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"ePortfolio"
Lerntagebuch führt zum Studien-Erfolg
Lernen ohne Frust
Lernen ohne Frust FOTO: dpa, Armin Weigel
Düsseldorf. Auf kurz oder lang werden Studenten ihrem Wortschatz einen neuen Begriff hinzufügen müssen – wenn sie ihn nicht schon verinnerlicht haben: "ePortfolio". Von Bertram Müller

Dabei handelt es sich um digitale Sammelmappen, mit denen die Studierenden ihren Lern- und Arbeitsprozess dokumentieren, reflektieren und präsentieren können. An der Universität Düsseldorf hat man mit dieser Methode schon Erfahrung. Die Abteilung für Bildungsforschung und Bildungsmanagement von Professor Heiner Barz bietet bereits seit 2010 Trainings zur Arbeit mit ePortfolios an. Auch zu Prüfungszwecken ist dieses Verfahren dort probehalber schon eingesetzt worden.

Was in der Schweiz, in Australien, Österreich, Neuseeland und in den Vereinigten Staaten bereits weit verbreitet ist, wird in Deutschland erst allmählich bekannt. "Hochschulen sind sehr veränderungsresistent", so erklärt Barz die Verzögerung hierzulande. Es gebe nicht nur eine allgemeine Technikfeindlichkeit; manche Studierende fürchteten zudem, dass andere von ihnen abschreiben könnten, wenn ihre Arbeiten per ePortfolio für all jene sichtbar sind, denen sie elektronischen Zugang gewähren.

Abschlussarbeit als ePortfolio

Im Idealfall begleitet ein Studierender sein gesamtes Studium mit Dokumentationen – wobei die Ausarbeitungen über reines Dokumentieren hinausgehen in Richtung Vertiefung, Aufarbeitung und Anreicherung des Stoffs mit Hilfe von Grafiken oder Video-Aufzeichnungen. Im Übrigen lässt sich per ePortfolio auch eine Abschlussarbeit erstellen. So kann der Professor, die Professorin am Ende eines Semesters anhand der Portfolio-Unterlagen auch ein Urteil über die Leistungen des Studierenden fällen. Wenn der Student sein Examen hinter sich hat und sich bewerben will, kann er erneut auf seine Unterlagen zurückgreifen.

Klugerweise wird er möglichen Arbeitgebern nicht seine gesammelten Dokumentationen aus zehn Semestern schicken, sondern jene Kapitel auswählen, die belegen, dass er sich bereits mit Themen auseinandergesetzt hat, die für die in Betracht kommende Stelle wichtig sind. Außerdem kann sich der Arbeitgeber mit Hilfe des Portfolios einen Eindruck von der Arbeitsweise des Bewerbers verschaffen.

Barz und sein Team leisten auf dem Gebiet ePortfolio Pionierarbeit, indem sie ein EU-Forschungsprojekt koordinieren – das einzige EU-Projekt der Philosophischen Fakultät der Heine-Uni. Partner sind Forscher aus Russland, Frankreich und Estland. Die Europäische Union wertet das ePortfolio als "zeitgemäßes Instrument, das traditionelle Bewerbungsunterlagen aufwertet". Auf diese Weise lasse sich die Mobilität von Bewerbern auf dem europäischen Arbeitsmarkt erhöhen.

Längst haben auch Schulen begonnen, Lernleistungen über Portfolios zu dokumentieren. "Schaufenster des Lernens" – das ist eine hübsche Beschreibung dieses neuartigen Verfahrens. Vielleicht wird es schon bald zum Standard.

Quelle: anch
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