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Synode der rheinischen Landeskirche: Präses Schneider kritisiert den Islam

VON FRANK VOLLMER - zuletzt aktualisiert: 10.01.2011 - 21:38

Bad Neuenahr (RP). Der rheinische Präses und Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, ist auf Distanz zum Islam gegangen. Der Islam trete "von Aufklärung und Religionskritik kaum irritiert in unserer Gesellschaft auf", sagte Schneider in seinem Jahresbericht an die Synode der rheinischen Landeskirche. Man müsse über eine islamische Aufklärung nachenken.

Der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Nikolaus Schneider, läutet in Bad Neuenahr den Auftakt der 62. ordentlichen Landessynode der Evangelischen Kirche im Rheinland ein.  Foto: dapd, dapd
Der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Nikolaus Schneider, läutet in Bad Neuenahr den Auftakt der 62. ordentlichen Landessynode der Evangelischen Kirche im Rheinland ein. Foto: dapd, dapd

Die 219 rheinischen Kirchenparlamentarier tagen noch bis Freitag in Bad Neuenahr. Das islamische Auftreten sei ebenso wie ein sich „lauter und aggressiver“ gebärdender Atheismus „Beschwernis und Chance zugleich“, sagte Schneider. Denn es fordere die Christen dazu heraus, über die eigenen Wurzeln neu nachzudenken. Das eröffne auch die Möglichkeit, „von der Heiligen Schrift inspirierte Lebenskonzepte zu vertreten“.

Der Präses warnte zugleich vor unkritischer Annäherung der Religionen: „Christlicher und muslimischer Glaube geben unterschiedliche Antworten darauf, was den ,Gotteshunger’ und den Lebenshunger der Menschen stillt.“ „Eine ,Mischreligion’ für alle“ könne nicht das Ziel von Integration sein. Für ihn sei klar, dass allein Christus „das rechte Brot und Wasser des Lebens für alle Menschen“ sei. „Ich denke, das haben wir auch muslimischen Gläubigen gegenüber zu bezeugen“, fügte Schneider hinzu.

Auf Nachfrage sagte Schneider, nötig sei ein „akademisch geprägter“ Islam, der „auf Augenhöhe in unseren Universitäten den interreligiösen Dialog führt“. Dazu gehöre, über eine islamische Aufklärung nachzudenken. Schneider sprach sich für die Ausbildung von islamischen Religionslehrern und Imamen an deutschen Universitäten aus. Mehr Imame müssten aus Deutschland kommen und „vor dem Hintergrund der Lebenswelt in unserem Land predigen“.

Diese Entwicklung stehe noch „am Anfang des Anfangs“. Schneider stimmte ausdrücklich dem umstrittenen Satz von Bundespräsident Christian Wulff zu und sagte: „Der Islam ist Teil unseres Landes.“ 2006 hatte die EKD-Handreichung „Klarheit und gute Nachbarschaft“ über das Verhältnis zum Islam zu erheblichen Verstimmungen geführt. In der Schrift hieß es: „Die Feststellung des ,Glaubens an den einen Gott’ trägt nicht sehr weit.“

Der Islam ordne die biblische der eigenen Lehre unter. Zugleich sollten Protestanten auch Muslime einladen, sich „mit Gott versöhnen zu lassen“. Muslimische Verbände hatten das als brüskierende Belehrung und Missionsversuch zurückgewiesen. Schneider prangerte zugleich die Gewalt gegen Christen in vielen Ländern an. Er nannte unter anderem den Angriff auf eine koptische Kirche in Ägypten in der Silvesternacht mit 23 Toten, Terroranschläge im Irak und Einschränkungen der Religionsfreiheit in der Türkei.

 Zugleich beklagte er die Lage der Christen in Indien, China und Nordkorea. „Das Menschenrecht auf Religionsfreiheit ist bedroht!“, heißt es im schriftlichen Teil seines Berichts. Er wünsche sich „vermehrt deutliche solidarische Stimmen muslimischer Theologen“, sagte der Präses. Der Besuch muslimischer Geistlicher in einem Gottesdienst in Bagdad sei aber „ein wichtiges Zeichen“ gewesen. Am Rande der Synode kündigte Schneider auch an, die Bundeswehr in Afghanistan zu besuchen. Er werde „in absehbarer Zeit“ zu einer Pastoralreise an den Hindukusch aufbrechen, sagte er.

Begleiten werde ihn der evangelische Militärbischof Martin Dutzmann. Vorige Woche hatte Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) Schneiders Vorgängerin im EKD-Ratsvorsitz, Margot Käßmann, nach Afghanistan eingeladen. Käßmann hatte 2010 die Lage dort heftig kritisiert. Schneider sagte, er sei sich mit Käßmann „völlig einig“, dass er als Ratschef zuerst reisen werde: „Frau Käßmann hat eine andere Funktion.“


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