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Zwangsräumung
Rom setzt 1000 Flüchtlinge auf die Straße

Zwangsräumung in Italien: Rom setzt 1000 Flüchtlinge auf die Straße
Die Flüchtlinge zeigen ein Banner, auf dem "Wir sind keine Terroristen, wir wollen eine Wohnung" steht. FOTO: dpa, DC hel pat
Rom. Vor vier Tagen haben Behörden ein Wohnhaus mit Flüchtlingen in Rom geräumt. Rund 1000 Menschen kampieren seitdem auf der Piazza Indipendenza und in der Vorhalle einer Kirche.

Erst vier Tage nach der Zwangsmaßnahme verständigten sich die Behörden am Mittwoch auf eine Lösung für den Verbleib der rund 1.000 vor allem aus Eritrea stammenden Menschen. Die Betroffenen kampierten seit der Räumung des Wohnhauses unter freiem Himmel auf der Piazza Indipendenza nahe dem Hauptbahnhof und in der Vorhalle der Kirche Santi Apostoli - unter ihnen Familien mit Kleinkindern, Behinderte und hilfsbedürftige alte Menschen.

Ersatzwohnungen für sechs Monate verlangt

Nach der jetzt getroffenen Vereinbarung solle der Betreiber der geräumten Immobilie umgehend und ohne Kosten für die Stadt Rom Ersatzwohnungen für sechs Monate bereitstellen, teilte die Präfektur der italienischen Hauptstadt mit. Dem Beschluss ging den Angaben zufolge eine "lange und eingehende Debatte" voraus. Präfektin Paola Basilone, Vertreterin des Innenministeriums für Rom, hatte am Mittwoch Vertreter von Ordnungsamt und Polizei, der Region Lazium, der Stadt Rom und der Eigentümergesellschaft zu einem Krisengipfel zusammengerufen.

Zuvor hatten Repräsentanten von sozialen Organisationen und der Kirche die planlose Räumung immer lauter kritisiert. Am Vormittag besuchte Weihbischof Paolo Lojudice, zuständig für Migrationsfragen, die Obdachlosen. Anschließend sprach er laut dem katholischen Pressedienst SIR von "unerträglichen" Zuständen. Die kampierenden Menschen im Zentrum Roms stellten "die gravierenden Probleme vor aller Augen, mit denen wir täglich in anderen Zonen der Stadt zu tun haben".

"Sie wurden auf die Straße gesetzt und wissen nicht wohin"

Die katholische Gemeinschaft Sant'Egidio erklärte bereits Montag, bei den Personen aus dem geräumten Gebäude in der Via Curtatone am Bahnhof Termini handle es sich keineswegs um "Illegale". Praktisch alle besäßen einen amtlichen Status als Flüchtlinge, nicht wenige gingen einer Arbeit nach. Die Räumung, abgesehen davon, dass sie die Zahl der Obdachlosen in Rom erhöhe, schade der Integration dieser Menschen.

Don Mussie Zerai, Seelsorger für eritreische Christen in Rom, sagte angesichts der immer angespannteren Situation, die Polizei rüste sich zur Gewaltanwendung gegen Menschen, denen der italienische Staat Asyl gewährt habe. "Sie wurden auf die Straße gesetzt und wissen nicht wohin", so der Priester laut dem Pressedienst SIR.

Nach Angaben der von Zerai geleiteten Hilfsinitiative "Agenzia Habeshia" lebten in den betreffenden Wohnungen einige Flüchtlinge, die das Bootsunglück vom 3. Oktober 2013 vor Lampedusa mit mehr als 300 Toten überlebt hatten. Roms damaliger Bürgermeister Ignazio Mariano bot ihnen eine Bleibe im Aufnahmezentrum Castelnuovo di Porto an. Nachdem die Verhältnisse dort unerträglich geworden seien, hätten zahlreiche Flüchtlinge sich eine Unterkunft in dem leerstehenden Bürohaus in der Via Curtatone genommen.

(veke/KNA)
 
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