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Persönlich
Giorgia Meloni . . . will schwanger Rom regieren

Sie ist zierlich, hat lange blonde Haare und schöne Augen: Giorgia Meloni ist eine attraktive Frau, und sie ist Politikerin in Italien. Nun möchte die 39-jährige Neofaschistin Bürgermeisterin von Rom werden und das, obwohl sie im fünften Monat schwanger ist. "Nach langen Überlegungen habe ich beschlossen, für das Amt in Rom zu kandidieren", so die Vorsitzende der Partei "Fratelli d'Italia". Melonis Kandidatur ruft nun italienische Machos auf den Plan. Ex-Premier Silvio Berlusconi machte deutlich, wie wenig er von Melonis Kandidatur hält: Es sei wohl jedem klar, "dass eine Mutter sich einem Job nicht so richtig hingeben könne". Eine bemerkenswerte Aussage: Immerhin war Meloni unter Berlusconi Jugend-Ministerin. Auch ihr Rivale um das Bürgermeisteramt, Guido Bertolaso, ein enger Vertrauter von Berlusconi, hatte ihr geraten, sie solle zu Hause bleiben. Der nimmt die Schwangerschaft als Vorwand, um auf Stimmenfang zu gehen. Umfragen zufolge hat Bertolaso gegen die politikerfahrene Meloni kaum Chancen. Warum sollte man ihr zumuten, "sich um Schlaglöcher und Müll zu kümmern, während sie ihr Kind stillt?"

Meloni spaltet mit ihrer Kandidatur das Mitte-rechts-Lager. Während die Rechtspopulistin von der Lega Nord Zuspruch erhält, unterstützt Berlusconis Forza Italia den Gegenkandidaten Bertolaso. Während ihres Studiums der Politikwissenschaften gründete Meloni eine Studentenbewegung, später engagierte sie sich bei den Postfaschisten der Alleanza Nazionale, aus denen die "Fratelli d'Italia" hervorgingen. 2006 wurde sie mit 29 ins Parlament gewählt. Die sexistischen Sprüche gegen Meloni sind kein Einzelfall in Italien: Gerade erst hat die Mailänder Bürgermeisteranwärterin Patrizia Bedori (52) ihre Kandidatur zurückgezogen, da sich Parteikollegen herablassend über ihre Figur geäußert hatten. So bezeichnete Parteichef Pepe Grillo sie als "gute, robuste Mamma". Das Frauenbild vieler Italiener kennt offenbar nur zwei Typen: die Liebhaberin und die "Mamma".

Sarah Biere

Quelle: RP
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