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Gewalt in Israel
Drei Tote bei Schießerei in Busbahnhof in Berscheba

Jerusalem: Gewalt zwischen Israelis und Palästinensern eskaliert weiter
Jerusalem: Gewalt zwischen Israelis und Palästinensern eskaliert weiter FOTO: ap
Jerusalem/Washington . Während die israelische Polizei wegen der anhaltenden Gewaltausbrüche zwischen Palästinensern und Israelis in Ost-Jerusalem am Sonntag mit dem Bau einer weiteren Mauer begonnen hat, sind bei einem Angriff in einem Busbahnhof der Stadt Berscheba drei Menschen getötet worden.

Bei den Opfern handelte es sich um den Attentäter, einen Soldaten und einen Mann, der irrtümlich für ein weiterer Angreifer gehalten und ebenfalls erschossen wurde. Elf weitere Menschen - vier Soldaten und sieben Zivilisten - seien am Sonntagabend verletzt worden, teilte die Armee mit. Zuvor waren am Wochenende bei Messerattacken auf Israelis fünf Angreifer getötet worden, darunter eine Frau.

Ungeachtet der andauernden Spannungen um den Tempelberg lehnt Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu eine internationale Aufsicht des Plateaus in Jerusalem ab. Der Streit um die für Juden wie Muslime heilige Stätte gilt als Mitauslöser der jüngsten Serie der Gewalt zwischen Israelis und Palästinensern.

Nach Polizeiangaben verschaffte sich der bewaffnete Attentäter in Berscheba trotz erhöhter Sicherheitsmaßnahmen Zugang zu dem Busbahnhof. Dort habe er sich zusätzlich das Gewehr eines Soldaten geschnappt. Nach einem Feuergefecht mit Sicherheitskräften sei er erschossen worden, als er flüchten wollte. Auch ein Soldat kam nach Armeeangaben ums Leben.

Ein zunächst als zweiter Attentäter verdächtiger Mann aus Eritrea sei von einem Wachmann angeschossen worden, teilte die israelische Polizei am Abend weiter mit. Der Zeitung "Haaretz" zufolge starb er an seinen Verletzungen.

Zuvor waren am Samstag bei einer neuen Serie von Messerangriffen auf Israelis in Jerusalem und in Hebron im Westjordanland vier Palästinenser getötet und ein weiterer schwer verletzt worden. Zwei Soldaten erlitten leichte Verletzungen. Nach Angaben des israelischen Rundfunks waren die Angreifer im Alter von 16 bis 18 Jahren. Unter den Tätern war auch eine Frau, die eine israelische Polizistin mit einem Messer angriff und sie leicht verletzte. Die Beamtin erschoss die 17-jährige Angreiferin mit ihrer Waffe.

Seit einiger Zeit verüben Palästinenser verstärkt Messerattacken auf Israelis. Als ein Auslöser gelten Streitigkeiten um den Tempelberg in Jerusalem. Er liegt in Jerusalems Altstadt, die Israel 1967 erobert und später annektiert hatte. Die Verwaltung der Stätte untersteht Jordanien und der islamischen Wakf-Stiftung.

Grundsätzlich dürfen nur Muslime auf dem Tempelberg beten, der aber auch Juden heilig ist. Die Palästinenser befürchten, dass Israel immer mehr Juden eine Sondergenehmigung für Besuche auf dem Areal erteilt und damit die Kontrolle der Muslime über die drittheiligste Stätte im Islam aushebelt. Israel bestreitet dies.

Ein Entwurf Frankreichs für eine Resolution des UN-Sicherheitsrats sieht nach Medienberichten vor, internationale Beobachter auf den Tempelberg (Al-Haram al-Scharif) zu entsenden. Diese sollten nach möglichen Verstößen gegen den Status quo Ausschau halten.

Israels Regierungschef Netanjahu lehnt den Plan kategorisch ab. Israel sei auf dem Tempelberg "nicht das Problem, sondern die Lösung", argumentierte er. US-Außenminister John Kerry will mit Netanjahu voraussichtlich bei einem Treffen in Berlin nach einem Weg aus dem Konflikt suchen. US-Präsident Barack Obama zeigte sich äußerst besorgt über die jüngste Gewalt in der Region.

Zuletzt hatte es erhebliche Spannungen zwischen Washington und Jerusalem über das Vorgehen der Israelis gegen Palästinenser gegeben. Das US-Außenministerium sprach von "exzessiver Gewaltanwendung" und warf beiden Seiten Terrorakte vor. Das Verhältnis von Obama und Netanjahu gilt seit langer Zeit als belastet.

Polizei baut Mauer

Angesichts der jüngsten Gewalteskalation hat die israelische Polizei in Ost-Jerusalem am Sonntag mit dem Bau einer weiteren Mauer begonnen. Die neue Sperranlage zwischen dem palästinensischen Viertel Dschabal Mukaber und dem jüdischen Viertel Armon Hanaziv könnte nach Angaben der Kommunalverwaltung bis zu 300 Meter lang werden. Zunächst wurden sechs Mauerteile von je 2,50 Metern Höhe und zwei Metern Breite aufgestellt. Eine Aufschrift am Sockel der Mauerteilen lautete "vorübergehende mobile Polizeiabsperrung".

Aus dem palästinensischen Viertel heraus waren zuletzt mehrfach Brandsätze und Steine auf das jüdische Nachbarviertel geworfen worden.

(felt/dpa/AFP)
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