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Neben der Nato
EU will sich bei der Verteidigung unabhängiger machen

EU will sich bei der Verteidigung von der USA unabhängiger machen
Die Einsatzgruppen der EU sollen künftig stärker in Bereichen aktiv sein, auf die die Nato keinen Anspruch erhebt. FOTO: rtr, RSS/KB
Brüssel. Selbst wenn dies keine direkte Reaktion auf die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten ist: Die EU-Außen- und Verteidigungsminister verabschiedeten am Montag einen Fahrplan für die Umsetzung erster Projekte.

Darunter ist auch ein "dauerhaftes" Führungszentrum für zivile und militärische Einsätze. Die Pläne bleiben jedoch umstritten und in vielen Bereichen noch vage.

Nach dem Beschluss der EU-Außen- und Verteidigungsminister soll die EU in Zukunft militärisch "schneller, wirksamer und nahtloser reagieren". Ziel ist es, "die weltweite strategische Rolle" der EU zu stärken und ihr im Militärbereich "die Kapazität zu geben, autonom zu handeln".

Nicht mit Nato konkurrieren

Die EU-Außen- und Sicherheitsbeauftragte Federica Mogherini sprach "von einem qualitativen Sprung". Es gehe aber "nicht um eine Europäische Armee" oder der Schaffung eines Hauptquartiers von Nato-Dimensionen, sagte sie.

Die EU habe "starken politischen Willen" gezeigt und eine Reihe konkreter Projekte auf den Weg gebracht, sagte Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU). Sie sah ein mögliches Einsatzgebiet für die EU insbesondere in Afrika, wo die Nato nicht vertreten sei. Mit Trumps Wahl habe die Entscheidung nichts zu tun, sagte die Ministerin. Es sei schon lange "klar, dass Europa mehr Verantwortung auf seine Schultern nehmen muss".

Schon im ersten Halbjahr 2017 will die EU ein "dauerhaftes" Planungs- und Führungszentrums für Auslandseinsätze schaffen. Durch dieses sollen zivile und militärische Einsätze besser miteinander verzahnt werden, auch wenn die Kommandostrukturen voneinander getrennt bleiben. Die Größe des "Hauptquartiers" bleibt aber vorerst offen.

EU-Kampfgruppen für Einsatz vorbereiten

Mehr als ein Jahrzehnt nach ihrer Gründung will die EU nun unter anderem ihre Kampfgruppen endlich einsatzfähig machen. Mogherini soll bis Mitte 2017 Vorschläge unterbreiten, wie die "Bedeutung, Nutzbarkeit und Einsetzbarkeit" von europäischen Krisenreaktionskräften erhöht werden kann.

Überarbeiten will die EU 2017 auch die finanzielle Lastenteilung bei Auslandseinsätzen. Bisher tragen teilnehmende Staaten die Hauptlast der Finanzierung. Mehr eigene Möglichkeiten will sich die EU auch bei der militärischen Aufklärung durch Drohnen und Satelliten geben.

Großbritannien blieb bei seiner Kritik gegen die EU-Pläne. "Anstatt teure neue Hauptquartiere zu planen und von einer Europäischen Armee zu träumen", sollten die Europäer lieber, wie von der Nato seit Jahren gefordert, ihre Verteidigungsausgaben auf zwei Prozent der Wirtschaftsleistung erhöhen, sagte Verteidigungsminister Michael Fallon. Dies sei auch "die bestmögliche Herangehensweise" mit Blick auf den künftigen US-Präsidenten Trump.

Trump will höhere EU-Rüstungsinvestitionen

Trump hat im Wahlkampf deutlicher als seine Vorgänger mehr Engagement der Europäer im Verteidigungsbereich gefordert. Innerhalb der Nato stellte er die Beistandsgarantie bei bewaffneten Angriffen für Länder in Frage, die hier zu wenig investieren.

In der EU kommt Widerstand gegen zu ehrgeizige Verteidigungspläne nicht nur aus Großbritannien. Auch einige osteuropäische Regierungen fürchten, dass durch sie die Nato entwertet werden könnte. Angesichts der Widerstände wird nun auch geprüft, ob einzelne Projekte in kleineren Gruppen umgesetzt werden könnten. Diese "ständige strukturierte Zusammenarbeit" gibt es schon seit Jahren in den EU-Verträgen, wurde aber bisher nicht genutzt.

(bur/AFP)
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