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Bogotá
Frieden mit der Brechstange

Bogotá. Kolumbiens Regierung hat sich mit den Guerillas versöhnt - gegen den Volkswillen.

Am 10. Dezember wird Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos in Oslo den Friedensnobelpreis entgegennehmen. Im Gepäck wird er einen spektakulären Erfolg mit sich tragen: den Friedensvertrag mit der linksgerichteten Guerilla-Organisation Farc. In der Nacht zu gestern gab das Parlament des südamerikanischen Landes nach hitzigen Debatten grünes Licht für die Annahme des umstrittenen Papiers. "In 150 Tagen befinden sich die Waffen der Farc in den Händen der Vereinten Nationen", hatte Santos zuvor versprochen. Er nennt den Tag nach der Ratifizierung des Abkommens Kolumbiens "D-Day": der Moment, an dem alles anders wird.

Mit der Ratifizierung durch das Parlament geht eine politische Achterbahnfahrt zu Ende. Ende September wurde der Vertrag in der kolumbianischen Kolonialstadt Cartagena unterschrieben, doch nur eine Woche später siegten die Kritiker bei einer Volksabstimmung. Regierung und Farc machten die Hausarbeiten, überarbeiteten das Abkommen und korrigierten einige handwerkliche Fehler.

Doch die Kritik bleibt. "Das Abkommen verspottet die kolumbianische Demokratie", sagt Ex-Präsident Álvaro Uribe. Seine rechtskonservative Partei DC blieb den Abstimmungen fern. Damit fehlt dem Abkommen eine große emotionale Komponente, denn ein Teil der kolumbianischen Bevölkerung empfindet den Vertrag angesichts der Gräueltaten der Guerilla als zu moderat und nachsichtig. Uribe kritisiert, das Volk hätte ein zweites Mal gefragt werden müssen.

Doch die aktuelle Lage macht es notwendig, das Friedensabkommen schnell umzusetzen. Die Vereinten Nationen schlagen Alarm, dass in den von den Farc geräumten Drogenanbaugebieten neue illegale Gruppen das kriminelle Erbe der Guerilla antreten wollen.

(käu)
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