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Terrormiliz droht mit neuen Angriffen
Bürger-Journalisten lokalisieren IS-Anhänger in Europa

Hintergrund: Islamisten-Netzwerke in Deutschland
Hintergrund: Islamisten-Netzwerke in Deutschland
Brüssel. Die Terrormiliz IS hat den USA und Europa in einer Audiobotschaft mit neuen Angriffen gedroht. Derweil haben das Recherchekollektiv Bellingcat und User im Netz IS-Anhänger in Europa lokalisiert, nachdem diese Fotos europäischer Städte veröffentlich hatten.

In der Audiobotschaft werden die Anhänger der Extremistengruppe aufgerufen, im Anfang Juni beginnenden Fastenmonat Ramadan Anschläge zu verüben. Die Botschaft wurde am späten Samstagabend im Internet verbreitet, sie stammt offenbar von IS-Sprecher Abu Mohammed al-Adnani.

Nach einem Bericht des internationalen Recherchekollektiv Bellingcat hatten zudem zahlreiche Anhänger des IS in den sozialen Netzwerken Bilder veröffentlicht, auf denen Ansichten von wichtigen europäischen Städten zu sehen sind sowie Botschaften zur Unterstützung der Terrormiliz. 

Zahlreiche Twitter-Nutzer haben demnach im Laufe des Samstags versucht ausfindig zu machen, wo genau die Fotos entstanden sind. So zeigte ein Anhänger ein Foto aus Münster, wie eine Journalistin von Al Aan TV bei Twitter zeigte.

Ein anderes Foto zeigt laut Bellingcat-Gründer Eliot Higgins einen Ort in den Niederlanden.

Auf diesem Bild soll Köln zu sehen sein.

Die Veröffentlichung der Bilder dürfte im Zusammenhang mit der Audiobotschaft stehen, heißt es vonseiten des Recherchekollektivs.

In der etwa 30 Minuten langen Botschaft versuchte der IS-Sprecher zugleich, die Moral der IS-Kämpfer zu heben. Selbst wenn der IS die Kontrolle über seine Hochburgen Mossul im Irak, Sirte in Libyen oder Raka in Syrien verlieren sollte, wäre dies keine Niederlage, sagte al-Adnani. "Eine Niederlage ist es nur, wenn wir die Überzeugung und den Willen zum Kampf verlieren."

Die radikalsunnitische Organisation hatte im Sommer 2014 weite Regionen vor allem des Irak und Syriens erobert; im Irak stießen die IS-Kämpfer auf wenig Widerstand der Sicherheitskräfte, in Syrien nutzten sie das durch den Bürgerkrieg entstandene Chaos aus. In den von ihnen eroberten Gebieten riefen sie ein Kalifat aus und verübten Gräuel an der Zivilbevölkerung. Zudem verübten Anhänger des IS Anschläge unter anderem in den USA und in Europa.

BKA geht von knapp 500 Gefährdern aus

Die Zahl gefährlicher Islamisten in Deutschland hat sich einem Zeitungsbericht zufolge deutlich erhöht. Das Bundeskriminalamt (BKA) zähle derzeit bundesweit 497 Menschen mit extremistischen Einstellungen, von denen eine Terrorgefahr ausgehe, berichtet die "Welt am Sonntag".

Damit habe sich die Zahl der potenziellen Attentäter innerhalb eines Jahres stark erhöht, schreibt das Blatt weiter. Im Januar 2015 hätten die Behörden noch rund 270 Islamisten als "Gefährder" eingestuft.

Zu den sogenannten Gefährdern hinzu kommen den Angaben zufolge derzeit noch 339 weitere Islamisten, die als "Relevante Personen" eingestuft werden. Dabei handele es sich um Extremisten, die als mögliche Helfer und Sympathisanten von Terroristen gelten.

(das/AFP)
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