| 09.26 Uhr

Berlin
Auf diese Grünen kommt es an

Berlin. Die Parteilinken Roth, Trittin und Hofreiter erleben plötzlich Hochkonjunktur. Von Birgit Marschall

Nach seiner Niederlage bei der Urwahl zum Grünen-Spitzenkandidaten im Januar war von Anton Hofreiter im Bundestagswahlkampf nicht mehr viel zu sehen. Der Fraktionschef hielt sich zurück - und überließ Parteichef Cem Özdemir die Bühne, der den Mitgliederentscheid knapp vor Schleswig-Holsteins Umweltminister Robert Habeck und mit großem Abstand vor Hofreiter gewonnen hatte. Doch nach der Wahl steht der promovierte Biologe plötzlich wieder mit im Rampenlicht: Auf ihn kommt es an bei den Jamaika-Sondierungen.

Neben Hofreiter sind noch zwei weitere Parteilinke entscheidend, die eigentlich schon abgedankt hatten: Claudia Roth, die frühere Grünen-Vorsitzende, und Jürgen Trittin, Hofreiters Vorgänger an der Spitze der Bundestagsfraktion.

Die Grünen sollen in ein Bündnis mit zwei bürgerlichen Parteien gehen - das ist für viele Mitglieder und Delegierte an der Basis eigentlich ein No-Go. Doch wenn Hofreiter, Roth und Trittin als einflussreichste Parteilinke auf dem nächsten Grünen-Parteitag nach den Sondierungen für die Aufnahme von echten Koalitionsverhandlungen werben, dann dürften ihnen auch die Skeptiker an der Parteibasis folgen - so das Kalkül der Jamaika-Strategen.

Innerhalb der Dreier-Gruppe sind die Rollen aufgeteilt: Trittin gibt den Bad Guy, den bösen Jungen, Hofreiter den Good Guy, den Gutmeinenden - und Claudia Roth die graue Eminenz der Linken in der Mitte. Trittin treibt die Preise der Grünen für Union und FDP in die Höhe. Hofreiter hingegen sorgt dafür, dass die Stimmung trotzdem nicht kippt.

Der frühere Umweltminister Trittin war zuletzt derjenige, der die potenziellen Koalitionspartner am meisten mit Gegenpositionen aufscheuchte. Der 63-Jährige ist dabei glaubwürdig, denn er ist gut vernetzt und hat nichts zu verlieren: In der Koalition ist für ihn kein Posten vorgesehen. Ohne ihn wird es kein Jamaika geben, weiß auch Merkel.

Als Bundestagsvizepräsidentin, die sie bleiben will, wenn sie nicht Ministerin wird, hält sich Roth dagegen mit Provokationen zurück. Doch vor allem in der Flüchtlingsfrage wird an ihr kein Weg vorbeigehen. Roth und Hofreiter könnten am Ende vermitteln müssen. Er versteht sich ohnehin als Chef aller Grünen-Abgeordneten - Parteilinken wie Realos.

Quelle: RP
 
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