wir ja schon kennengelernt. Nicht umsonst steht zu Beginn der Bibel die Geschichte von Babylon und dem Turm, der einstürzt. Das sei uns eine Warnung.

Bei der Energieverschwendung meint Papst Franziskus natürlich auch uns und unsere Lebensweise.

Overbeck Das Leben in der Überflussgesellschaft schreit ja zum Himmel - in allen Bereichen: von der Stromversorgung bis zum Wasserverbrauch. Und wenn man sich nur einmal auf den Straßen umschaut: Viele sitzen allein in ihrem Auto. Ein solches Verhalten ist ökologisch sicher sehr bedenklich.

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