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Rücktritt vom Brexit

Es ist vermutlich die politische Blamage des Jahrzehnts: Boris Johnson, der Mann, dem das Brexit-Lager seinen Sieg beim Austrittsreferendum verdankt, will nicht die Nachfolge von David Cameron als britischer Premierminister antreten. Johnson kneift, denn er wurde von Cameron ausmanövriert. Mit seiner viel kritisierten Weigerung, die Scheidung von der EU unverzüglich einzureichen, hat Cameron seinen Rivalen zum Offenbarungseid gezwungen. Nun kann jeder sehen, mit welcher Leichtfertigkeit man die Briten zum Austritt verführt hat. Denn nichts anderes belegt ja Johnsons Rückzieher: völlige politische Verantwortungslosigkeit. Von Matthias Beermann

Damit bekommt aber auch ein Szenario wieder Plausibilität, das man auf beiden Seiten des Ärmelkanals vorschnell vom Tisch gefegt hat: ein Rücktritt vom Austritt. Das wird nicht leicht, aber es ist möglich. Am saubersten wären vorgezogene Neuwahlen, dann könnte ein neues Parlament über den Brexit entscheiden. Ob es dazu oder zu einer anderen Lösung kommt, ist offen. Sicher aber ist, dass die Briten dafür Zeit benötigen. Die sollten wir ihnen geben.

Quelle: RP
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