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Genf/Aleppo
Aleppo hungert

Genf/Aleppo. Das syrische Regime blockiert die Lieferung von Lebensmitteln in die umkämpfte Stadt. Von Jan Dirk Herbermann

Die humanitäre Katastrophe im Osten Aleppos spitzt sich weiter zu. Noch immer warten die Vereinten Nationen (UN) auf das grüne Licht des Assad-Regimes, um die verzweifelten Menschen in dem belagerten Teil der syrischen Stadt mit Hilfsgütern zu versorgen. "Es ist keine Nahrung der UN mehr übrig", betonte der Berater der Vereinten Nationen für die humanitäre Lage in Syrien, Jan Egeland, gestern in Genf. Den 275.000 Bewohnern in dem Gebiet, das von Assad-Truppen umzingelt ist, droht Egeland zufolge der schlimmste Winter in dem seit mehr als fünfeinhalb Jahren tobenden Syrien-Konflikt.

Es gebe keine Milch für Kinder, keine Lebensmittel für alte Menschen, im Osten der Stadt kein einziges Krankenhaus mehr, sagte Abdulrahman al Mawwas, Mitarbeiter der in Syrien tätigen Hilfsorganisation "Weißhelme", im ZDF-"Morgenmagazin". Verletzte könnten oftmals nur noch auf den Tod warten.

Die letzten Rationen wurden Mitte November in Ost-Aleppo verteilt - dennoch verweigert die Führung um Machthaber Baschar al Assad hartnäckig die nötigen Genehmigungen und Sicherheitsgarantien für humanitäre Konvois: "Wir warten auf das grüne Licht", erklärte Egeland. Russland, das mit Assad verbündet ist, habe den Transporten im Prinzip zugestimmt.

Auch die Rebellen, die Ost-Aleppo halten, seien mit den Lieferungen einverstanden. Die Oppositionellen sagten ebenso Ja zu Evakuierungen von Verletzten und Kranken, erklärte Egeland. Die Trucks der UN und anderer Organisationen stehen unter anderem in der Türkei bereit. Nahrungsmittel, Medikamente und andere Güter sind auch vorhanden. Die letzten Hilfslieferungen waren Anfang Juli im Osten Aleppos eingetroffen. Insgesamt harren nach Angaben der UN fast eine Million Menschen in belagerten Orten und Gebieten in dem Bürgerkriegsland aus. Die meisten Gebiete sind durch Assad-Einheiten abgeschnitten. UN-Vertreter werfen dem Regime vor, das Aushungern der Menschen bewusst als Waffe in dem Konflikt einzusetzen.

Unterdessen kündigte die Türkei Vergeltung für einen tödlichen Angriff auf türkische Soldaten in Nordsyrien an. "Diese Angriffe werden heimgezahlt werden", sagte Ministerpräsident Binali Yildirim. Nach Angaben der türkischen Armee wurden gestern Morgen in der Region al Bab drei ihrer Soldaten bei einem Luftschlag getötet und zehn weitere verletzt. Die Streitkräfte teilten mit, sie gingen von einem Angriff der syrischen Luftwaffe aus. Die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte dagegen erklärte, der IS sei verantwortlich.

Quelle: RP
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