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Düsseldorf
NRW will Turnhallen freigeben

Düsseldorf. Das Innenministerium plant, 40 Turnhallen schrittweise wieder dem Schulsport zur Verfügung zu stellen. Derzeit dienen viele als Notunterkünfte für Flüchtlinge. Der Städtebund ist skeptisch. Von Detlev Hüwel

NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) will bis Ende März vor allem Turn- und Mehrzweckhallen räumen, die dem Land derzeit noch als Notunterkünfte für Flüchtlinge dienen. In Monheim und Krefeld ist die Übergabe bereits erfolgt. Ob alle geräumten Turnhallen tatsächlich wieder dem Schul- und Vereinssport zur Verfügung stehen, wird vom Städte- und Gemeindebund NRW stark bezweifelt.

Das Land will nach Angaben des Innenministeriums im ersten Quartal dieses Jahres schrittweise 10.000 Plätze in den von den Kommunen in Amtshilfe überlassenen Notunterkünften freimachen. Darunter befinden sich 6830 Plätze in etwa 40 Turn- und Sporthallen. Im Regierungsbezirk Düsseldorf sollen rund 1100 Plätze in Sporthallen abgebaut werden und im Regierungsbezirk Köln 1760.

Darüber hinaus nutzen viele NRW-Kommunen derzeit etwa 270 Turnhallen zur Unterbringung jener Asylbewerber, die ihnen nach der Erstaufnahme und Registrierung zugewiesen worden sind. "Wenn weitere Flüchtlinge kommen, und das zeichnet sich ja ab, bleibt den Städten gar nichts anderes übrig, als die vom Land geräumten Hallen zu nutzen", sagt Bernd Jürgen Schneider, Hauptgeschäftsführer des Städte- und Gemeindebundes NRW, unserer Redaktion. Nur so lasse sich Obdachlosigkeit vermeiden. Schneider glaubt auch nicht daran, dass die Kommunen die von ihnen in eigener Regie geführten Turnhallen in absehbarer Zeit freimachen können.

In Krefeld beispielsweise wird die vom Land zurückgegebene Glockenspitzhalle nicht für Sportveranstaltungen freigeben. Der Grund: Der Stadt wurden 140 neue Asylbewerber angekündigt; sie werden in die Halle einziehen. Ähnliche Überlegungen werden auch in Meerbusch (Kreis Neuss) für die derzeit noch vom Land als Notunterkünfte genutzten Turnhallen zweier Gymnasien angestellt.

Auf Anfrage der Bezirksregierung Köln hat die Stadt Wermelskirchen signalisiert, zwei für die Unterbringung von Flüchtlingen genutzte Turnhallen noch bis Ende April zur Verfügung zu stellen sowie zwei Mehrzweckhallen bis 31. Juli.

Gleichwohl sind zahlreiche Kommunen wie etwa Dormagen, Geldern, Haan, Kempen, Mettmann und Willich bestrebt, die Hallen wieder für den Sport freizugeben. Neuss will prüfen, ob demnächst die Dreifachturnhalle in Allerheiligen wieder den Sportvereinen überlassen werden kann. Die Stadt Kaarst will in Kürze eine von drei Sporthallen wieder dem Sport zur Verfügung stellen. Eine vierte Halle war zwar für Flüchtlinge hergerichtet worden, wurde aber nicht belegt. Ab heute kann dort wieder geturnt und gespielt werden.

Umgekehrt wird in Düsseldorf erwogen, Turnhallen demnächst mit Asylbewerbern zu belegen. Die Landeshauptstadt gehört dem Innenministerium zufolge zu den 22 größeren Städten, die ihr Aufnahmesoll bisher noch nicht erfüllt haben (3504 Flüchtlinge zu wenig) und deswegen vorrangig mit der Zuweisung von Asylbewerbern rechnen müssen, während den anderen Kommunen zunächst eine "Verschnaufpause" eingeräumt wird.

Die "Welt am Sonntag" hatte zudem berichtet, dass wegen des Rückgangs der Flüchtlingszahlen im Winter die landeseigenen Erstaufnahmeeinrichtungen in mehreren Bundesländern nicht einmal zur Hälfte belegt seien. In Nordrhein-Westfalen liegt demnach die Auslastung bei 40 Prozent.

Quelle: RP
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