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Bundeswehr in der Türkei
Soldaten verlassen Kaserne nur noch in Zivil

"Patriot"-Einsatz: Deutsche Soldaten verlassen Kaserne nur noch in Zivil
Die Bundeswehr hat die Vorsichtsmaßnahmen für ihre Soldaten im "Patriot"-Einsatz erhöht. FOTO: dpa, bvj axs htf jai
Kahramanmaras. Keine konkrete Bedrohung, aber ein abstraktes Risiko: Das Bundeswehr-Kontingent in der Türkei hat seine Vorsichtsmaßnahmen verschärft, um nicht Ziel eines Anschlags zu werden. Die Kaserne wird nur noch in zivil verlassen, wie Kommandeur Hogrebe schildert.

Für das Bundeswehr-Kontingent in der Türkei besteht nach Einschätzung des Kommandeurs, Oberst Michael Hogrebe, aktuell keine konkrete Bedrohung. "Nichtsdestotrotz kann das abstrakte Risiko natürlich nicht ausgeschlossen werden", sagte der 50-Jährige am Mittwoch in einem Telefoninterview vom Standort in der Stadt Kahramanmaras rund 100 Kilometer nördlich der syrischen Grenze. "Wir sind in der Bevölkerung hochwillkommen. Gleichwohl, die berühmte hundertprozentige Sicherheit, die man gern immer hätte, gibt es nun mal leider nicht."

Nach dem Sprengstoffanschlag der Terrormiliz IS in Suruc nahe der türkisch-syrischen Grenze - etwa 160 Kilometer Luftlinie vom Bundeswehrstandort entfernt - und einem Grenz-Zwischenfall rund 120 Kilometer entfernt haben die türkischen Streitkräfte ihre Sicherheitsmaßnahmen erhöht, wie Hogrebe schilderte. Auch die Bundeswehr habe in Abstimmung mit dem türkischen Kommandeur der Kaserne, in der die Deutschen stationiert sind, Vorsichtsmaßnahmen ergriffen "für den unwahrscheinlichen Fall, dass ...".

"Anders als in der jüngeren Vergangenheit werden wir jetzt erstmal auf absehbare Zeit nur noch zu dienstlichen Zwecken die Kaserne verlassen - wenn, dann in Zivil", sagte Hogrebe. Auch Fahrten seien vorerst beschränkt worden.

Rund 260 deutschen Soldaten sind zurzeit in einer türkischen Kaserne unterbracht. Ein Teil kommt aus Husum in Schleswig-Holstein und Standorten in Mecklenburg-Vorpommern. Seit 2013 hat die Bundeswehr ein Kontingent mit Patriot-Abwehrraketen dort stationiert, um eventuelle Raketen aus Syrien abfangen zu können. Bisher musste die Bundeswehr nicht eingreifen. Das Mandat läuft bis Ende Januar 2016.

Auf die Frage, ob er angesichts der Unwahrscheinlichkeit von Raketenangriffen durch das geschwächte syrische Regime den Einsatz für militärisch sinnvoll halte, sagte Hogrebe: "Die wesentliche Frage ist, ob der Einsatz politisch sinnvoll ist." Und die Türkei habe als der vom syrischen Bürgerkrieg am stärksten betroffene Bündnispartner um Hilfe gebeten. Der Auftrag bestehe darin, die Stadt Kahramanmaras mit ihren 500.000 Einwohnern und zusätzlich 50.000 syrischen Flüchtlingen dort zu schützen. Allein die Anwesenheit der Bundeswehr habe Syriens Streitkräfte schon davon abgebracht, "ihre Terrorwaffen gegen türkisches Gebiet einzusetzen", sagte Hogrebe.

In der Vergangenheit konnte bei einem Viertel der Soldaten die Karenzzeit von 20 Monaten zwischen zwei vier- bis sechsmonatigen Einsätzen nicht eingehalten werden. Auf die Frage, ob dies weiter ein Problem sei, sagte Hogrebe: "Das kann ich hier aus dem Einsatz nicht verlässlich beantworten. Allerdings kann ich sagen, dass circa 70 Prozent des Kontingentes zum ersten Mal im Einsatz sind." Natürlich seien einige Raketenabwehr-Spezialisten zum wiederholten Male hier. "Die Stimmung ist gut", sagte Hogrebe. Die Kameradinnen und Kameraden erfüllten "unaufgeregt und professionell ihren Auftrag".

Die türkische Bevölkerung in der Region schätzt laut Hogrebe die Bundeswehr sehr. Er sei überwältigt von der Herzlichkeit und der Gastfreundschaft. "Erst vergangenen Woche habe ich mich mit dem Imam unterhalten, der auch nochmal unterstrichen hat, wie hochwillkommen wir hier bei der Bevölkerung sind." Anfangsschwierigkeiten oder Missverständnisse seien überwunden.

(dpa)
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