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Zeitumstellung
Venezuela dreht wegen Krise an der Uhr

Venezuela stellt wegen Energiekrise die Uhren um
Staatschef Nicolás Maduro ließ die Uhren umstellen FOTO: dpa, lmb ks
Caracas . Seit Sonntag gehört das unter einer Energiekrise leidende Venezuela einer neuen Zeitzone an. Die Idee: Das Land soll von einer halben Stunde mehr Tageslicht profitieren.

Die Mitte April angekündigte Maßnahme ist Teil eines Paketes, um Energie zu sparen. Trotz der schweren Wirtschaftskrise kündigte der sozialistische Staatschef Nicolás Maduro eine Erhöhung des Mindestlohns an.

"Venezuela hat eine halbe Stunde mehr Zukunft", sagte Maduro am Sonntag bei einer Kundgebung zum 1. Mai vor tausenden Anhängern vor dem Präsidentenpalast in der Hauptstadt Caracas. Um Strom zu sparen, wurde die Uhr in Venezuela in der Nacht zum Sonntag um eine halbe Stunde vorgestellt.

Das Land kehrt damit zu der Zeiteinstellung zurück, die bis 2007 galt - sechs Stunden hinter der Mitteleuropäischen Sommerzeit. Damals hatte Maduros Vorgänger Hugo Chávez die halbe Stunde hinzugefügt - mit der Begründung, dann müssten die Kinder nicht mehr im Dunklen zur Schule gehen.

Menschen müssen Strom sparen

Im Zuge der aktuellen Energiekrise wird mittlerweile mit Ausnahme von Caracas fast im ganzen Land täglich der Strom für mehrere Stunden abgestellt. Großverbraucher wie Hotels müssen seit Februar neun Stunden am Tag die Stromversorgung aus eigener Kraft sicherstellen. Einkaufszentren kürzten daraufhin ihre Öffnungszeiten. Staatsbedienstete und Schüler bekamen zusätzliche freie Tage.

In Venezuela herrscht derzeit laut Regierung die schlimmste Dürre seit 40 Jahren. Die Wasservorräte in den 18 Talsperren reichen für die Energieerzeugung nicht aus. Aus Protest gegen die Maßnahmen zur Energieeinsparung gab es in der vergangenen Woche in Maracaibo, der zweitgrößten Stadt des Landes, Ausschreitungen und Plünderungen. In der Stadt leben 1,5 Millionen Menschen.

Mindestlohn erneut erhöht

Am Vorabend des Tags der Arbeit hatte Maduro eine 30-prozentige Erhöhung des Mindestlohns angekündigt. Die Lohnuntergrenze liegt von Mai an bei monatlich 15.051 Bolívares, das entspricht laut offiziellem Wechselkurs 40 Dollar (35 Euro), auf dem Schwarzmarkt aber gerade einmal 14 Dollar.

Zugleich wird der Wert der monatlichen Gutscheine, die in Supermärkten und Apotheken eingelöst werden können, um 40 Prozent auf 18.585 Bolívares heraufgesetzt, wie Maduro in seiner Fernsehansprache sagte. Der Mindestlohn in dem südamerikanischen Land stieg seit Jahresbeginn bereits um 56 Prozent. 2015 gab es vier Erhöhungen, was insgesamt fast einer Verdoppelung entsprach.

Das Ölförderland Venezuela erlebt derzeit eine tiefe Wirtschaftskrise. Die Konjunktur ist auf Talfahrt, die Inflation steigt und die Probleme bei der Versorgung der Menschen mit Alltagsgütern nehmen zu.

(crwo/AFP)
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