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Kundgebung am Sonntag
Zentralrat wehrt sich gegen Juden-Hetze im Internet

Zentralrat wehrt sich gegen Juden-Hetze im Internet
Bürger jüdischen Glaubens bekommen es in Deutschland angesichts antisemitischer Übergriffe mit der Angst zu tun. FOTO: dpa, fe_sv fpt
Der Zentralrat der Juden will mit einer Kundgebung in Berlin ein Zeichen gegen antisemitische Parolen setzen. Er sieht auch die Polizei in der Pflicht. Die soll insbesondere gegen Hetze im Internet vorgehen.

Der Zentralrat der Juden in Deutschland fordert ein schärferes Vorgehen der Polizei gegen antisemitische Hetze im Internet. Viele, die im Internet gegen Juden wetterten und Stimmung machten, schrieben unter ihren richtigen Namen, sagte Zentralrats-Präsident Dieter Graumann der "Passauer Neuen Presse" (Samstag). "Es wäre gar nicht so schwer, sie zu belangen. Hier müssen die Ermittler konsequenter eingreifen."

Für diesen Sonntag hat der Zentralrat zu einer Kundgebung gegen Judenhass in Berlin aufgerufen. Prominenteste Rednerin wird Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sein. Auch Bundespräsident Joachim Gauck, Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) und weitere Mitglieder der Bundesregierung wollen an der Kundgebung am Brandenburger Tor teilnehmen. Es werden mehrere tausend Teilnehmer erwartet. Außer Merkel werden auch der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, der EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider und der Präsident des Jüdischen Weltkongresses, Ronald S. Lauder sprechen.

Während des Gaza-Kriegs im Sommer waren bei Demonstrationen in Deutschland immer wieder verbale Attacken gegen Israel und Juden zu hören gewesen. Darauf reagiert der Zentralrat der Juden jetzt mit der Kundgebung. "Wir wollen zeigen, dass wir uns weder einschüchtern noch den Mut nehmen lassen. Die Botschaft ist: Judentum hat in Deutschland eine Zukunft!", sagte Graumann der Zeitung.

Er ergänzte: "Mir wird manchmal schlecht bei Ausmaß und Unverfrorenheit der Hetze in den Blogs. So viel Häme und Hass, die über mich und alle anderen Juden in Deutschland ausgegossen werden - das hat es noch nie gegeben."

Die frühere Zentralrats-Präsidentin Charlotte Knobloch bedauerte im "Tagesspiegel am Sonntag", dass die Initiative für die Kundgebung nicht "aus der Mitte der Gesellschaft" gekommen sei. "Die Anständigen scheinen eingeschlafen zu sein." Der Antisemitismus der vergangenen Monate habe viele Gesichter, sagte Knobloch. "Die Judenfeinschaft unter Muslimen ist ein Problem. Doch auch viele Ewiggestrige sind erwacht, das sehen wir an der Sprache der Hassbriefe, die wir bekommen."

Bundesinnenminister Thomas de Maizière sagte "Bild-online", er werde an der Kundgebung teilnehmen, "weil ich möchte, dass Juden gerne in Deutschland leben." Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) sagte: "Wer Juden hasst und bedroht, hasst und bedroht uns alle." Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) forderte: "Wir müssen Gesicht zeigen! Judenhass hat keinen Platz in unserer Gesellschaft."

Der Axel Springer Verlag wollte in den drei Nächten vor der Kundgebung ein weithin sichtbares leuchtendes Zeichen gegen Antisemitismus setzen. Auf seinem Verlagsgebäude war erstmals in der Nacht zum Freitag eine Lichtprojektion mit einem blauen Davidstern und dem Appell "Stimme erheben - Nie wieder Judenhass" zu sehen.

(dpa)