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ARD-Deutschlandtrend
72 Prozent der Deutschen haben kein Verständnis für "Pegida"

Fragen und Antworten zu "Pegida"
Fragen und Antworten zu "Pegida"
Berlin. Der Anschlag auf die Satire-Zeitschrift "Charlie Hebdo" hat Vermutungen aufkommen lassen, dass "Pegida" mehr Zulauf bekommt. Nach dem jüngsten ARD-Deutschlandtrend ist dies aber derzeit nicht der Fall. Im Gegenteil: Die Mehrheit der Deutschen hat kein Verständnis für die Anti-Islam-Bewegung. Dennoch zeigen andere Umfragen, dass viele den Islam kritisch sehen. Von Dana Schülbe

Nach der Bluttat von Paris war es AfD-Bundestagsvize Alexander Gauland, der die "Pegida"-Warnungen vor einer "Islamisierung des Abendlandes" bestätigt sah und damit Kritik auslöste. So warf ihm SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann "politische Hetze" und "politische Brandstiftung" vor. Dass die Anti-Islam-Bewegung durch das Attentat aber mehr Zulauf bekommen könnte, diese Frage steht für viele dennoch im Raum. Im jüngsten ARD-Deutschlandtrend ist davon allerdings noch nichts zu spüren.

In der Umfrage, die einen Tag nach dem Anschlag auf die Zeitschrift "Charlie Hebdo" durchgeführt wurde, wurde gefragt, ob man Verständnis für die "Pegida"-Bewegung aufbringe. Das Ergebnis: 72 Prozent der Befragten sagten Nein, 22 Prozent sagten Ja. Am Montag und Dienstag vor der Bluttat zeigten 21 Prozent Verständnis für "Pegida", 76 Prozent lehnten es ab.

Die Demoskopen des Deutschlandtrends äußerten die Vermutung, dass die Ereignisse in Paris noch zu frisch waren, um tatsächlich Auswirkungen auf das Meinungsbild zu haben. Schon oft habe man festgestellt, dass sich aktuelle Entwicklungen erst mit Verzögerungen in Umfragen bemerkbar machen. Von der Hand ist allerdings nicht zu weisen, dass eine gewisse Sorge vor Anschlägen herrscht.

Spezialeinheiten sind den Tätern von Paris auf der Spur FOTO: dpa, bl mda

Jeder Zweite fühlt sich vom Islam bedroht

So sagten 49 Prozent der Deutschen, dass sie in nächster Zeit auch einen Anschlag in Deutschland fürchten. Genauso viele sagen aber auch, dass sie davor keine Sorge haben. Das Allensbach-Institut wiederum veröffentlichte Zahlen, nach denen 63 Prozent der Bürger glauben, die Gefahr, die von radikalen islamischen Gruppen ausgehe, sei in Deutschland groß. 2006 waren es erst 45 Prozent.

Instituts-Chefin Renate Köcher sagte, der Islam werde generell von der großen Mehrheit kritisch gesehen und in hohem Maße mit Gewaltbereitschaft, Radikalität und Intoleranz assoziiert. Auch eine Umfrage der Bertelsmann-Stiftung vom Donnerstag hatte ergeben, dass sich jeder Zweite vom Islam bedroht fühlt.

"Je suis Charlie" FOTO: dpa

Die Angst, so heißt es in der Sonderauswertung "Islam", sei dort am größten, wo die wenigsten Muslime leben. In Thüringen und Sachsen sind es 70 Prozent, die den Islam fürchten. In Nordrhein-Westfalen, wo jeder dritte Muslim lebt, sind es 46 Prozent. In der Praxis zeigt sich auch, dass die "Pegida"-Bewegung etwa in NRW nur wenig Zulauf hat, in Dresden, wo wenig Muslime leben, holte sie dagegen zuletzt 18.000 Menschen auf die Straße. Entsprechend haben sich auch die Demoskopen vom ARD-Deutschlandtrend mit den Motiven der Demonstranten befasst.

"Pegida"-Anhänger: Kaum Einfluss auf Politik

Dabei zeigt sich, dass das Verständnis für die Anti-Islam-Bewegung umso größer ist, je höher die Unsicherheit bei den einzelnen Personen ist. So meinten 62 Prozent der "Pegida"-Anhänger, dass die Verhältnisse in Deutschland in der Vergangenheit unsicherer geworden seien. Bezogen auf die Gesamtbevölkerung sagten dies nur 42 Prozent.

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Dass die Verhältnisse gleich geblieben seien, sagten 42 Prozent der Befragten, bei den Pegida-Anhängern waren es dagegen nur 20 Prozent, die dieser Aussage zustimmen könnten. Bessere Verhältnisse sehen übrigens 14 Prozent der Gesamtbevölkerung und 15 Prozent der "Pegida"-Anhänger. Laut Deutschlandtrend spiele dabei auch die Sorge um eine Absicherung im Alter und um die Stabilität der Gesellschaft eine wichtige Rolle.

"Pegida" übt scharfe Kritik an Medien und Politik. Dass sich viele Anhänger von der Politik nicht verstanden fühlen, zeigt nun auch die ARD-Umfrage. Demnach sagen 64 Prozent der Gesamtbevölkerung, dass die Bürger kaum Möglichkeiten haben, auf die Politik Einfluss zu nehmen. Unter den "Pegida"-Anhängern sind viel mehr dieser Auffassung – nämlich 85 Prozent.

 
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